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Na, Perle?

Martin Roos
Hamburg ist reizvoller und reicher als der Rest der Republik - meinen vor allem die Hamburger. Kein Bundesbürger fühlt sich in seiner Stadt so wohl wie die Hanseaten. Das überträgt sich auf die Gäste. Sie kommen als Studenten, Unternehmensberater, Existenzgründer oder Handelsspezialisten.
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Sie ist eine Verführung für alle. Tagsüber etwas unnahbar, aber stets elegant und stilvoll, nachts wild, viertelweise sexy bis versext und nicht selten versoffen. Vom Alsterbötchenfahrer, Hafenarbeiter und Fischhändler bis zum Polospieler, Puffgänger und Werbetexter - Hamburg macht an. Und macht Leute: reiche wie die Ottos und die Reemtsmas; schillernde wie Dieter Bohlen und Jette Joop; bodenständige wie "Uns Uwe" Seeler oder Ex-Kanzler Helmut Schmidt, genannt "Schmidt-Schnauze". Hansestadt Hamburg - eine Art "Große Freiheit" für alle.

Kein Wunder, dass fast jeder, der in dieser Stadt wohnt, sie einfach "supa" findet. Bei einem Ranking der zehn größten deutschen Städte des B.A.T-Freizeit-Forschungsinstituts landet die Elbmetropole auf Platz eins: 91 Prozent der Bürger halten ihre Stadt für die lebenswerteste

Die besten Jobs von allen



Berenberg Bank: Intimus der Superreichen
Sie ist die älteste deutsche Privatbank. 1590 gründen die Brüder Hans und Paul Berenberg einen Tuchhandel, mit dem sie schon bald Import- und Exportgeschäfte betreiben. Zwei Generationen später entwickeln die Enkel das Unternehmen zu einer Bank. Der heutige Firmenname "Joh. Berenberg, Gossler & Co." entsteht Mitte des 18. Jahrhunderts, als Johann Hinrich Gossler in die Familie Berenberg einheiratet und Partner der Bank wird. Die Hamburger betreuen heute mit ihren 500 Mitarbeitern vermögende Privatkunden und haben sich auf Investmentbanking, Asset Management und Corporate Banking spezialisiert. Sie verwalten ein privates und institutionelles Kundenvermögen im Wert von rund zwölf Milliarden Euro. Wer bei der Berenberg-Bank arbeiten will, wird mehrmals zum Gespräch geladen. Wer diese Prozedur aber übersteht, bleibt oft für immer. Die Fluktuation ist weniger als gering. mse

Tatsächlich ist Hamburg und sein Umland in vieler Hinsicht Spitze. In kaum einem Bundesland ist das Wirtschaftswachstum so stabil. Ihre teuren Autos kaufen sich die Hamburger von den höchsten Einkommen in Deutschland und den vierthöchsten in Europa. 901 Millionäre leben in der Hansestadt. Das sind 53 auf 100 000 Einwohner. Und auch die Normalverdiener haben mit 33 540 Euro Durchschnitts-Jahreseinkommen die prallsten Geldbörsen der Republik

Der Wohlstand kommt nicht von ungefähr. Nirgendwo ist der Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze so gering wie hier. Zu verdanken ist die Vormachtstellung vor allem Hamburgs ökonomischer Kraft als Medien-, Handels-, Industrie- und Seeschifffahrtsmetropole

Medienstandort Nummer Eins
Rund 52 000 Beschäftigte arbeiten in Verlagen, Werbe- und PR-Agenturen, Film- und Musikstudios. Damit liegt Hamburg vor München, Berlin und Köln. Hier im Norden sitzen Verlage wie Gruner + Jahr, Bauer, Jahreszeiten, Milchstraße, Spiegel, Axel Springer und der Norddeutsche Rundfunk sowie große Werbeagenturen wie Springer & Jacobi oder Scholz & Friends. Auch den Multimedia- und IT-Unternehmen aus der Zeit der New Economy geht es in der Hansestadt noch immer gut. Rund 1 000 Betriebe haben die große Branchenkrise vor gut fünf Jahren überlebt. Jeder dritte Recherche-Klick trifft auf eine Website aus Hamburg, nach wie vor werden hier die meisten deutschen Internet-Präsenzen programmiert

