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Näher an die Elektronik

Die Fragen stellte Hans-Martin Barthold
Interview mit Professor Fritz Klocke, Dekan des Fachbereichs Maschinenwesen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen.
Wie schätzen Sie die Zukunftschancen für Maschinenbau-Ingenieure ein? Ist nach dem Boom mit einer Krise wie in den 90er-Jahren zu rechnen?

Keinem Maschinenbaustudenten muss um die Zukunft bange sein: Die Chancen für Absolventen sind überdurchschnittlich gut und werden es in den nächsten Jahren bleiben. Immerhin bieten sich ihnen mit den Fahrzeugproduzenten, dem allgemeinen Maschinen- sowie Werkzeugmaschinenbau, dem Anlagenbau und der Druckindustrie überaus attraktive Arbeitgeber. Diese zählen selbst auf internationalem Parkett allesamt zur Spitzenklasse.

Die besten Jobs von allen


In ganz besonderer Weise gilt das natürlich für die Hersteller und Zulieferer der Automobilindustrie, auch wenn Experten hier in den kommenden Jahren eine leichte Abkühlung der Konjunktur erwarten. Nichtsdestotrotz: Die Zukunftsaussichten für Maschinenbau-Ingenieure sind exzellent.

Wie wird das enge Zusammenrücken von Maschinenbau und Elektrotechnik die Anforderungen an Maschinenbau-Ingenieure verändern?

Tatsächlich rücken Maschinenbau und Elektronik immer enger zusammen. Dasselbe gilt für das Verhältnis zur Mikrotechnik, dem Software-Engineering und der Informationstechnik. Natürlich verändert das die Berufsinhalte des modernen Maschinenbau-Ingenieurs, zum Teil sogar sehr stark. Zwar enthält das Studium auch weiter eine Grundausbildung in den klassischen Fächern der Naturwissenschaft und Technik - wie Mathematik, Physik und Chemie, daneben Technische Mechanik, Thermodynamik, Maschinenelemente und Konstruktion. Im Übrigen aber werden den Studenten heute vielfältige Möglichkeiten geboten, entsprechend den aktuellen Arbeitsmarkterfordernissen ihr Wissen in Informatik, im Software-Engineering oder in der Mikrotechnologie zu vertiefen - ohne dass die für das Maschinenbaustudium typische Breite der Ausbildung verloren geht.

Wann lohnt für einen Maschinenbau-Ingenieur die Promotion oder ein MBA?

Nur wenn ein Student an vertiefter wissenschaftlicher Arbeit interessiert ist und seine fachlichen Leistungen überdurchschnittlich sind, sollte er an eine Promotion denken. Dann würde ich ihm sogar dazu raten. Schließlich fordert die wissenschaftliche Arbeit nicht nur, sie fördert auch. Wird eine Laufbahn im Management angestrebt, gilt dies in gleicher Weise für den Erwerb des MBA.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.04.2001