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Neue Meister aus Holland

Ulrike Heitze
Englisch ist hier die Uni-Sprache: Die Holländer haben den Bologna-Prozess konsequent und international umgesetzt.
Stolz verweisen die Niederlande auf eines der am meisten internationalen Hochschulsysteme der EU - und das zu Recht. So war Holland nicht nur Vorreiter, als es schon 2002 begann, die Hochschulen konsequent auf Bachelor- und Masterabschlüsse zu trimmen. Unser westlicher Nachbar war auch das erste nicht englischsprachige Land, das früh in großem Stil Weiterbildungsangebote in englischer Sprache einführte.

Mittlerweile gibt es mehr als 1300 solcher "International Education Programmes" (Überblick unter www.international study.nl). Das Konzept geht auf: Bei ausländischen Studenten sind die Niederlande heiß begehrt. 50000 zählte das Land im vergangenen Jahr, gut die Hälfte davon aus der EU. Die Deutschen stellen die größte Community. International hoch gelobt ist die an den Unis populäre Unterrichtsform "probleemgestuurd onderwijs" (PGO), bei der es kaum noch klassische Vorlesungen gibt. Stattdessen erarbeiten sich die Studenten den Stoff in Teams anhand von Fallstudien und gemeinsamen Projektarbeiten, die regelmäßig abzugeben und zu präsentieren sind. Bei der Suche nach dem passenden Studiengang hilft einem die Nuffic, die Netherlands Organization for international Cooperation in Higher Education, mit einer unschlagbar guten Datenbank (www.nuffic.nl).

Die besten Jobs von allen


Als ausländischer Bewerber an einer niederländischen Uni braucht man sich in Sachen Organisation und Anmeldung keine grauen Haare wachsen zu lassen. Die Beratungsangebote und Webseiten der Unis sind mittlerweile perfekt auf die internationale Klientel eingerichtet. Niederländisch-Kenntnisse werden nicht erwartet, dafür sehr gutes Englisch, nachzuweisen mit einschlägigen Tests wie dem Toefl, dem Cambridge- oder dem IELTS-Test. Je nach Uni und Fach wird auch ein GMAT verlangt. In Wirtschaftsfächern dauern die Masterprogramme meist ein Jahr. Deutsche Uni-Bachelors können direkt loslegen, FH-Bachelors müssen meist ein zusätzliches Vorbereitungsjahr absolvieren. Der Starttermin für die meisten Programme ist im September. In der Regel muss man sich spätestens bis zum 1. Juli beworben haben. Die Studiengebühren sind mit gut 1500 Euro pro Studienjahr für unter 30-Jährige recht moderat. Für Ältere wird es ein paar Hundert Euro teurer.

Die Lebenshaltung ist allerdings alles andere als billig. Vor allem in den Großstädten ist Wohnen recht teuer. Den Vogel schießt Amsterdam ab: Eine Winz-Wohnung gibt's für 350 bis 600 Euro, ein WG-Zimmerchen für im Schnitt 350 Euro. Anderswo kommt man mit 250 bis 300 Euro zurecht. Ausländer erhalten in Studentenwohnheimen meist eine bevorzugte Behandlung. Nach Berechnungen der Nuffic kommt ein Student inklusive Miete, Semesterbeitrag, Essen, Ausgehen und eventuell Krankenversicherung mit 700 bis 1000 Euro pro Monat aus. Top-Schulen: > Rotterdam School of Management (RSM): Die Rotterdam School of Management (RSM) ist die Business School der Erasmus-Uni. Sie bietet für alle Business-Bachelor einen einjährigen Master of Science in "Business Administration", der die Spezialisierung in elf Bereiche erlaubt. Alle nicht wirtschaftsnahen Bachelors können in einem zweijährigen "Master of Science in General Management" die Grundbegriffe der Wirtschaft lernen. Das RSM-Sahnehäubchen ist der CEMS Master in "International Management". Dieser dauert drei Semester, eines davon im Ausland. Die Auslese ist hart, Bewerber müssen zum Beispiel drei Sprachen vorweisen können. www.rsm.nl

> Universiteit Maastricht (UM): Die Universiteit Maastricht ist sehr international: Unter den 12000 Studenten stammt knapp ein Drittel aus dem Ausland. Die Faculty of Economics and Business Administration (FEBA) bietet sechs einjährige, rein englischsprachige Masters of Science-Programme ("International Business", "Management of Learning", "International Economic Studies", "Infonomics", "Financial Economics" und "Econometrics and Operations Research"), unter denen man einzelne Spezialisierungen wählen kann. Der siebte Zweig, "Fiscal Economics", wird teilweise auch in Niederländisch unterrichtet. Zum Master of Philosophy kann man mit "Business Research" und "Economic and Financial Research" werden (Dauer: zwei Jahre): Ein wirtschaftsnaher Uni-Bachelor und ein GMAT sind Pflicht. www.unimaas.nl

> Universiteit van Amsterdam (UvA): Die UvA belegt im Welt-Uniranking der britischen "Times" Platz 69, unter den EU-Festlands-Unis ist das Platz zehn. Die internationalen Masterprogramme für WirtschaftsleuWirtschaftsleute werden an der Faculty of Economics and Business (FEB) gegeben. Zur Wahl stehen fünf verschiedene Master - "Accountancy and Control", "Business Studies", "Business Economics", "Economics und Econometrics". Innerhalb der Programme kann man sich meist weiter spezialisieren. Nach einem Jahr erhält man den Master of Science. Darüber hinaus gibt es "Economics" als zweijährigen Master of Philosophy. www.uva.nl
Dieser Artikel ist erschienen am 30.01.2008