Big Player der Industrie
Wer in der Industrie arbeiten möchte, findet in Hamburg die Deutschland-Zentralen der größten internationalen Konzerne: Shell, BP und der Konsumgüterhersteller Unilever haben hier ihren Sitz; der Flugzeugbauer Airbus hat in den letzten vier Jahren allein 3 000 neue Arbeitsplätze in Hamburg geschaffen, jährlich kommen bis zu 200 neue dazu. Auch große deutsche Player wie der Otto-Versand, der Kosmetikhersteller Beiersdorf, der Kaffeeröster Tchibo und die Lebensmittelkette Edeka residieren in der Handelsmetropole an der Elbe. Nestlé hat hier seine "Chokoladenfabrik", Reemtsma seine "Cigarettenfabriken GmbH".


Darboven: Geschäfte mit Geschmack
"Ik heff mit den Schauerslüüd Kaffeesack sleppt", sagt Albert Darboven über seine Lehrjahre vor 50 Jahren. Wochenlang schleppte der junge Albert von Importeur-Schiffen bis zu 60 Kilo schwere Kaffeesäcke. Eine harte, aber gute Schule. So hat Albert, Spitzname "Atti", aus der vom Urgroßvater gegründeten "Hamburger Klitsche" mit den Kaffee-Marken Idee, Eilles und Mövenpick einen Big Player mit 300 Millionen Euro Jahresumsatz gemacht. Bei allem Erfolg - "Atti" ist auf dem Boden geblieben. Protz und Prunk überlässt er den Parvenüs, Understatement wird groß geschrieben. Früh geht's ins Bett, früh wieder raus, hart und solide wird gearbeitet, fast täglich bis zu zehn Tassen Kaffee getrunken - ohne Milch natürlich. Stilbildend wirkt der Firmenpatron nicht nur in Sachen Mode (Maßanzüge und Designerkrawatten), sondern auch beim Geschmack: "Kaffee schmecken, riechen, fühlen", das muss jeder Manager bei Darboven können, sonst hat er nicht die Bohne vom Geschäft kapiert. Schon in der Ausbildung lernen die Führungskräfte, Kaffee mit "Atti" persönlich in der "Probenküche" zu schlürfen. Nur so, sagt der Chef, kann das Gedächtnis auf die Geschmacksrichtungen der Darbovenschule geeicht werden. mse

Das Umland steht der Perle des Nordens in Sachen Jobs kaum nach: Handelsriese Coop hat Kiel als Stammsitz und zählt nach der Deutschen Post und vor Unternehmen wie der Damp Holding AG oder Drägerwerk zu den größten Jobmaschinen in Schleswig-Holstein. Mit den über 6 300 Coop-Beschäftigten kann selbst Beate Uhse, der berühmteste Markenartikler der Region, nicht mithalten. Und beim Flensburger Erotikkonzern wiederum geht es mitnichten sündhafter zu als beim berüchtigtsten Arbeitgeber des Landes gleich nebenan: dem Kraftfahrt-Bundesamt für Verkehrssünder

Kaufleute der ersten Stunde
Berühmt gemacht haben Hamburg seine renommierten Kaufmannshäuser und Privatbanken - darunter M.M. Warburg & CO oder die Berenberg Bank. Die Traditionshäuser sind aus der Stadt nicht wegzudenken. Die Branche, die Hamburg im 19. Jahrhundert zur Weltmetropole aufsteigen ließ, stellt bis heute ihr Rückgrat dar: Gewürz-, Teppich-, Tee- und Kaffee-Händler betreiben hier nach wie vor ihr Geschäft und expandieren weiter

Den alteingesessenen Kaufleuten verdankt die Stadt auch ihre architektonische Schönheit. Der Jenisch-Park, die ehemalige "Ornamented Farm" des Baron von Voght, ist beliebte Spielwiese für Tagträumer und Hundebesitzer. In den feinen Gegenden, in Eppendorf, Uhlenhorst und Winterhude, präsentieren sich die Kaufmannsvillen schwanenweiß leuchtend wie die Motoryachten der Saudis im Hafen von Monaco

