Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Nicht ohne meinen Vater

Hans-Peter Siebenhaar
Tochter Elisabeth Murdoch präsentiert sich auf der Film- und Fernsehmesse in Cannes als erfolgreiche Unternehmerin ? und empfiehlt sich, den Medientycoon Rupert Murdoch zu beerben. Bislang gilt Bruder James als Favorit für den Chefposten. Doch die 39-Jährige stielt ihm mit einer beeindruckenden Leistungsbilanz die Schau.
CANNES. Wie an einer Londoner Bushaltestelle standen die Produzenten und TV-Manager auf der Film- und Fernsehmesse in Cannes brav Schlange, um Elisabeth Murdoch zu hören. Die charmante Tochter des amerikanisch-australischen Medientycoons Rupert Murdoch sollte im Palais des Festivals über ?Kreativität ohne Grenzen? sprechen. Das Interesse an der blonden Unternehmerin aus London übertraf alle Erwartungen.Das lange Warten wurde belohnt. Denn die willensstarke Gründerin des britischen TV-Produktionskonzerns Shine enttäuschte die internationale Fernsehgemeinde nicht. ?Kreativität ist das Herz unseres Geschäfts. Ohne Kreativität können wir unseren Rucksack auf die Schulter schnallen und nach Hause gehen?, sagte Murdoch und lächelte in das überfüllte Auditorium.

Die besten Jobs von allen

Die Botschaft ist eindeutig: Hier steht eine Unternehmerin, die Kreativität und Geschäft zusammenbringen kann und zu Großem fähig ist. Hier steht eine Unternehmerin, die in der Lage ist, das milliardenschwere Erbe ihres Vaters Rupert anzutreten.Dem Senior gehören über den Medienkonzern News Corp. beispielsweise die Sender Fox und BSkyB, die Wirtschaftszeitung ?Wall Street Journal?, das Sensationsblatt ?Sun? und das Hollywoodstudio 20th Century Fox.Auf die Frage, ob sie zum Imperium ihres Vaters zurückkehren will, sagt Elisabeth Murdoch ausweichend: ?Man kann nie nie sagen.? Dabei setzt sie wieder ihr vertrauensvolles Lächeln auf und legt den Kopf in eine kokette Schieflage.Ihre eigene Leistungsbilanz beeindruckt. Mit ihrer Produktionsgesellschaft Shine und einer Reihe von Zukäufen in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten ist es der Milliardärstochter gelungen, einen einflussreichen Konzern aufzubauen. ?Elisabeth Murdoch hat die Nase, die richtigen Firmen zu kaufen?, sagt Jens Richter, Filmrechtechef von Pro Sieben Sat 1.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bruder Lachlan hat schlechte Karten. Shine ist mit einem Umsatz von rund 400 Millionen Dollar zwar noch lange kein Hollywoodstudio. Doch das Unternehmen hat sich zu einem respektablen TV-Produzenten entwickelt, der Konzernen wie Endemol oder der Bertelsmann-Tochter Fremantle mächtig Konkurrenz macht. ?Shine ist längst eine der führenden unabhängigen Fernsehproduzenten?, sagt Conor Dignam, Chefredakteur des britischen Branchenmagazins ?Broadcast?.Trotz Elisabeths Leistung: Als Favorit auf die Nachfolge Rupert Murdochs gilt Bruder James. Er leitet das Geschäft von News Corp. in Europa und Asien und ist Vorstandschef des britischen Bezahlsenders BSkyB. Der 35-Jährige kümmert sich auch um den deutschen Pay-TV-Konzern Premiere, der Murdoch zu knapp 23 Prozent gehört.Ihr ebenfalls jüngerer Bruder Lachlan, 36, hat die schlechtesten Karten. Er hat vor Jahren seinen Job bei News Corp. entnervt hingeworfen und lebt seitdem in Australien. Vor wenigen Tagen scheiterte er, den australischen Medienkonzern Consolidated Media zu übernehmen.Die Eltern von Elisabeth Murdoch haben sich bereits vor zehn Jahren getrennt. Ihre Mutter Anna erhielt damals Beteiligungen im Wert von 1,7 Milliarden US-Dollar, die eines Tages an ihre Kinder fallen werden. Kaum zwei Wochen später heiratete Rupert Murdoch die damals 30-jährige Chinesin Wendi, mit der er mittlerweile die beiden Kinder Grace und Chloe hat.Familienstreitigkeiten gehören zum Murdoch-Clan wie das Brot zur Suppe. Die älteren Kinder sind inzwischen davon überzeugt, dass Wendi nicht bereit sein wird, das wertvolle Aktienpaket der Familie an News Corp. mit ihnen zu teilen. Welches der insgesamt sechs Kinder letzten Endes das Imperium des schwerreichen Vaters erben wird und in der New Yorker Konzernzentrale auf der Avenue of the Americas den Chefsessel einnehmen wird, ist offenbar bis heute nicht ausgemacht.Elisabeth Murdoch geht als Unternehmerin unterdessen eigene Wege ? die aber vom Vater begleitet werden. Rupert Murdoch hat einmal gesagt, dass von seinen vier Kindern aus den ersten beiden Ehen Elisabeth ihm am ähnlichsten sei.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Elisabeth sammelte Geld für Barack Obama. Ohne die Unterstützung des über-mächtigen Vaters geht bis heute kaum etwas. Denn offenbar stammt das Geld für die insgesamt mehr als 160 Millionen Euro teuren Zukäufe Elisabeths aus den Tantiemen des elterlichen Konzerns. Davon sind britische Brancheninsider überzeugt.Im Gegensatz zum erzkonservativen Vater Rupert, der mit seinem Nachrichtenkanal Fox News wie kein Zweiter für US-Präsident George Bush und seinen Irak-Krieg trommelte, gilt Tochter Elisabeth als liberal. So gab sie ein opulentes Abendessen, um Geld für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama zu sammeln.Wenn der 77-jährige Vater auch die politischen Ansichten seiner Tochter offenbar nicht teilt, von ihrem kreativen Talent ist er überzeugt. Elisabeth bescherte ihrem Vater die Goldmine ?American Idol?, hierzulande als ?Deutschland sucht den Superstar? berühmt. Die Musiktalentshow verhalf dem US-Sender Fox zu einem Milliardenumsatz und hohen Gewinnen. So einen Ratschlag vergisst ein Murdoch nie.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.04.2008