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Netzwerk

Elisabeth Helena Jahrreiss
Je feinverknüpfter und intelligenter gewebt das Netz ist, je besser die Wege und vor allem die wichtigsten Knotenpunkte gepflegt werden, desto schneller, effizienter und vielseitiger kann man es sich zu Nutze machen.
Ausländische Elite-Hochschulen werben mit ihnen seit jeher als elitärem Zusatznutzen; nahezu mystisch, legendär und angeblich unbegrenzt sind ihre Möglichkeiten, wenn sie aus Studentenverbindungen rühren; Naive nennen sie Vitamin B, in der DDR hießen sie Seilschaften, für Männer sind sie selbstverständlicher als für Frauen, die sie immer noch überwiegend auf privater Ebene entwickeln: Netzwerke - sie können, müssen aber nicht formal organisiert sein. Stets liegt ihnen ein gesellschaftliches, ökonomisches, organisatorisches oder politisches gemeinsames Interesse zugrunde.Komplexer und hybrider werdende Unternehmensstrukturen, die weltweite Vernetzung von Informationen, eine steigende Zahl prozessorientierter Fragestellungen, das Ende von Kaminkarrieren verlangen vernetztes Denken. Manager, die sich auf dem Weg zum Erfolg immer weiter in die Einsamkeit treiben lassen und oft erstaunlich isoliert sind, haben zu wenig verinnerlicht, wie wichtig das Schmieden von Allianzen ist. Und: Netzwerken ist die Kunst, vorausschauend ein tragfähiges Netz von Verbindungen zu knüpfen, über das man in der Regel erst nach geraumer Zeit verfügen kann.

Die besten Jobs von allen

Ist dies versäumt, ist es im Bedarfsfalle oft zu spät. Die dringend benötigten Informationen, eine Empfehlung, Unterstützung oder vielleicht sogar der nächste Job sind oft nicht käuflich. Je feinverknüpfter und intelligenter gewebt das Netz ist, je besser die Wege und vor allem die wichtigsten Knotenpunkte gepflegt werden, desto schneller, effizienter und vielseitiger kann man es sich zu Nutze machen. Voraussetzungen für gutes Netzwerken sind: interessante, möglichst unterschiedliche, Partner mit vielseitiger "Handelsware", Erkennen von Förderern und Behinderern Frühzeitigkeit, Systematik, Kontinuität, Vorleistung, regelmäßiger Austausch, Abschied vom Einzelkämpfertum, die Fähigkeit um Hilfe zu bitten, Gleichwertigkeit der Tauschpartner: die eigene Qualität bestimmt und bedingt die Qualität der Partner, Balance zwischen Geben und Nehmen, mindestens stillschweigende Einigung über Spielregeln.Diese Regeln rund um ein Netzwerk sind nicht theoretischer Natur sondern von höchst praktischem Nutzen. Gönnen Sie sich ein Viertelstündchen, um darüber nachzudenken: Wie ist es um Ihr persönliches Netzwerk bestellt?Wenn Sie die folgenden Fragen beantworten, wissen Sie mehr über die Reißfestigkeit und die Löcher in ihrem Netz: Welche interessanten Waren oder Werte können und wollen Sie handeln?Wo ist Ihr Marktplatz? Welche Personen aus Ihrem beruflichen Umfeld helfen Ihnen , erfolgreich zu sein (Mentoren)?Mit wie vielen Personen können Sie Ihre derzeitige berufliche und private Situation offen besprechen? Für welche Personen sind Sie Förderer?Wer beschafft Ihnen einen neuen Wirkungskreis, wenn Sie ihn wollen? Wer, wenn Sie ihn brauchen? Welche guten Bilder sehen Sie, wenn Sie an Ihr persönliches Netzwerk denken?Ich wünsche Ihnen im nächsten Jahrhundert viele schöne Begegnungen.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.02.2001