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Niki Lauda will wieder abheben

Von Ulrich Glauber, Handelsblatt
Mit der Österreich-Tochter der zahlungsunfähigen Aero Lloyd will Niki Lauda wieder abheben. Woher kommt das Geld? Die Reisekasse dürfte seit dem Verkauf der Anteile an seiner Fluggesellschaft Lauda Air an Austrian Airlines (AUA) vor drei Jahren noch wohl gefüllt sein.
Das zweite Comeback des Niki Lauda. Foto: dpa
WIEN. Jetzt plant der 54-jährige Wiener ein neues Comeback: Mit der Österreich-Tochter der zahlungsunfähigen Aero Lloyd will Lauda wieder abheben. Woher kommt das Geld? Die Reisekasse dürfte seit dem Verkauf der Anteile an seiner Fluggesellschaft Lauda Air an Austrian Airlines (AUA) vor drei Jahren noch wohl gefüllt sein. Jetzt drückt Lauda aufs Tempo, damit sich die Masseverwalter der zahlungsunfähigen Aero Lloyd zwischen ihm und seinen Übernahmekonkurrenten entscheiden.Insider in Wien munkeln, dass Lauda mit Partnern in der 60 Kilometer von Wien entfernten slowakischen Hauptstadt Bratislava (Pressburg) schon seit geraumer Zeit an neuen Plänen arbeitet. Er bastle am Aufbau einer Billigfluglinie mit Standbein im benachbarten Niedrigpreisland.

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Dass Niki Lauda von seinem Traum vom Fliegen nicht lassen würde, war seinem Bekanntenkreis schon lange klar. Zunächst waren dem Ex-Rennfahrer aber die Hände gebunden, weil ihm eine Vereinbarung mit der AUA jede Tätigkeit im Luftfahrtgeschäft verbot. Jetzt jedoch kommt ihm die Pleite der Aero Lloyd terminlich gerade recht. Mit den vier Fliegern von deren Österreich-Tochter, die nicht in Konkurs gegangen ist, will der Wiener Tausendsassa im Preis umkämpften Markt wieder durchstarten.Dass der leidenschaftliche Pilot auch schwerem Wetter trotzen kann, hat Lauda gleich mehrmals bewiesen. So waren die Eltern des Fabrikantensohns keineswegs begeistert, dass ihr Sprössling eine Rennfahrerkarriere anstrebte. Nikolaus Andreas, so sein Geburtsname, setzt sich jedoch durch und holt ? nur vom deutschen Talent Michael Schumacher übertroffen ? 1975 und 1977 den Weltmeistertitel für die ?Roten? vom italienischen Ferrari-Rennstall.Im Jahr dazwischen geschieht auf dem Nürburg-Ring der fürchterliche Unfall, von dem Niki Lauda bis heute gezeichnet ist. Tagelang ringt der Formel-1-Fahrer nach schweren Verbrennungen mit dem Tod. Schon Wochen später steigt er wieder ins Rennwagen-Cockpit. Sein ?Kapperl?, über das die Österreicher schmunzeln, trägt Lauda auch, um die Folgen der Verbrennungen wenigstens zum Teil zu verbergen.Nach dem Ausstieg aus der Oberliga des Motorsports gründet der motorenbegeisterte Österreicher seine Fluglinie Lauda-Air, die zunächst aus zwei Hüpfern vom Typ Fokker 27 besteht. Um finanziell wieder flüssig zu werden, entschließt er sich 1983 zur Rückkehr in den Rennzirkus und holt ein Jahr später bereits seinen dritten WM-Titel ? diesmal für Ford-McLaren.Nach dem endgültigen Abschied als Rennfahrer baut der umtriebige Jetsetter seine Fluglinie zu einem viel gebuchten Charterunternehmen und schließlich auch zum Linienflieger auf Fernstrecken aus. Die wohl bitterste Stunde als Unternehmer folgt im Jahr 1991. Knapp nach dem Start in Bangkok stürzt die Boeing 727 ?Mozart? wegen eines Konstruktionsfehlers ab. Stunden später ist Lauda vor Ort, um sich über das Unglück mit 223 Todesopfern ein Bild zu machen.Auch der immer gnadenlosere Wettbewerb mit der damals staatlichen AUA setzt Lauda mächtig zu. Als Lauda-Air ? ab 1990 börsennotiert ? ein Jahr später die Konzession für den weltweiten Linienbetrieb erhält, beginnt ein gnadenloser Verdrängungskampf. Zwei international tätige Fluggesellschaften waren für acht Millionen Österreicher einfach zu viel.Zwar bringt die deutsche Lufthansa zunächst frisches Kapital. Doch Lauda kommt schließlich nicht daran vorbei, den großen Konkurrenten aus Wien-Schwechat an Bord zu holen. Die AUA übernimmt 1997 zunächst 36 Prozent der Aktien, die Lufthansa behält ein Fünftel und Lauda selbst 30 Prozent.Drei Jahre später kommt es zum Zerwürfnis. Lauda scheidet im Streit um sein Finanzgebaren aus dem Vorstand der Fluglinie aus, die seinen Namen trägt ? nicht ohne seinem Ärger über das Vorgehen des AUA-Vorstandes Luft zu machen. Später einigt er sich jedoch zähneknirschend mit der AUA, die Lauda-Air schrittweise ganz übernimmt und Lauda-Air vom Kurszettel der Börse streicht.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.11.2003