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Nächster bitte!

Von G. Lipinski und C. Schlautmann
Peter Michael Wolf ist schon der vierte Top-Manager, der den Niedergang des Warenhausgeschäfts bei Karstadt-Quelle stoppen soll. Der 47-Jährige hat beim Essener Konzern einen Kraftakt zu meistern: Er muss nicht nur die verbliebenen 90 Warenhäuser auf Kurs bringen. Er soll sein Wissen als Markenspezialist und Werbefachmann einbringen.
HAMBURG/DÜSSELDORF. Die Podiumsdiskussion war ganz nach Thomas Middelhoffs Geschmack. Öffentlichkeitswirksam fabulierte der markige Karstadt-Quelle-Chef in der Frankfurter Oper vor prominenten Markenmachern über sein Lieblingsthema: die Sanierung des Essener Handelskonzerns. ?Man muss den Mut haben?, rief er ihnen zu, ?ein bestehendes Geschäftsmodell in Frage zu stellen.?Aufmerksam lauschte an diesem kalten Januartag ein Mann mit lockigem Haar den Ausführungen: Peter Michael Wolf, als Vorstandsmitglied zuständig für die Markenführung beim Hamburger Kaffeeimperium Tchibo. Was zu diesem Zeitpunkt kaum einer wusste: Dem gebürtigen Stuttgarter bot Middelhoffs Vortrag eine willkommene Gelegenheit, seinen neuen Arbeitgeber besser kennen zu lernen.

Die besten Jobs von allen

Zuvor hatte ihn ein Münchener Personalberater für eine der heikelsten Aufgaben im deutschen Einzelhandel gewonnen: Wolf soll die Führung der Karstadt Warenhaus GmbH übernehmen und gleichzeitig als Mitglied in den Holdingvorstand der Karstadt-Quelle AG aufrücken. Nächsten Dienstag will der Aufsichtsrat die Personalie genehmigen. Die Zustimmung gilt als sicher, heißt es in Karstadt-Kreisen. Aufsichtsratschef Hero Brahms habe den Kandidaten nach einem ersten Treffen bereits als gute Wahl bezeichnet.Wolf hat beim Essener Konzern einen Kraftakt zu meistern: Der 47-Jährige muss nicht nur die verbliebenen 90 Warenhäuser auf Kurs bringen. Er soll sein Wissen als Markenspezialist und Werbefachmann einbringen. Middelhoff, so heißt es, wolle dazu im Konzernvorstand eigens ein Ressort für Markenführung schaffen. Wolf ist sich dieser Zusatzaufgabe bewusst. ?Mein Ziel ist es?, sagt er, ?die Unternehmensmarke Karstadt wieder auf den richtigen Weg zu führen.?Für seinen neuen Job bringt er umfangreiche Erfahrungen mit. Wolf trieb maßgeblich den Umbau des Kaffeegeschäfts beim milliardenschweren Tchibo-Konzern voran, indem er das einstige Kerngeschäft stärkte. Seitdem es dort Kaffeemarken wie die Espresso-Mischung ?Caffè Crema? gibt, zieht der Absatz der brauen Bohnen wieder an.Auch als Sanierer kennt er sich aus. 1996 brachte der schlanke Manager die damalige Reemtsma-Tochter BTM (?Roth-Händle?) auf Kurs. ?Wolf ist ein agiler, aber im Umgang mit Mitarbeitern angenehmer Vorgesetzter?, erinnert sich eine ehemalige Marketingkollegin. Tchibo-Untergebene bezeichnen ihn als energiegeladen und durchsetzungsstark.Nach Essen zieht der Vater zweier Kinder vorerst nicht. Lieber will er pendeln. Dass das Amt mit Walter Deuss, Wolfgang Urban und Helmut Merkel in den vergangenen sechs Jahren bereits drei Top-Manager verschliss, ist dem Tchibo-Mann nicht entgangen. ?Die Arbeit bei Karstadt ist eine herausfordernde Aufgabe mit schwierigen Basisvoraussetzungen?, kommentiert er lakonisch.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wolf soll ein Kunststück vollbringenTatsächlich muss Middelhoffs neuer Mann in Essen viele Probleme lösen. Zwar erodieren die Umsätze nicht mehr ganz so rasant wie in den beiden Vorjahren, als Karstadt samt seiner Fachgeschäfte durchschnittlich sechs Prozent verlor. Dennoch stand am Ende noch ein Umsatzminus von 3,7 Prozent auf vergleichbarer Fläche.Auch die Ertragskraft der Karstadt-Häuser dürfte zum Überleben kaum ausreichen. Nur durch einen drastischen Personalabbau gelang es dem Warenhauskonzern im vergangenen Jahr, den um Sondereffekte bereinigten Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 65 Millionen Euro zu hieven. Unterm Strich aber blieb davon nichts übrig. Allein 99 Millionen Euro wurden fällig für Abschreibungen auf Warenbestände und Firmeneinrichtungen, womit Karstadts Warenhäuser ein Verlustgeschäft blieben. Hinzu kommt, dass die einst schmucken Einkaufstempel von der Substanz leben. Seit langem sinken die Investitionen in die Häuser. Einen vorläufigen Tiefpunkt erreichten sie mit 135 Millionen Euro im vergangenen Jahr. In den vier Jahren zuvor hatten die Essener durchschnittlich noch 269 Millionen Euro ins Erlebnisshopping gesteckt.Dennoch soll Wolf in Zukunft das Kunststück gelingen, auch Luxusanbieter wie Hugo Boss oder Escada in die Karstadt-Häuser zu locken.Vorsorglich hat sein künftiger Dienstherr Middelhoff schon einmal fünf Top-Standorte zu Premiumhäusern ernannt, die mit einem wühltischfreien Ambiente hochwertigen Markenartiklern eine Verkaufsplattform bieten sollen. Noch aber bleiben Erfolgsmeldungen aus. ?Firmennamen von Top-Anbietern können wir noch nicht nennen?, sagt der scheidende Warenhauschef Merkel auf Anfrage.Der 57-jährige Mannheimer Professor, dessen Vorstandsvertrag erst 2010 ausläuft, soll sich künftig im Konzern allein auf den Einkauf und die Beschaffung konzentrieren. Dass sich seine Jahresbezüge von zuletzt 1,04 Millionen Euro dadurch verringern, halten Firmeninsider für ausgeschlossen. Der Logistik- und China-Experte ist der einzige Vorstand, der aus der Zeit vor Middelhoffs Amtsantritt im vergangenen Jahr übrig geblieben ist.
Peter Michael Wolf1959 Er wird in Stuttgart am 27. Januar geboren. Nach einer Lehre bei der Dresdner Bank studiert er in Mannheim Betriebswirtschaft.1988 Er geht zum Düsseldorfer Henkel-Konzern als Produktmanager. 1990 wechselt er als Leiter Marketing und Vertrieb zur Winkler-Gruppe nach Karlsruhe.1991 Er geht zur Werbeagentur J. Walter Thompson nach Frankfurt.1994 Wolf wird Mitglied der Geschäftsleitung bei der Bates Germany Werbeagentur.1996 Er wechselt zur damaligen Tchibo-Tochter Reemtsma.2003 Er wird im Vorstand des Hamburger Kaffeekonzerns Tchibo GmbH für die weltweite Markenführung verantwortlich.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.04.2006