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Nebenbei verdienen, aber richtig

Katja Stricker
Die wichtigsten Regeln und Rechte zu Arbeitsvertrag, Steuern und Versicherungen.
Die neuen Mini-Jobs

Bisher musste ein Arbeitnehmer, der zusätzlich zu seinem Hauptberuf einen 325-Euro-Job hatte, volle Sozialabgaben leisten. Jetzt zahlt sich der Nebenverdienst voll aus. Denn ab 1. April 2003 können Arbeitnehmer bis zu 400 Euro monatlich dazuverdienen, steuerfrei und ohne dass Sozialversicherungsbeiträge fällig werden. Der Arbeitgeber zahlt auf den Verdienst pauschal 25 Prozent an Abgaben. Davon wandern zwölf Prozent in die Renten- und elf Prozent in die Krankenversicherung. Zwei Prozent kassiert der Fiskus.

Die neuen 400-Euro-Mini-Jobs lösen im Rahmen des Hartz-Konzepts die 325-Euro-Jobs ab. Gleich bleibt: Die Nebentätigkeit fällt nur unter die Kategorie "Mini-Job" beziehungsweise "geringfügig beschäftigt", wenn sie maximal 15 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt.

Die besten Jobs von allen


Wer mehr als 400 Euro monatlich verdient, ist kein Mini-Jobber mehr und muss die vollen Sozialversicherungsbeiträge auf seinen Zusatzverdienst zahlen. Das gilt auch für Arbeitnehmer, die mehrere Nebentätigkeiten haben und dabei in der Summe die 400-Euro-Grenze überschreiten

Wann der Fiskus zuschlägt

Liegt der monatliche Zuverdienst über 400 Euro, werden Steuern fällig. Zwei Varianten sind möglich:

Erstens kann der Arbeitnehmer im Nebenjob eine zweite Lohnsteuerkarte vorlegen; die läuft dann auf die teure Steuerklasse VI. Entsprechend hoch fällt die Besteuerung aus, allerdings nur vorläufig. Wie viel der Arbeitnehmer am Ende wirklich zahlen muss, hängt vom Gesamteinkommen ab. Denn bei der jährlichen Steuererklärung wird das Einkommen aus sämtlichen Jobs berücksichtigt. Das heißt, Arbeitnehmer können auch nur einmal Freibeträge wie die Werbungskostenpauschale in Anspruch nehmen. Wer über die Pauschale kommt, kann die Kosten für den Nebenjob auch mit Belegen einzeln in voller Höhe geltend machen

Alternative zur zweiten Lohnsteuerkarte: Der Arbeitgeber im Nebenjob versteuert den Lohn pauschal mit 20 Prozent. Hinzu kommen Kirchensteuer (in der Regel sieben Prozent der Lohnsteuer) und Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent der Lohnsteuer). In diesem Fall braucht der Arbeitgeber keine Lohnsteuerkarte vorzulegen. Welche Variante der Versteuerung günstiger ist, hängt von der Höhe des Hauptverdienstes ab.

Meist fahren Arbeitnehmer mit der Pauschalbesteuerung besser. Wie Arbeitgeber mitreden

Grundsätzlich darf ein Arbeitnehmer in seiner Freizeit tun, was er will. Auch nebenher arbeiten. In den meisten Arbeitsverträgen gibt es aber Klauseln zur Nebentätigkeit. Das ist rechtens, solange es sich um bloße Informationspflicht handelt. Auch der Passus "Nebenbeschäftigung bedürfen der Zustimmung" ist legal. Wer ohne Zustimmung des Chefs nebenher arbeitet, riskiert eine Abmahnung - so hat das Bundesarbeitsgericht entschieden

Verweigern darf der Boss seine Erlaubnis allerdings nur, wenn der Nebenjob sein "berechtigtes Interesse" berührt.

Beispiel: Ein Mitarbeiter jobbt nebenbei bei der direkten Konkurrenz. Oder die Nebentätigkeit beeinträchtigt die Arbeitskraft des Mitarbeiters erheblich, etwa wenn er nachts in einer Kneipe oder Bar jobbt und morgens völlig übermüdet zur Arbeit kommt. Pauschal verbieten dürfen Arbeitgeber Zweitjobs nicht. Entsprechende Klauseln im Arbeitsvertrag sind nichtig.

Jobben bis zum Umfallen nicht erlaubt

Auch wenn der Boss nichts gegen den Zweitjob hat, darf nicht rund um die Uhr gejobbt werden. Arbeitnehmer dürfen laut Arbeitszeitgesetz insgesamt nicht mehr als acht Stunden pro Werktag arbeiten - egal mit wie vielen Jobs. Phasenweise sind auch bis zu zehn Stunden täglich erlaubt, wenn die durchschnittliche Arbeitszeit innerhalb von sechs Monaten maximal bei acht Stunden am Tag liegt. Bei der Berechnung geht der Gesetzgeber von einer Sechs-Tage-Woche aus; das heißt, insgesamt dürfen Arbeitnehmer auf maximal 48 Stunden pro Woche kommen

Das Arbeitszeitgesetz gilt nur für Angestellte. Wer dagegen als Selbstständiger nebenberuflich arbeitet, braucht nicht auf die Uhr zu schauen. Vorsicht bei Urlaub und Krankheit

Wer krank geschrieben ist, darf nicht nebenher arbeiten, denn der Arbeitnehmer gefährdet und verzögert damit die Genesung. Ähnlich ist die Situation während der Urlaubszeit. Ferien dienen laut Bundesurlaubsgesetz der Erholung. Arbeitnehmer, die ihre freien Tage nutzen, um im Nebenjob richtig reinzuklotzen, machen genau das Gegenteil.
Erlaubt sind aber so genannte Ausgleichstätigkeiten, zum Beispiel wenn ein Mitarbeiter im Urlaub als Tauch- oder Segellehrer jobbt, weil er dabei von seinem Hauptjob abschalten kann. Auch wer während des Urlaubs nur ein paar Stunden kellnert oder in einer Boutique aushilft, gefährdet damit seine Erholung nicht

Arbeitnehmer, die unerlaubt im Urlaub oder bei Krankheit nebenbei jobben, riskieren eine Abmahnung vom Hauptarbeitgeber und im schlimmsten Fall sogar eine Kündigung.

