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Nix verschenken

Katja Stricker
Auf eine halbe Milliarde Euro verzichten Berufstätige, Bewerber und Nebenjobber jährlich, weil sie nicht alle Absetzmöglichkeiten nutzen. Doch das Sammeln und Rechnen ist bares Geld wert. Mit welchen Kniffen Sie bei der Steuererklärung 2005 mehr Geld rausholen.
Kistenweise Quittungen sortieren, Rechnungen rausfummeln, Berge von Formularen ausfüllen - Steuererklärungen sind ein Graus. Doch das Sammeln und Rechnen ist bares Geld wert: 800 bis 1 000 Euro bekommt jeder Arbeitnehmer, der seine Steuererklärung abgibt, im Schnitt vom Staat zurück. Das reicht schon für einen Urlaub

Nach Schätzungen des Bundes der Steuerzahler verschenken die Deutschen jährlich rund eine halbe Milliarde Euro, weil sie auf einen Lohnsteuerjahresausgleich verzichten oder nicht wissen, was sie alles absetzen können. Dabei gibt es Steuerprogramme, die helfen, den Papierkrieg schneller und unkomplizierter am Computer auszufechten. Auf Seite 126 finden Sie die Steuer-CD "karrieret@x 2006" als kostenloses Extra, auf der sich eine komplette Steuersoftware inklusive Steuerfachbuch und Finanzplanungsprogramm befindet. Mit den folgenden Abzugstricks können Sie noch mehr rausholen:

Die besten Jobs von allen
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Bewerbungskosten
Kosten, die bei der Jobsuche entstehen, sind selbst dann steuerlich absetzbar, wenn die Bewerbungen nicht erfolgreich waren. Das Finanzamt erkennt zum Beispiel Ausgaben für Passfotos, Fotokopien, Mappen, Beglaubigungen, Porto, Stellengesuche, Einwahlgebühren für Internet-Jobbörsen, Telefonkosten, Bewerbungsbücher und -kurse sowie die Fahrten zu Vorstellungsgesprächen an. Nach einem Urteil des Finanzgerichts Köln lassen sich Bewerbungskosten in bestimmten Grenzen sogar ohne Quittungen und Belege absetzen. Für eine Bewerbungsmappe werden pauschal 8,50 Euro akzeptiert. Nicht abzugsfähig sind hingegen Anzug oder Kostüm, die eigens fürs Vorstellungsgespräch gekauft wurden.
Auch wer 2005 keine oder nur geringe Einnahmen hatte, etwa weil er sein Examen gemacht hat oder arbeitslos war, sollte für das abgelaufene Jahr eine Steuererklärung abgeben und die Aufwendungen für seine Jobsuche als Werbungskosten geltend machen. Diese Ausgaben führen zu einem Verlust, den das Finanzamt mit dem Steuerbescheid feststellt. Im nächsten Jahr verringert dieser Verlust das zu versteuernde Einkommen und führt so in 2006 zu einer niedrigeren Steuerbelastung.
Eintrag in: Mantelbogen, Zeile 61/62

Nebentätigkeit
Gemeinnütziges Engagement zahlt sich aus. Wer einen Nebenjob als Übungsleiter, Ausbilder, Chorleiter, Trainer im Sportverein oder Helfer beim Roten Kreuz hat, kann eine Aufwandsentschädigung von bis zu 1 848 Euro im Jahr steuerfrei kassieren. Ob diese begünstigte Nebentätigkeit selbstständig oder unselbstständig ausgeübt wird, spielt für die Gewährung des Freibetrags keine Rolle. Bei mehreren solcher Nebenjobs werden die Einnahmen addiert.
Eintrag in: Anlage N, Zeile 24

Dienstwagen
Wer einen Firmenwagen auch privat nutzt, wird vom Finanzamt zur Kasse gebeten: Ein Prozent vom Listenpreis werden in der Regel monatlich pauschal als geldwerter Vorteil dem zu versteuernden Einkommen zugeschlagen. Für alle, die ihren Dienstwagen eher selten für Privatfahrten nutzen, wird es billiger, wenn sie über einen Einzelnachweis nur die tatsächlich privat gefahrenen Strecken versteuern.
Wer über Einzelbelege abrechnet, ist allerdings verpflichtet, ein Fahrtenbuch zu führen. Für Dienstfahrten muss neben Datum, Kilometerstand und Reiseziel auch der Reisezweck eingetragen werden; bei privater Nutzung genügen die Kilometerangaben. Nach einem aktuellen Urteil des Bundesarbeitsgerichts können Angestellte, die sich für die Nachweismethode entscheiden, von ihrem Arbeitgeber detaillierte Infos zu den Pkw-Kosten verlangen, um die tatsächliche private Nutzung zu berechnen.
Nachweismethode auf einem Zusatzblatt ausweisen und korrigierten Bruttoarbeitslohn (zuzüglich tatsächliche Wagennutzung) in Anlage N, Zeile 2, eintragen.