Schöne Schmuddelecken
Das ist das schmucke Hamburg. Und dann gibt es da noch das schmuddelige. Vorneweg die Reeperbahn - nicht so schön und erst recht nicht so gemütlich wie die Rote Meile von Amsterdam. Bis zum Sommer aber, wenn in der Hamburger AOL-Arena die Fußball-WM ausgetragen wird, soll alles sauber sein. Denn dann wird - after soccer - viel Männervolk auf die sündige Meile strömen, um Frust und Freude abzulassen im Dollhouse mit seinen Erotikshows, im "3 Hufeisen", einer Kaschemme für Kiez-Legenden, Szenegänger und Kampftrinker, oder in der "Ritze", in der im Fernseher neben der Theke alte Pornostreifen laufen, während im Keller geboxt wird. Extrem vernachlässigt hat die Stadt jahrelang ihren Süden: Harburg, die alte Arbeiterstadt, und Wilhelmsburg. Auch das soll sich ändern. 2013 will man Wilhelmsburg als Schauplatz der Internationalen Gartenbauausstellung neu auferstehen lassen. Künstler und Studenten zieht es schon heute nach Wilhelmsburg, vor allem in den Norden ans Wasser. Dort nämlich lässt es sich nicht nur gut, sondern auch (noch) günstig wohnen

Wasser ist das Lebenselixier der Hanseaten. Kein Wunder, dass die Norddeutschen ihr größtes Bauprojekt am kühlen Nass planen. Mit der Hafencity wollen sie zu Vorzeigemetropolen wie Barcelona, Mailand oder Sydney aufschließen: Der 100 Hektar große Grundstückskorridor, fast 15 Mal so groß wie der Potsdamer Platz in Berlin, schmiegt sich über drei Kilometer im Süden an die historische Speicherstadt.

Tausende von lichtdurchfluteten Luxus-Apartments mit Blick über die Elbe sollen hier in den nächsten Jahren entstehen. Dazwischen rund 35 000 Quadratmeter Bürofläche in glänzenden Glastürmen, Einkaufszentren und schicke Hotels. Die Hafencity, zehn Fußminuten vom Rathaus entfernt, wird die heutige Innenstadt Hamburgs um 40 Prozent erweitern. Die ersten Mieter sind bereits eingezogen. Bis 2025 sollen in den 5 500 neuen Wohnungen bis zu 12 000 Menschen leben, rund 40 000 Arbeitsplätze werden hier entstehen

Tor zur Welt
Schon jetzt hängen 145 000 Jobs am größten Hafen Deutschlands und zweitwichtigsten Containerumschlagplatz Europas nach Rotterdam. Die Hamburger Reeder, angefangen mit Albert Ballin, der einst die Hamburg-Amerikanische-Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) zur Weltspitze führte, haben aus der Elbmündung einen der international bedeutendsten Schifffahrtsplätze gemacht (siehe oben, Porträt Laeisz).

Durchschnittlich 32 Schiffe laufen Tag für Tag den Hamburger Hafen an. Riesige Kräne und Brücken ragen in den Hafenhimmel, in den Docks von Blohm + Voss herrscht Hochbetrieb. Über die Hälfte der rund hundert deutschen Reedereien haben in Hamburg ihr Stammhaus, darunter 15 der 20 größten im Land. Die Spitzengruppe nach Tonnage wird nach Angaben des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) von der Hapag-Lloyd AG angeführt. Hapag-Lloyd, Hamburg-Süd und die Deutschen Afrika- Linien (DAL) zählen darüber hinaus zu den größten Linienreedereien Deutschlands


