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Nicht abwimmeln lassen

Schade um Papier und Porto, seufzt mancher Hochschulabsolvent, der jede Menge Initiativbewerbungen verschickt und fast ebenso viele Absagen zurückbekommt. Gewiefte Jobsucher fühlen erst einmal telefonisch im Unternehmen ihrer Träume vor.
Schade um Papier und Porto, seufzt mancher Hochschulabsolvent, der jede Menge Initiativbewerbungen verschickt und fast ebenso viele Absagen zurückbekommt. Gewiefte Jobsucher fühlen erst einmal telefonisch im Unternehmen ihrer Träume vor.

Unten auf der Seite finden Sie ein Beispiel für ein Telefongespräch. Wenn Sie auf einen Link am Anfang eines Tipps klicken, gelangen Sie zum dazugehörigen Abschnitt des Beispiels.

Die besten Jobs von allen



Gut

1 Der Bewerber hat sich schon vorab informiert, wen er in der Personalabteilung ansprechen kann. Mit etwas Glück weiß die Telefonzentrale Bescheid. Hat der Bewerber dann die vermeintlich richtige Person am Hörer, sollte er trotzdem nochmals nach der Zuständigkeit fragen, um Missverständnisse und unnütze Anstrengungen zu vermeiden.

2 Höflichkeit und Taktgefühl sind gerade am Telefon wichtig. Es gibt nichts Schlimmeres als einen Bewerber, der einfach drauflosplappert, ohne geprüft zu haben, ob die Gegenseite gesprächsbereit ist. Hat der Personaler gerade keine Zeit, kann man ihn ruhig fragen, welcher Zeitpunkt für einen erneuten Anruf günstig wäre.

6 Der Bewerber verfährt genau richtig: Er schließt sein Statement mit einer Frage nach den konkreten Aufgaben ab. Jetzt muss der Personaler Farbe bekennen, und der Bewerber hat Zeit zu überlegen, mit welchen passenden Qualifikationen er aufwarten kann.

8 Der Bewerber betont sofort, dass er eine ausführliche Bewerbung schicken werde. Hätte er statt dessen gefragt, ob er eine Lang- oder besser eine Kurzversion in die Post stecken sollte, dann könnte der Personaler das so verstehen: "Der hofft wohl, mit einer Kurzbewerbung davonzukommen. Scheint etwas bequem zu sein, unser Herr Hochschulabsolvent." Reicht die Kurzbewerbung tatsächlich, wird der Personaler das schon sagen.

9 Es ist auf jeden Fall besser, sich einen Namen buchstabieren zu lassen, als später ein fehlerhaftes Bewerbungsschreiben wegzuschicken ­ und das nach einem telefonischen Erstkontakt. Außerdem sollte zum Schluss des Gesprächs die genaue Postanschrift erfragt werden, damit die Bewerbung auf dem schnellsten Weg den Empfänger erreicht.

10 Ein kleines Dankeschön kann nie schaden. Höflich ist es auch, den Gesprächspartner am Telefon ab und zu mit Namen anzusprechen.

Schlecht

3 Die Gesprächseröffnung sollte schon etwas origineller sein. Nur einfach Interesse an einem Job zu signalisieren, reicht nicht. Besser ist es, von der ersten Sekunde an Kompetenz zu beweisen: "Ich habe im Handelsblatt gelesen, dass Sie Ihr internationales Controlling ausbauen." Neugierig macht auch diese Einleitung: "Ich vermute, dass Sie dem internationalen Controlling einen hohen Stellenwert beimessen. Als Top-Absolvent bringe ich die neuesten Kenntnisse und Methoden auf diesem Gebiet mit."

4 Der Bewerber legt alle Trümpfe auf den Tisch, ohne zu wissen, welche davon wirklich stechen. Im schlechtesten Fall antwortet der Personaler: "Nein, Spanisch und Marketing-Kenntnisse brauchen wir dafür nicht", und das Gespräch ist beendet. Der Trick besteht darin, aus ihm herauszukitzeln, welche Qualifikationen er erwartet, und nur die passenden zu nennen.