Gesetzliche Unfallversicherung

Wer auf 325- beziehungsweise ab 1. April auf 400-Euro-Basis jobbt, ist zwar von der Sozialversicherungspflicht befreit, jedoch wie jeder andere Arbeitnehmer gesetzlich unfallversichert. Die Beiträge führt der Arbeitgeber meist an die Berufsgenossenschaft ab. Dem Mitarbeiter entstehen keine Kosten

Bezahlter Urlaub

Teilzeitmitarbeiter - dazu zählen auch Mini-Jobber - haben laut Bundesurlaubsgesetz Anspruch auf bezahlten Urlaub. Der beträgt für Vollzeitkräfte mindestens 24 Werktage, also vier Wochen pro Jahr. Wer nur Teilzeit arbeitet, erhält anteilig bezahlte Urlaubstage. Für Mitarbeiter, die keine festen Arbeitszeiten haben, sondern je nach Bedarf eingesetzt werden, berechnet sich der Urlaubsanspruch über einen Durchschnittswert aus einem Zeitraum von beispielsweise drei Monaten

Stolperfalle Sonderzahlungen

Generell muss ein Arbeitgeber alle Beschäftigten gleich behandeln. Teilzeitmitarbeiter und Nebenjobber haben das gleiche Recht auf Zulagen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld wie alle anderen Mitarbeiter. Dazu gehören auch geldwerte Leistungen wie Jobticket, Fortbildungen oder Altersversorgung

Doch Sonderzahlungen können für Nebenjobber teuer werden: Wenn Arbeitnehmer damit die Grenze der Sozialversicherungsfreiheit - ab 1. April 400 Euro - überschreiten, müssen sie die vollen Sozialversicherungsbeiträge auf den Verdienst zahlen. Dieses Problem können Nebenjobber umgehen, indem sie die Anzahl der Arbeitsstunden so reduzieren, dass das monatliche Gehalt plus Sonderzahlungen im Jahresschnitt 400 Euro pro Monat nicht übersteigt. Pflichten als Selbstständiger

Wer sich neben dem Hauptjob selbstständig macht, hat zwar mehr Freiheiten bei der Gestaltung seiner Arbeitszeiten. Er hat aber auch mehr Pflichten: So muss er beispielsweise seinen Gewinn ermitteln. Für Kleinunternehmer und Gründer plant die Bundesregierung die Buchführungs- und Steuerregelungen ab diesem Jahr zu vereinfachen. Danach müssen sie lediglich ihre Einnahmen fürs Finanzamt auflisten und können davon pauschal 50 Prozent als Betriebsausgaben abziehen, um so den Gewinn zu ermitteln

Voraussetzung: Im Gründungsjahr liegen die Einnahmen unter 17.500 Euro; in den Folgejahren sind maximal 50.000 Euro erlaubt. Zudem müssen sich selbstständige Nebenjobber unter Umständen mit Umsatz- und Gewerbesteuer rumschlagen.
Weitere Infos zur Umsatzsteuerpflicht und zur Einordnung in Freiberufler und Gewerbetreibender unter www.karriere.de/selbststaendige

Ausbilder und Betreuer dürfen mehr

Wer als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder Betreuer arbeitet oder im künstlerischen Bereich etwa als Chorleiter, Kirchenmusiker oder Statist beim Theater jobbt, kann pro Jahr bis zu 1.848 Euro seiner Aufwandsentschädigung steuerfrei kassieren. Die so genannte Übungsleiterpauschale unterstützt Tätigkeiten, die einem gemeinnützigen oder kirchlichen Zweck dienen. Dazu gehören etwa Jobs wie Sporttrainer, Dozent, Kursleiter an Volkshochschulen oder an Fort- und Weiterbildungseinrichtungen von Bund, Land und Kommunen. Profitieren können Betreuer von Jugendlichen, Selbsthilfegruppen oder Behinderten sowie Alten-, Kranken- und Behindertenpfleger bei karitativen Einrichtungen.

Vorsicht vor unseriösen Angeboten

10.000 Euro Verdienst im Monat ohne Risiko und ohne viel Arbeit - klasse Angebot, nur leider nicht realistisch. Unseriöse Angebote verbergen sich oft hinter Chiffre- und Postfachnummern; ohne Adresse lässt sich ein Betrüger nicht verklagen. Sittenwidrig nennt es die Verbraucherschutzzentrale, wenn Informationen zu einem Jobangebot nur über eine teure 0190er-Telefonnummer zu haben ist. Sie schickt deshalb eine Abmahnung an solche Anbieter. Wer in Kleinanzeigen weitere Informationen gegen Bargeld verspricht, liefert oft nur Trash. Wer an der Seriosität eines Angebots zweifelt, sollte sich vorsichtshalber an eine der regionalen Verbraucherzentralen oder den Deutschen Schutzverband für Wirtschaftskriminalität in Bad Homburg wenden.

Deutscher Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität e.V.
Landgrafenbstr. 24 b
61348 Bad Homburg
0 61 72.1 21 50
Fax 0 61 72.8 44 22
Dieser Artikel ist erschienen am 28.03.2003