LAEISZ: Fliegende P-Liner
1825 schickt der Buchbinder und Hutmacher Ferdinand Laeisz seine ersten Zylinderhüte von Hamburg nach Buenos Aires. Es folgen Brasilien, Venezuela, Chile, Peru und Kuba. Der Laden läuft so gut, dass er ein Handelshaus für Ex- und Import aufmacht. 30 Jahre später kauft sein Sohn Carl eigene Schiffe. Eines nennt Carl nach dem Spitznamen seiner Frau "Pudel" - fortan wird es zur Tradition der Reederei, die Namen ihrer Schiffe mit "P" beginnen zu lassen - Peking, Padua, Pamir oder Passat. Und weil die Laeisz-Segler bald bekannt sind für ihre schnellen Reisen, erhält die Reederei den Übernamen "Flying P-Line", die fliegenden "P-Liner". Heute ist die F. Laeisz Gruppe mit 900 Besatzungsmitgliedern auf See und 90 Mitarbeitern an Land eines der führenden deutschen Unternehmen der Branche. Zur hauseigenen Flotte gehören Container-, Massengut- und Kühlschiffe, Küstenmotor- und Forschungsschiffe. Aktueller Coup der Hanseaten: Seit Jahresbeginn läuft das deutsche Forschungsschiff "Meteor" unter dem Management der Reederei. Das Schiff gehört dem Bund und ist weltweit im Einsatz. mse

Neues Wahrzeichen
Viel Schiff, viel Geld, viel Ehr'. Dass Hamburg trotzdem kein richtiges Hafen-Wahrzeichen besitzt, hat die Stadtoberen lange gewurmt. New York begrüßt seine Passagiere an Bord der Luxusliner mit der Freiheitsstatue, Sydney die seinen mit der Oper, und Kopenhagen hat mit der kleinen Meerjungfrau das wohl berühmteste nackte Mädchen ans Wasser gesetzt. Im Juli 2005 nun hat der Hamburger Senat den Bau einer Konzerthalle beschlossen. Die "Elbphilharmonie" soll neben der historischen Speicherstadt entstehen, 2009 fertig gestellt werden und auf einem ehemaligen Kakaospeicher aus Backsteinen thronen. Kosten: über 185 Millionen Euro.

Die Stadt finanziert es, aber auch so wohlhabende Bürger wie der Unternehmer Michael Otto oder die Immobilienfamilie Greve - Millionäre, die gerne zahlen. Schließlich geht es um Hamburg und damit für echte Hanseaten letztlich um nichts anderes als um alles

Alles im Fluss
Über Jahre waren die Elbinsel-Viertel Wilhelmsburg und Veddel soziale Brennpunkte der Hansestadt. Heute zieht es vor allem Studenten in den Hamburger Süden. Sie schlürfen Latte macchiato, leben multikulti und wohnen so günstig wie nirgendwo sonst in der Stadt

Eben sahen sie noch aus wie zwei junge Damen, die nur einkaufen wollen. Blond bezopft, mit rosa Handtasche und Bluejeans eng wie eine zweite Haut laufen sie in Richtung Bahnhof Hamburg-Wilhelmsburg. Sie steuern auf eine Gruppe braunhaariger Mädchen zu. Plötzlich schreit die Blonde links einer der Brünetten ins Gesicht. "Verpiss dich, Schlampe!" Die Braunhaarige: "Pass auf, was du laberst, sonst hau ich dir auf die Fresse." Die Blonde verpasst ihr einen Stoß, dass sie fast gegen eine ältere Dame mit prall gefüllten Plastiktüten fällt. Jungs mit breiten Schultern und kurzgeschorenen Haaren laufen herbei. Die Blonden verschwinden in der S-Bahn. Die Türen schließen

Das ist das alte Wilhelmsburg, das immer wieder mit Schlägereien, Überfällen, Kampfhundangriffen und verwahrlosten Kindern von sich reden macht. Das geprägt ist von Arbeits- und Perspektivlosigkeit. Drei Stationen sind es von hier bis zum Hamburger Hauptbahnhof

Das neue Wilhelmsburg liegt ein paar Kilometer weiter, vorbei an den grau-gelben Plattenbauten, an einem kleinen Fleet. Schon vor Jahren haben junge Menschen eine alte Honigfabrik zu einem Kulturzentrum umgebaut. Heute ist das rote Backsteingebäude Anziehungspunkt für Menschen mit ausgefransten Seitenscheiteln.

