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Neuer Lokführer für Märklin

Von Sönke Iwersen
Märklin bekommt einen neuen Chef. Neun Monate nach dem Kauf hat der Finanzinvestor Kingsbridge Capital einen ausgewiesenen Markenspezialisten für den schwer angeschlagenen Modellbahnhersteller gefunden.
HB GÖPPINGEN. Der ehemalige Müller-Milch-Geschäftsführer Axel Dietz (46) wird neuer Chef beim schwäbischen Modellbahnhersteller Märklin. Wie Dietz dem Handelsblatt bestätigte, tritt er sein Amt am 1. Februar an und wird Märklin auch schon auf der Spielwarenmesse in Nürnberg vertreten, die am kommenden Donnerstag beginnt. "Ich freue mich unglaublich auf diese Aufgabe", sagt Dietz. "Märklin ist eine absolut faszinierende Marke, die stark unterentwickelt ist."Das Göppinger Unternehmen war 2006 nur knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt. Der britische Finanzinvestor Kingsbridge Capital übernahm im Mai kurz vor der Überschuldung die Anteile der 22 schwer zerstrittenen Familiengesellschafter. Zuvor war der Umsatz innerhalb von drei Jahren um 25 Prozent gesunken. 2006 hat Märklin nach eigenen Angaben den Umsatz bei 123 Mill. Euro stabilisiert. Zum Ergebnis macht die Firma keine Angaben. Nach Informationen des Handelsblattes häufte Märklin 2004 und 2005 insgesamt einen Verlust von zwanzig Mill. Euro nach Steuern an. In den drei Jahren davor lag die Rendite bei knapp 0,5 Prozent.

Die besten Jobs von allen

Dies soll sich unter dem neuen Eigentümer, Kingsbridge Capital, deutlich ändern. Der Finanzinvestor erwartet nach Aussage des Geschäftsführers Mathias Hink auf sein eingesetztes Kapital eine Rendite von 20 Prozent. Damit kommt auf den neuen Chef, Axel Dietz, viel Arbeit zu.Dietz' Lebenslauf weist ihn als ausgesprochenen Markenexperten aus. Er begann seine Karriere nach einem nach Jura- und Betriebswirtschaftsstudium beim amerikanischen Tabakkonzern Phillip Morris und arbeitete auch für dessen Konkurrenten R.J Reynolds und Tchibo, bevor er ab 2000 im Vorstand des Haarpflegeproduzenten Wella für die gesamte Consumer-Sparte zuständig war. Danach leitete Dietz bei Lancaster in Paris das gesamte Duft- und Kosmetikgeschäft von Marken wie Lancaster, Davidoff, Jil Sander und Joop. Bei Müller Milch schied Dietz nach nur neun Monaten im vergangenen Herbst auf eigenen Wunsch wieder aus, weil er seine Führungsposition beschnitten sah. Das Unternehmen von Theo Müller hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Manager verschlissen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Dietz engagiert sich auch finanziellBei Märklin wird Dietz nicht nur Geschäftsführer, sondern auch Teilhaber. "Ich steige mit eigenem Geld in die Firma ein", sagte er dem Handelsblatt. Details wollte er allerdings noch nicht nennen. Zunächst will sich Dietz Anfang der kommenden Woche der Belegschaft vorstellen und dann auf den wichtigsten Branchentreff, die Spielwarenmesse in Nürnberg vorbereiten. Auf Märklin hält er große Stücke. "Wenn man sich bei den Leuten umhört, dann hat die Marke trotz aller Schwierigkeiten noch keinen Kratzer bekommen", sagt Dietz. "Und am Arbeiten mit solchen Edelmarken habe ich großen Spaß."Auf den neuen Geschäftsführer warten aber nicht nur erfreuliche Aufgaben. Erst vor zwei Wochen gab Märklin neue Sanierungsschnitte bekannt. Danach sollen erneut mehr als ein Fünftel der 1400 Stellen wegfallen, die deutschen Standorte sind noch stärker betroffen. Märklin will das Werk in Sonneberg (Thüringen) schließen, in Nürnberg bleibt nur eine Marketing- und Vertriebstruppe - die Produktion soll nach Györ (Ungarn) verlagert werden. Außerdem hat Märklin angekündigt, den Anteil seiner aus China zugelieferten Teile deutlich zu erhöhen.Für die Mitarbeiter ist dies der zweite schwere Schlag in kurzer Zeit. Bereits 2004 gab es vor allem am Stammsitz in Göppingen tiefe Einschnitte. Damals wurden dort 30 Prozent der 1 100 Arbeitsplätze abgebaut. In der Produktion blieben von einst 600 nur 200 Stellen übrig. Aktuell sollen im gesamten Unternehmen nochmals 370 Mitarbeiter gehen, 120 davon in Göppingen.Märklin kämpft seit Jahren mit Käuferschwund. Experten begründen dies vor allem mit hausgemachten Problemen. Märklin erhöht seit Jahrzehnten die Preise - Neueinsteiger sind mit Kosten von 250 Euro und mehr für eine einzige Lok nicht zu gewinnen, selbst eingefleischte Sammler steigen irgendwann aus und kommen nicht wieder. Zudem bemängeln Insider eine falsche Produktpolitik. All dies sind Aufgaben, die der neue Märklin-Chef Dietz nun lösen muss.Paul Adams, der Vorgänger von Dietz, ist seit Anfang Dezember vom operativen Geschäft bei Märklin entbunden. Sein Beratervertrag läuft noch bis zum Sommer. Die Geschäftsführung bei Märklin hatten im September die Restrukturierungsexperten Ulrich Wlecke und Jan Kantowsky von Alix Partners übernommen. Adams war seit März 2002 Geschäftsführer von Märklin. Zu seinen Berufsplänen wollte er sich auf Anfrage nicht äußern.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.01.2007