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Nike-Gründer Phil Knight wirft seinen Nachfolger raus

Von Tobias Moerschen und Markus Fasse
Seiteneinsteiger tun sich traditionell schwer in der eigenwilligen Firmenkultur von Nike. Das bekam auch William Perez zu spüren. Nun bekommt der führende Sportartikelkonzern einen neuen Chef. Die Stellenbeschreibung: Den Erzrivalen Adidas auf Distanz halten.
NEW YORK/MÜNCHEN. 14 Monate war William Perez auf dem Chefsessel in Beaverton, am Montagmorgen setzte das Unternehmen ihn vor die Tür. ?Unüberbrückbare Differenzen mit Firmengründer Philip Knight hätten zur Entlassung geführt, teilte Nike mit. Perez war im Dezember 2004 zum Chef des Sportartikelkonzerns ernannt worden und damals der erste Manager, der nach Firmengründer Knight das Turnschuh-Imperium führte. Perez? Job übernimmt Mark Parker, bisher die Nummer zwei in der Firmenhierarchie. Phil Knight bleibt als Chef des Aufsichtsrates aber mächtigster Mann im Hause Nike.?Die Nachfolge ist für jedes Unternehmen eine Herausforderung, unglücklicherweise haben die Erwartungen die William und ich hatten sich nicht erfüllt?, sagte Firmenpatron Knight, der Perez vor einem Jahr vom Putzmittelfabrikanten S.C. Johnson engagierte, um sein Lebenswerk fortzuführen.

Die besten Jobs von allen

Seiteneinsteiger wie Perez tun sich traditionell schwer in der eigenwilligen Firmenkultur. Nikes Firmenzentrale liegt auf einem abgelegenen Campus im Ort Beaverton im westlichen US-Bundesstaat Oregon. Die dortigen Gebäude, inklusive der Mensa, sind benannt nach legendären Sportlern wie Michael ?Air? Jordan, die Nikes Marke berühmt machten. Gründer Knight residiert in einem japanisch eingerichteten Büro, in dem Schuhe verboten sind und das selbst enge Mitarbeiter nicht betreten dürfen.Phil Knight, der stets sonnenbebrillte Patriarch, kehrt bereits zum zweiten Mal aus dem Quasi-Ruhestand zurück. Zwischen den Jahren 1994 und 2000 übergab Knight die Vorstandsführung seinem langjährigen Mitarbeiter Tom Clarke. Als dieser jedoch kein Mittel gegen sinkende Umsätze und Gewinne fand, übernahm Knight zusätzlich zum Aufsichtsratsvorsitz wieder die Vorstandsleitung. Darauf verzichtet der Mann, der Laufschuhe zum Kultartikel machte, diesmal. Doch indem er seinen langjährigen Adjutanten Parker, der seit 30 Jahren für Nike arbeitet, zum Vorstandschef ernennt, behält Knight de facto die Zügel in der Hand.Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Phil konnte nicht loslassen" ?Phil konnte am Ende nicht loslassen?, zitierte die US-Zeitung ?Wall Street Journal? Nike-Unternehmenskreise. An mangelndem Geschäftserfolg scheiterte Perez nicht: Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 31. Mai vergangenen Jahres endete steigerte er Nikes Gewinn um 28 Prozent auf 1,21 Mrd. Dollar gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz kletterte um zwölf Prozent auf 13,74 Mrd. Dollar. Für das zweite Geschäftsquartal, das am 30. November endete, meldete Nike einen Gewinnanstieg von 15 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Doch die weltweite Vormacht ist in Gefahr.Nike sieht sich immer heftigeren Angriffen seines deutschen Konkurrenten Adidas ausgesetzt. Zwar ist Nike vom Umsatz her noch fast doppelt so groß wie die Franken, aber Adidas-Chef Herbert Hainer hat sich zum Ziel gesetzt auf lange Sicht mit Nike gleichzuziehen. Während Adidas in Asien und Europa die Nummer Eins ist, mussten die Deutschen auf dem US-Markt lange Zeit herbe Verluste verkraften. Mittlerweile gilt das Geschäft aber als saniert.Im August holten die Deutschen zum großen Schlag aus. Für rund 3,7 Mrd. Euro kauften sie den Nike-Konkurrenten Reebok. Damit hat Adidas in den USA die kritische Masse erreicht, die es dem Konzern ermöglicht, ähnliche Konzessionen bei den US?Händlern einzufordern wie Nike. Am Mittwoch sollen die Reebok-Aktionäre die Übernahme beschließen. Auch die Entscheidung der EU-Kommission dürfte kurz danach folgen, so dass die Fusion möglicherweise bald vollzogen werden kann.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.01.2006