Verpflegungspauschale
Arbeitnehmer, die 2005 viel unterwegs waren, können für ihre Dienstreisen Verpflegungspauschalen geltend machen. Wer zwischen acht und 14 Stunden innerhalb Deutschlands beruflich unterwegs war, darf sechs Euro absetzen, ab 14 Stunden zwölf Euro und für mehr als 24 Stunden 24 Euro. Für Dienstreisen ins Ausland gibt es länderspezifische Pauschalbeträge. Unabhängig davon, ob es Essen und Getränke beim Businesstermin gab, dürfen die Pauschalen generell als Werbungskosten abgesetzt werden. Über Einzelnachweise höhere Kosten anzusetzen ist dagegen nicht möglich.
Eintrag in: Mantelbogen, Zeile 63 bis 67

Arbeitszimmer
Wer mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit zu Hause tätig ist oder Tätigkeiten ausübt, für die kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist, kann bis 1 250 Euro im Jahr als Werbungskosten absetzen. Das gilt beispielsweise für Lehrer, die im Homeoffice Klausuren korrigieren und den Unterricht vorbereiten, weil sie in der Schule keinen Extraraum haben. Wichtig: Der Höchstbetrag von 1 250 Euro ist keine Pauschale, die Kosten und die tatsächliche Nutzung des Arbeitszimmers müssen konkret nachgewiesen werden.
Neuerung gegenüber der Vorjahreserklärung: Nutzt ein Paar das häusliche Arbeitszimmer gemeinsam, kann es ab 2005 nur noch einmal den Höchstbetrag absetzen. Ganz leer gehen Arbeitnehmer aus, die nur hin und wieder nach Dienstschluss oder am Wochenende Arbeit mit nach Hause nehmen; sie können die Kosten für ihr Heimbüro gar nicht geltend machen.
Eintrag in: Mantelbogen, Zeile 55/56

Selbstständige
Erstmals für 2005 müssen kleinere Unternehmen und Freiberufler ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung mit Hilfe des neuen Formulars "EÜR" machen. Formlose Gewinnermittlungen, die bisher ausgereicht haben, akzeptieren die Finanzämter künftig nur noch, wenn die jährlichen Betriebseinnahmen einschließlich Umsatzsteuer 17 500 Euro nicht überschreiten.
Wer diese Grenze überschreitet, muss sich mit dem vierseitigen Formular befassen, das 67 Posten abfragt, darunter private Telefon- und Kfz-Nutzung, Betriebsausgaben für Büromaterial, Porto, Fortbildung, Bewirtung, Fachliteratur und Steuerberatung sowie Rücklagen und Anspar-Abschreibungen.
Eintrag in: Anlage EÜR

Spenden
Wer regelmäßig ein Patenkind in Afrika und das Tierheim um die Ecke finanziell unterstützt oder auch einmalig für die Erdbebenopfer in Pakistan gespendet hat, kann diese Zahlungen als Sonderausgaben absetzen. Normalerweise muss bei der Steuererklärung eine Spendenbescheinigung eingereicht werden, die es bei Mitgliedschaften und regelmäßiger Förderung meist am Jahresanfang automatisch gibt. Bei Einzelspenden bis zu 100 Euro oder in Katastrophenfällen, die auf ein Sonderkonto gehen, akzeptiert das Finanzamt als Nachweis den Kontoauszug oder den Bareinzahlungsbeleg.
Eintrag in: Mantelbogen, Zeilen 89 bis 92

Steuererklärung light
Für Arbeitnehmer ohne komplizierte Einkommensverhälnisse wird es künftig leichter: Ab dem Steuerjahr 2005 können sie erstmals bundesweit das auf zwei Seiten abgespeckte Steuerformular "ESt 1 V" nutzen. Gedacht ist die Kompakt-Steuererklärung für Berufstätige ohne nennenswerte Nebeneinnahmen wie Zinserträge oder Vermietungseinkünfte. Auch wer Lohnersatzleistungen wie Mutterschafts- oder Arbeitslosengeld bezieht, kann so viel Arbeit und Zeit sparen. Verheiratete können die Light-Variante nur nutzen, wenn sie zusammen veranlagt werden wollen.
Das neue Formular lohnt sich für Arbeitnehmer, die nur die üblichen Werbungskosten absetzen wollen. Vorgesehen sind Rubriken für die Entfernungspauschale, für Arbeitsmittel, Fortbildungs- und Bewerbungskosten sowie Reisekosten bei Dienstreisen. Wer dagegen sein Arbeitszimmer, einen Umzug oder doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend machen will, muss wohl oder übel auf das herkömmliche Formular zurückgreifen.

Dieser Artikel ist erschienen am 31.01.2006