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Neue Leitung bei Hoffmann und Campe

Der ehemalige Suhrkamp-VerlagsleiterGünter Berg wird Nachfolger von Rainer Moritz als Programmgeschäftsführer des Hamburger Verlags Hoffmann und Campe. Der 44-Jährige wird den Posten zum 1. Juli antreten, telte Berge am Mittwoch mit.
HB HAMBURG. Er wechselt im Dezember in die Leitung des Hamburger Literaturhauses. Berg hatte den Frankfurter Traditionsverlag Suhrkamp Ende November 2003 wegen Differenzen mit der neuen Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz verlassen.Der Verlag Hoffmann und Campe (HoCa) ist wesentlich kleiner als Suhrkamp. Nach Angaben Bergs arbeiten dort zurzeit rund 40 Mitarbeiter, bei Suhrkamp und den Töchterverlagen seien es mehr als drei Mal so viele. Auch gemessen am Umsatz ist Suhrkamp bedeutender. HoCa ist einer von vier Buchverlagen der Ganske Verlagsgruppe, die neben HoCa noch den Ratgeberverlag Gräfe und Unzer, den Guinness World Records Verlag sowie eine Beteiligung am Taschenbuchverlag dtv besitzt. Inhaber ist Thomas Ganske. ?Wir freuen uns, dass wir mit Günter Berg einen erstklassigen und renommierten Buch-Mann für unser Haus gewinnen konnten?, sagte Ganske am Mittwoch.

Die besten Jobs von allen

Zur Frage, ob Suhrkamp-Autoren mit ihm zu HoCa wechseln werden, wollte sich Berg nicht äußern. ?Autoren sind keine beweglichen Wirtschaftsgüter, die nimmt man nicht einfach mit wie Bleistifte. Ich vermute jedoch stark, dass die Situation bei Suhrkamp für manche Autoren sehr schwierig ist. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie zu dem Verlag wechseln, für den ich in Zukunft arbeite, sondern nur, dass Suhrkamp-Autoren ihr nächstes Buch nicht mehr bei Suhrkamp sehen.? Auch, wenn einige Autoren gern weiter mit ihm zusammenarbeiten würden, müsse zunächst geprüft werden, ?inwieweit diese Autoren mit Hoffmann und Campe kompatibel sind?. Namen nannte Berg nicht.Der Aderlass bei Suhrkamp habe jedoch auf anderer Ebene längst begonnen, etwa durch den kürzlich angekündigten Weggang von Lektor Thorsten Ahrend. ?Das ist für Suhrkamp zumindest eine Beschädigung von Kontinuität und intensiver Autorenbetreuung?, sagte Berg. Mit Ahrend, der Suhrkamp Ende Juni auf eigenen Wunsch verlässt, verbindet Berg eine enge und gute Zusammenarbeit, ?die ich mir auch für die Zukunft gut vorstellen könnte?. Für ihn sei Ahrend jemand, ?dem ich blind vertraue und dessen Gabe, mit Autoren umzugehen, ich vorbildlich finde.? Bei Hoffmann und Campe gebe es für die Idee, das Lektorat für deutsche Literatur zu verstärken, ?durchaus Sympathie?. Dieser Entscheidung wolle er aber nicht vorgreifen.Von Suhrkamp habe er sich zum Ende des Jahres 2003 nach 14 Jahren ?unter Verzicht auf jegliche Ansprüche gegeneinander? getrennt, berichtete Berg. Der Umzug vom Main an die Alster werde ihm nicht schwer fallen: ?Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, die mir sehr vertraut ist.? Seine Frau arbeitet dort seit vielen Jahren als Beamtin. Bislang hatte die Familie stets getrennte Wohnsitze. Sein neuer Posten ermögliche es ihm erstmals, mit Frau und Tochter unter einem Dach zu leben.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.01.2004