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Niall Keppie

Was verstehen Sie unter "Karriere"?

"Es war mir eigentlich nie wichtig, "Karriere" zu machen; es war mir lediglich wichtig gut zu sein". Dieser Spruch spiegelt am besten meine Empfindungen wider. Allerdings ist es mir darüber hinaus auch wichtig, einen Job zu haben, in dem ich mich herausgefordert fühle, und in dem ich mich nicht ständig in meiner Komfortzone befinde. Die Möglichkeit der persönlichen Entwicklung sowohl für den aktuellen Job als auch für zukünftige Rollen ist für mich ein Anreiz, und - im Nachhinein betrachtet - führt diese Lust letztendlich zur eigenen Karriere.

Die besten Jobs von allen


Haben Sie Ihre Karriere geplant?

Nicht wirklich. Ich hatte und habe eine grobe Vorstellung, in welche Richtung ich mich beruflich entwickeln möchte, ohne meine Vorstellung der nächsten zwanzig Jahre präzise artikulieren zu können. In den letzten zehn Jahren hat sich diese grobe Richtung geändert; in den kommenden zehn Jahren vermutlich auch.

Was verstehen Sie unter guter Führung?

Meiner Meinung nach besteht gute Führung darin, Menschen für das gemeinsame Erreichen eines Ziels so zu begeistern, dass diese der Führungsperson dorthin folgen wollen. Eine klare und überzeugende Vision gehört sicherlich dazu, um das Ziel fühlbar zu machen. Ebenfalls Mut und Kante, um andere auf die Vision fokussiert zu halten. Für mich persönlich muss eine effektive Führungsperson in meiner Umgebung auch Ehrlichkeit, Integrität und Offenheit an den Tag legen (auch wenn diese Werte von vielen erfolgreichen Führungspersonen in der Geschichte nicht gelebt wurden....).

Was war Ihr größter Erfolg?

Dieser fand während meiner Zeit als Anlagenleiter einer petrochemischen Anlage der Shell statt. Im Anlagenteam haben wir am Ende eines unerwartet harten Jahres eine geplante Instandhaltungsabstellung der Anlage geleitet. Während der betroffenen sechs Wochen bestand das oberste Ziel darin, dass jeder der 900 Beschäftigten jeden Tag ohne Unfall nach Hause zurückkehren würde - ein im internationalen Industrievergleich durchaus ehrgeiziges Ziel. Ich bin immer noch sehr stolz darauf, dass wir die Anlagenabstellung in der Tat ohne Unfall gemeinsam abgeschlossen haben.

Ihr größter Misserfolg?

In einer Führungsposition habe ich zu spät erkannt, dass trotz guter Ergebnisse in meinem ersten Jahr strukturelle Schwächen in der Organisation existiert haben. Erst als sich im zweiten Jahr die Konsequenzen dieser Schwächen bemerkbar gemacht haben, haben wir angefangen, die darunterliegenden Ursachen zu identifizieren und zu beseitigen. Im Nachhinein gesehen, hätte ich mit mehr Erfahrung, besserem Urteilsvermögen und mehr Mut zur Lücke weniger Zeit verloren.

Was ist Ihnen über die Arbeit hinaus noch wichtig?

Die Befriedigung, die ich aus meiner Arbeit beziehe, stellt eine von mehreren Bestandteilen unseres familiären Wohlbefindens dar. Dazu zählen gleichermaßen die Karriere meiner Frau, die Entwicklung und Erfahrungen unserer beiden kleinen Kinder sowie unsere Freizeitinteressen. Aus der Vergangen haben wir gelernt, dass wir nur dann "rund" laufen, wenn eine Ausgewogenheit zwischen diesen Bestandteilen besteht. Mit meinem letzten Jobwechsel haben wir diese Ausgewogenheit wiederherstellen können, worüber ich sehr glücklich bin.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.11.2007