7 Nach dem Eintrittszeitpunkt zu fragen ist okay, aber das Thema Gehalt ist bei der telefonischen Bewerbung tabu.

Situativ

5 Merkt der Bewerber, dass das Gespräch in die falsche Richtung läuft, darf er durchaus energisch einhaken. Er muss jetzt aber auch harte Verkaufsargumente bringen, um das Interesse des Personalers wachzuhalten. Dabei hilft eine Liste mit allen Qualifikationen und Erfahrungen.

Fazit

Die telefonische Initiativbewerbung kann mehr leisten als das bloße Abfragen von Vakanzen. Der Anrufer sollte die Gunst der Stunde nutzen, um Aufgaben und Anforderungsprofile zu erheben. Danach wird er seine schriftliche Bewerbung maßschneidern. Höflichkeit und Taktgefühl sind Pflicht am Telefon: Der Personaler darf nicht das Gefühl bekommen, dass er überfahren wird. Andererseits braucht sich der Bewerber auch nicht abwimmeln zu lassen.

Bernd Andersch

Beispiel

1) > Personaler: Wernitzsch, Personalmarketing, guten Tag!
Bewerber: Guten Tag, mein Name ist Dominik Kirchner. Ist es richtig, dass Sie für die Besetzung der Stellen im kaufmännischen Bereich zuständig sind?

2) > Ja, das stimmt.
Es wäre sehr nett, wenn Sie fünf Minuten für ein kurzes Telefonat mit mir opfern könnten. Haben Sie gerade Zeit oder soll ich zu einem späteren Zeitpunkt anrufen?

3) > Worum geht es denn? Schießen Sie los!
Ich bin frisch gebackener Diplom-Kaufmann und suche eine erste Stelle im Rechnungs- und Finanzwesen. Haben Sie dort Vakanzen?

4) > Wir bauen unser Rechnungs- und Finanzwesen gerade aus und haben daher durchaus Vakanzen. Welche Qualifikationen bringen Sie denn mit?
Meine Vertiefungsfächer waren Produktionswirtschaft und Rechnungs- und Finanzwesen. Die Diplomarbeit habe ich über internationales Controlling geschrieben. Ich bin 28 Jahre alt, spreche Englisch und Spanisch und habe einmal einen zweiten Platz in einem Marketing-Planspiel gemacht.

5) > Sicherlich sind Sie sehr qualifiziert. Wir stellen aber keine Hochschulabsolventen ohne Berufserfahrung ein.
Wenn ich kurz unterbrechen darf, ich habe bereits einschlägige Berufserfahrung. Durch diverse Praktika während des Studiums habe ich gelernt, zusammen mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern Jahresabschlüsse zu erstellen. Außerdem habe ich bei einem amerikanischen Konzern im internationalen Controlling gejobbt und besitze daher Kenntnisse in US-GAAP. Die Rechnungswesenmodule von SAP kenne ich ebenfalls sehr gut aus der Praxis.

6) > Das hört sich schon interessanter an. Wir suchen gerade eine Nachwuchskraft für das internationale Controlling. Könnten Sie sich vorstellen, dort zu arbeiten?
Ja, kann ich. Darf ich kurz noch fragen, welche Aufgaben der neue Mitarbeiter wahrnehmen soll?

7) > Es geht in erster Linie um das Reporting an unsere amerikanische Konzernmutter. Sie würden an den Monats- und Quartalsberichten mitwirken. Zudem sollen Controlling-Instrumente weiterentwickelt werden.
Ich denke schon, dass ich dafür qualifiziert bin. Übrigens, in welcher Gehaltsbandbreite bewegt sich die Stelle und ab wann ist sie zu besetzen?

8) > Wir zahlen ein der Position angemessenes Gehalt, das natürlich auch von den Qualifikationen des Bewerbers abhängt. Der Eintrittszeitpunkt ist der 2. Januar.
Gut, ich werde Ihnen umgehend meine ausführlichen Bewerbungsunterlagen schicken.

9) > Uns reicht zunächst eine Kurzbewerbung.
In Ordnung. Können Sie mir bitte Ihren Namen buchstabieren und mir Ihre genaue Postanschrift geben?

10) > Selbstverständlich, also ...
Danke nochmals, dass Sie sich so viel Zeit für mich genommen haben. Auf Wiederhören.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.02.2002