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Neuer König der Wall Street

Von Torsten Riecke
Blackstone-Chef Stephen Schwarzman ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere: So wie KKR-Chef Henry Kravis einst das Vorbild für Gordon Gekko im Hollywood-Streifen ?Wall-Street? abgab, könnte Stephen Schwarzman heute zum Nachfolger des legendären Filmhelden werden.
NEW YORK. ?The New King of Wall Street? titelte das US-Magazin ?Fortune? im März über den Chef der Blackstone Group. Damals hatte Schwarzman gerade den Immobilientrust Equity Office Properties (EOP) für knapp 39 Mrd. Dollar gekauft. Die Tinte unter dem Kaufvertrag war noch nicht trocken, da verkaufte der neue Buyout-König bereits die ersten Einzelteile des Imperiums ? mit einer saftigen Prämie natürlich. Das hätte Gordon Gekko nicht besser machen können.Auch sonst bedient der 60-Jährige die Klischees der New Yorker Finanzwelt. Er liebt extravagante Partys, sammelt teure Kunst, ist mit einer attraktiven Blondine verheiratet und verkehrt gerne mit den Mächtigen dieser Welt. Hinter seinem stets freundlichen, runden Gesicht verbirgt sich eine kühle Arroganz, die bei einem Gespräch in seinem Büro die Temperatur unter den Gefrierpunkt fallen lässt.

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Schwarzman ist mit dem Börsengang seiner Firma auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. ?Steve ist der Mann, den es zu schlagen gilt?, sagt der langjährige Wall-Street-Banker James Lee von JP Morgan. Schwarzman gründete 1985 zusammen mit seinem 21 Jahre älteren Partner Pete Peterson eine kleine Investmentboutique. Den Namen leiteten die beiden von ihren Vorfahren ab. Der Name Schwarzmans stammt aus Österreich, folglich steht Schwarz für Black. Der Vater von Peterson stammt dagegen aus Griechenland und Petra ist das griechische Wort für Stone. Die Finanzmanager starteten mit einem Gründungskapital von jeweils 200 000 Dollar. Schwarzman wird allein durch den Börsengang etwa 677 Mill. Dollar einnehmen. Sein verbleibender Anteil an Blackstone dürfte weitere 7,5 Mrd. Dollar wert sein.Aufgewachsen ist der Sohn eines Textilhändlers in Philadelphia. Der hochintelligente Student schaffte den Sprung von einer öffentlichen Schule zur Elite-Universität Yale. Dort teilte er mit dem heutigen US-Präsidenten George W. Bush das Studentenwohnheim. Die beiden gehörten auch der geheimnisvollen Studentenverbindung Skull and Bones Society an, deren Emblem bis heute einen Totenkopf trägt. Schwarzman gehört heute zu den großen Spendensammlern des US-Präsidenten.Bietergefechte sieht der Finanzinvestor gelassen. Für ihn gilt: keiner bekommt, was Blackstone haben will. Er steuert sein Imperium aus dem 31. Stockwerk eines Wolkenkratzers an der feinen Park Avenue in Manhattan. Die Einrichtung ist gediegen, der Umgangston gedämpft. An der Wand ein Gemälde der Seeschlacht von Texel aus dem 17. Jahrhundert. ?Ich will Krieg, keine Scharmützel?, hat Schwarzman einmal scherzhaft geäußert. Die Konkurrenz solle ?den Schmerz? fühlen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Es ist nicht ohne Ironie, dass der Blackstone-Chef sein Unternehmen an die Börse bringt.Wenn er abends das Firmen-Monopoly beendet, hat er es bis nach Hause nicht weit. Der knapp 1,70 Meter kleine Schwarzman wohnt mit seiner etwas größeren Frau Christine ein paar Häuserblocks weiter an der gleichen Park Avenue in einem Appartement, das er 2001 für 30 Mill. Dollar gekauft hat und dessen 34 Zimmer (davon 13 Bäder) sich über mehrere Etagen verteilen. An den Wänden Originale von Monet, auf einem Schreibtisch ein Foto, das Schwarzman Arm in Arm mit Präsident Bush zeigt. Hier hat schon John D. Rockefeller Jr. gewohnt.Um auch an seinem 60. Geburtstag die Park Avenue nicht verlassen zu müssen, hatte Schwarzmans Frau im Februar ein ehemaliges Waffenlager an der noblen Meile Manhattans gemietet. Die gesamte New Yorker High Society gab sich die Klinke in die Hand. Nur einer fehlte: Erzrivale Henry Kravis von KKR. Für die richtige Stimmung sorgte Rockstar Rod Stewart, der dafür rund eine Mill. Dollar kassiert haben soll.Dass ausgerechnet der Blackstone-Chef sein Unternehmen an die Börse bringt, ist nicht ohne Ironie. Hat der Firmenjäger doch kräftig davon profitiert, dass viele Unternehmen der Börse den Rücken gekehrt haben. ?Es ist ziemlich eindeutig, dass die (Börsenregeln) eine Bremse für amerikanische Firmen darstellen?, sagte Schwarzman. Kurz danach gab er seine eigenen Börsenpläne bekannt.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.06.2007