Im Café Pause treffen sich die Neu-Wilhelmsburger, schlürfen nachmittags Latte macchiato und abends das Hamburger Kult-Bier Astra. "Es ist faszinierend - immer mehr junge Menschen kommen hierher", sagt Honigfabrik-Geschäftsführer Thomas Giese. Zuerst die Künstler. Sie nahmen leer stehende Fabrikhallen oder Gewerbeflächen in Beschlag und bauten sie zu Ateliers um. Dann folgten die Studenten, gründeten WGs in den noch unsanierten Jugendstil-Altbauwohnungen. Jetzt ziehen auch die Medienleute nach. So werden Trendviertel geboren

Insel der Akademiker
Bald sollen noch mehr junge Menschen das Eiland in der Elbe bevölkern. Der Hamburger Senat hat vor wenigen Tagen beschlossen, im Stadtteil Wilhelmsburg Wohnraum für Studenten zu fördern: Alte Wohnungen werden renoviert und anschließend zimmerweise vermietet. Mindestens 200 Jungakademiker sollen so nach Wilhelmsburg gelockt werden, 200.000 Euro will die Stadt pro Jahr zahlen, Zimmer gibt es dann für 178 Euro.

Ein Geheimtipp. Selbst Hamburger haben bislang von der Insel-Metamorphose kaum etwas mitbekommen. "Die meisten sagen: In Wilhelmsburg möchte ich nicht tot überm Zaun hängen", sagt Honigfabrik-Aktivist Giese. Das wird sich in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich ändern. Das Studentenprogramm ist Teil der Initiative "Sprung über die Elbe" des Hamburger Senats. Die Stadt will in Citynähe bezahlbaren Wohnraum schaffen, dafür müssen die sozialen Probleme in Wilhelmsburg gelöst werden.

Wilhelmsburg ist die zweitgrößte Flussinsel Europas und liegt praktisch mitten in Hamburg. Nördlich grenzt die Innenstadt, südlich Harburg und westlich der Hamburger Hafen. Seit Jahrzehnten gelten die Elbinsel-Stadtteile Steinwerder, Kleiner Grasbrook, Veddel und Wilhelmsburg als - vorsichtig ausgedrückt - vernachlässigt. Wegen der Nähe zum Hafen und den Industrieanlagen siedelten die Hamburger hier ihre Gastarbeiter an. Erst Polen, dann Italiener, Griechen und schließlich die Türken.

Doch die Industrie braucht die Menschen immer weniger. Die Arbeitslosigkeit liegt sechs Punkte über dem Hamburger Schnitt von 11,4 Prozent; wer es sich leisten kann, zieht weg. "Hier geht seit 20 Jahren alles nur noch bergab", sagt ein Taxifahrer, der in Wilhelmsburg geboren ist. Fährt man durch die trostlosen 13-stöckigen Plattenbausiedlungen, wo Jugendliche in verdreckten Hauseingängen lungern und aus Langeweile darauf warten, wie Kampfhähne aufeinander losdreschen zu können, glaubt man ihm sofort. Doch auch hier tut sich was. Hamburg steckt viel in die Sozialarbeit. "In den Hochhaussiedlungen hat sich die Situation in den vergangenen Jahren spürbar verbessert", sagt Kerstin Matzen, Sprecherin der Hamburger Wohnungsbaugesellschaft Saga GWG

Die Jugendstilhäuser in der Veringstraße, nur zwei Kilometer von den Plattenbauten entfernt, zeigen eine ganz andere Welt. Würden nicht so viele Läden leer stehen oder "Ü-Kiosk" oder "Reisebüro Keserci" heißen, könnte man denken, man stünde mitten in einem der schicken Hamburger Stadtteile wie Winterhude oder Eppendorf. Hier wohnen viele der Neu-Wilhelmsburger

"Studenten werten ein Viertel auf", sagt Kerstin Feddersen, Sprecherin der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung. "In Veddel sehen wir bereits, dass das hervorragend funktioniert." Veddel liegt eine S-Bahn-Station weiter Richtung Hauptbahnhof und ist die kleine Nachbarinsel von Wilhelmsburg. Der Ausländeranteil war bis vor wenigen Jahren hoch, die Zahl der Sozialhilfeempfänger auch. Läden schlossen, die Bankfiliale zog weg. Nur noch zwei Kneipen mit vergilbten Vorhängen und ein Eiscafé blieben

