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Neustart in Cambridge

Im Wettkampf mit Oxford hatte die Judge Business School der Universität Cambridge bislang das Nachsehen. Nun soll es ein neuer Dean richten. In seinem ersten Interview erläutert Professor Arnoud De Meyer seine Ziele.
Im Wettkampf mit Oxford hatte die Judge Business School der Universität Cambridge bislang das Nachsehen. Nun soll es ein neuer Dean richten. In seinem ersten Interview erläutert Professor Arnoud De Meyer seine Ziele.

Professor De Meyer, wie wird man als Belgier Chef der Business School von Cambridge?
Mein Lebenszyklus als Deputy Dean von Insead näherte sich dem Ende und ich blickte auf ein wundervolles Sabbatical. Von Zeit zu Zeit wurde ich von Schulen gefragt, was ich denn nun machen würde, aber ich war an Angeboten nie wirklich interessiert. Bis dann die Universität von Cambridge kam und ich plötzlich dachte: Hier kann ich sozusagen als akademischer Unternehmer aus einer Schule mit viel Potenzial eine Business School der Top-Liga machen

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Steckt dahinter vielleicht auch eine kleine Revanche dafür, nicht die Nummer eins von Frankreichs Top-Schule Insead geworden zu sein?
Nein, überhaupt nicht. Ich hatte 23 wundervolle Jahre am Insead und bereue keinen einzigen Tag davon. Als Insead seinen neuen Dean suchte, war es klar, dass es jemand von außerhalb sein sollte. Und manchmal brauchen Sie ganz einfach den Wechsel. Ich glaube heute, dass ich in Cambridge mehr leisten kann

Sie scheinen von Cambridge geradezu begeistert zu sein.
Laufen Sie nur einmal durch Cambridge: Die Stadt vibriert nur so. Es gibt hier diese unglaubliche Dualität zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie haben hier diese sehr alte Universität voller Traditionen und zugleich absoluten State of the Art in der Forschung

Die Said Business School in Oxford ist ungefähr zur gleichen Zeit an den Start gegangen wie Judge. Heute liegt sie im Rennen vorne.
Ich sehe uns nicht wirklich im Wettbewerb mit Said. Die haben einen klasse Job gemacht und sind ganz ohne Frage vor uns im Bereich der Manager-Fortbildungsprogramme. Aber die wirklichen Wettbewerber liegen nicht ein paar Meilen entfernt, sondern außerhalb Europas. Und ich sehe große Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Ist der Executive-Education-Bereich wirklich die einzige Schwäche von Judge?
Unsere größte Schwäche ist, dass wir zu klein sind. Mit einem Lehrkörper von 45 Schulangehörigen und 115 MBA-Studenten haben wir nicht die Wirkung auf die Business-Welt, die wir haben könnten, wenn man sich die Qualität unserer Leute anschaut

Also ist jetzt alles auf Wachstum?
Ja. Wir müssen wachsen, sowohl was die Zahl der Professoren und Dozenten anbelangt als auch bei den Studierenden. Wir müssen in lebenslanges Lernen investieren und die Qualität und die Quantität unseres Forschungsoutputs erhöhen

Judge ist Teil der Universität Cambridge, alle MBA-Studenten sind zugleich Angehörige eines der ehrwürdigen Colleges. Aber die Beziehung ist nicht immer einfach...
Am Anfang wussten die Colleges nicht, wie sie mit MBA-Studenten umgehen sollten. Die sind halt älter und anders als die Undergraduate-Studenten. Aber ich spüre, dass man inzwischen versteht, dass heute eine Top-Universität auch eine Top-Business-School braucht

Umgekehrt ist Cambridge aber auch das Pfund, mit dem Sie wuchern können.
Wir können ein bisschen wie die Agora, der Marktplatz im alten Griechenland, sein für Ideen, die in der Universität geboren werden. Leute aus der Wirtschaft sollten uns als einen natürlichen Zugang zu einigen der brillantesten Forscher in den Wissenschaften sehen. Und wir befinden uns hier auch im Herzen einer der dynamischsten Hightech-Regionen Europas mit über 1.500 Startups

Bei uns ist Judge noch recht unbekannt. Wird sich das nun ändern?
Deutschland ist noch immer die wichtigste Volkswirtschaft in Europa und das Tor zu Osteuropa. Für mich ist es ein faszinierendes Land und ein wichtiges für die internationale Strategie der Schule. Ich werde tun, was nötig ist, um mehr deutsche Studenten in unsere Programme zu bekommen. Und der Rest der Welt muss verstehen, wie man mit deutschen Managern zusammenarbeitet. Auch deshalb brauchen wir sie in unseren Programmen

Die Fragen stellte Christoph Mohr
Dieser Artikel ist erschienen am 05.01.2007