Trend-Veddel
Seit knapp zwei Jahren sponsert der Hamburger Senat in Veddel Wohnraum für 300 Studenten. Wie in Wilhelmsdorf sind auch hier ab 178 Euro pro Monat Zimmer zu haben. In den angesagten Hamburger Stadtteilen Altona, Eimsbüttel oder Sternschanze zahlt man leicht das Doppelte. "Es sind die vielen positiven Impulse von den jungen Leuten, die das Gesicht des Stadtteils verändern", sagt Wahl-Veddelerin Kerstin Matzen.

Impulse kommen zum Beispiel aus dem Café Umut, einer ehemaligen türkischen Teestube. Heute ist das Lokal mit der Backstein-Imitat-Tapete ein mit plüschigen Sofas voll gestellter Versammlungsort der Veddeler Studenten. "Wir wollen hier eine Plattform schaffen, um die Menschen kennen zu lernen und um uns mit dem Stadtteil auseinander zu setzen", sagt Martin Drechsler, der Sozialpädagogik studiert

Immer öfter kommen türkische Familienväter, Albaner und Arbeiter von den Alu-Werken zum Kickern und Klönen ins Café Umut. Von gewalttätigen Übergriffen, wie man sie in einem ehemals sozialen Brennpunkt erwarten würde, hat Drechsler noch nichts gehört: "Der Stadtteil ist so sicher wie jeder andere auch.

Was Veddel und Nord-Wilhelmsburg einzigartig in Hamburg macht, ist ihre "künstlerische Unverbrauchtheit": "Es gibt hier noch freie, weiße Flächen", meint Thomas Giese von der Honigfabrik. "Vieles ist noch nicht mit Inhalt besetzt. Andere Stadtteile sind ja schon komplett verplant. Hier ist noch alles im Fluss.

Top-Arbeitgeber in Hamburg und Schleswig-Holstein
(gelistet nach der Anzahl der Mitarbeiter)

Airbus Deutschland GmbH
Geschäftsfeld: Flugzeugbau
Beschäftigte in HH: 10 900
Kontakt: Airbus Deutschland GmbH, HR Service Center, Postfach 950109, 21111 Hamburg, www.airbus-careers.com

LBK Hamburg (Landesbetrieb Krankenhäuser)
Geschäftsfeld: Gesundheitswesen
Beschäftigte in HH: 10 300
Kontakt: LBK Hamburg GmbH, Friedrichsberger Str. 56, 22081 Hamburg, www.lbk-hh.de

Deutsche Lufthansa AG
Geschäftsfeld: Luftverkehr
Beschäftigte in HH: 10 089
Kontakt: Deutsche Lufthansa AG, 22335 Hamburg, www.be-lufthansa.com/jobs_und_karriere.html

Deutsche Post AG
Geschäftsfeld: Transporte
Beschäftigte in HH: 9 000
Kontakt: Deutsche Post AG, Personal, Kaltenkirchener Str. 1, 22769 Hamburg, www.dpwn-karriere.de
Deutsche Bahn AG
Geschäftsfeld: Personen- und Gütertransport
Beschäftigte in HH: 7 650
Kontakt: www.bahn.de

Otto Group
Geschäftsfeld: Versandhandel
Beschäftigte in HH: 7 301
Kontakt: Otto Group, Personalmarketing, Wandsbeker Str. 3-7, 22172 Hamburg, www.otto.com/jobs.html

Coop Schleswig-Holstein
Geschäftsfeld: Einzelhandel
Beschäftigte in Schleswig-Holstein: 6 312
Kontakt: Coop, Zentralverwaltung-Personal, Benzstr. 10, 24148 Kiel, www.coop.de/coop/standorte/index.html

Hamburger Sparkasse AG
Geschäftsfeld: Universalbank
Beschäftigte in HH: 5 850
Kontakt: Hamburger Sparkasse AG, Personal, Großer Burstah 23, 20457 Hamburg, www.haspa.de

Philips GmbH
Geschäftsfeld: Elektronik
Beschäftigte in HH: 5 400
Kontakt: Philips GmbH, Personal, Steindamm 94, 20099 Hamburg, www.philips.de/about/careers/Index.html

Damp Holding
Geschäftsfeld: Gesundheitswesen, Touristik
Beschäftigte in Schleswig-Holstein: 4 416
Kontakt für Bewerber: Damp Holding AG, Personal und Recht, Seeuferweg 10, 24351 Damp, www.damp.de

Beiersdorf AG
Geschäftsfeld: Körperpflege, Klebstoffe
Beschäftigte in HH: 4 700
Kontakt: Beiersdorf AG, Personalmarketing, Unnastr. 48, 20245 Hamburg, www.beiersdorf.de

Hamburger Hochbahn AG
Geschäftsfeld: Schnellbahn, Omnibus
Beschäftigte in HH: 4 268
Kontakt: Hamburger Hochbahn AG, Personal, Steinstr. 20, 20095 Hamburg, www.hochbahn.com

Axel Springer AG
Geschäftsfeld: Verlag, Medien, Druckerei
Beschäftigte in HH: 3 493
Kontakt: Axel Springer AG, Personalabteilung, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg, www.axelspringer.de

Drägerwerk
Geschäftsfeld: Medizin- und Sicherheitstechnik
Beschäftigte in Schleswig-Holstein: 3 350
Kontakt: Drägerwerk AG, Personalabteilung, Moislinger Allee 53-55, 23542 Lübeck, www.draeger.com

Howaldtswerke - Deutsche Werft GmbH
Geschäftsfeld: Schiffbau
Beschäftigte in Schleswig-Holstein: 3 440
Kontakt: Howaldtswerke-Deutsche Werft, Personalabteilung, Werftstr. 112/114, 24143 Kiel, www.hdw.de

Gruner + Jahr
Geschäftsfeld: Druck- und Verlagshaus
Beschäftigte in HH: 2 500
Kontakt: Gruner + Jahr AG & Co. KG, Personalabteilung, Am Baumwall 11, 20459 Hamburg, www.guj.de

Ethicon
Geschäftsfeld: Pharmazeutische Industrie
Beschäftigte in Schleswig-Holstein: 2 450
Kontakt: Ethicon GmbH, Personalabteilung, Robert-Koch-Str. 1, 22851 Norderstedt, www.ethicon.de

Blohm+Voss-Gruppe
Geschäftsfeld: Schiffbau, Reparatur
Beschäftigte in HH: 1 439
Kontakt: Blohm+Voss GmbH, Personalabteilung, Hermann-Blohm-Str. 3, 20457 Hamburg, www.blohmvoss.de

Mobilcom AG
Geschäftsfeld: Telekommunikation
Beschäftigte in Schleswig-Holstein: 927
Kontakt: mobilcom AG, Personal, Hollerstr. 126, 24753 Rendsburg-Büdelsdorf, www.mobilcom.de

Quelle: karriere / HSH Nordbank / Hamburger Abendblatt

Studieren in Hamburg

Staatliche Universitäten:
Universität Hamburg, www.uni-hamburg.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, www.uke.uni-hamburg.de
Technische Universität Harburg, www.tu-harburg.de
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, www.haw-hamburg.de
Hochschule für bildende Künste, www.hfbk-hamburg.de
Hochschule für Musik und Theater, www.musikhochschule-hamburg.de

Private und andere Hochschulen:
Bucerius Law School, www.law-school.de
Northern Institute of Technology in Harburg, http://nithh.tu-harburg.de
Hamburg School of Business Administration, www.hsba.de
AMD Akademie Mode & Design, www.amdnet.de
Hamburg Media School, www.hamburgmediaschool.com
Hamburg School of Logistics, www.hslog.de
Helmut-Schmidt-Universität - die Universität der Bundeswehr Hamburg, www.hsu-hh.de/hsu
Eine neue Bauakademie ist in Planung

Dieser Artikel ist erschienen am 15.03.2006