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My Home is my Office

Katja Stricker
Darf ich nun mein Homeoffice absetzen oder nicht, alle Kosten oder nur einen Teil - mit diesen Fragen mussten sich Steuerzahler jahrelang herumschlagen. Was anerkannt wurde, unterlag bislang meist der Willkür der Finanzbeamten. Das Finanzministerium schafft nun endlich klare Regeln für die Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers.
Darf ich nun mein Homeoffice absetzen oder nicht, alle Kosten oder nur einen Teil - mit diesen Fragen mussten sich Steuerzahler jahrelang herumschlagen. Was anerkannt wurde, unterlag bislang meist der Willkür der Finanzbeamten. Die Folge: Auf die Gerichte kam eine Flut von Klagen und Einzelfallentscheidungen zu; allein im vergangenen Jahr fällte der Bundesfinanzhof 23 Urteile zu diesem Thema. Damit soll jetzt Schluss sein: Das Bundesfinanzministerium hat in einem Schreiben an die Finanzämter klare Richtlinien festgelegt, wer was absetzen kann und in welcher Höhe - und damit endlich umstrittene Details definiert.Kernarbeit im Heimbüro

Die besten Jobs von allen

Ist das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit, können die Kosten unbegrenzt als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgesetzt werden. Entscheidend ist dabei nicht, wie viel Zeit man in seinem Arbeitszimmer verbringt, sondern dass dort die für den Beruf prägenden Arbeiten erledigt werden. So kann etwa ein Programmierer länger damit zu tun haben, Software beim Kunden zu installieren - wird jedoch die Kerntätigkeit, das Programmieren, im Arbeitszimmer erledigt, erkennt der Fiskus alle Ausgaben an.Pech haben dagegen Vertreter und Außendienstler, die für Telefonate und Auftragsverwaltung ein Heimbüro nutzen - sie können maximal 1.250 Euro absetzen, da ihre Kernarbeit ganz klar der Außendienst ist. Auch Nebenjobber müssen sich mit der Beschränkung zufrieden geben, selbst wenn es für ihren Zweitjob keinen anderen Arbeitsplatz als das Homeoffice gibt.Begrenzter AbzugWer mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit zu Hause tätig ist oder Arbeiten erledigt, für die kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist, kann ebenfalls Werbungskosten bis 1.250 Euro im Jahr absetzen. Das gilt etwa für Lehrer, die im Homeoffice Klausuren korrigieren und den Unterricht vorbereiten, weil sie in der Schule keinen Extraraum haben. Klassen- und Lehrerzimmer, das sehen auch Finanzämter ein, eignen sich dafür nicht.Auf Granit beißen Steuerzahler dagegen mit dem Argument, sie könnten sich in ihrem Großraumbüro nicht konzentrieren und bräuchten deshalb ein Arbeitszimmer zu Hause. Das funktioniert nur, wenn man nachweislich mehr als die Hälfte der Zeit im Heimbüro arbeitet. Eine Bescheinigung des Arbeitgebers hilft, die Finanzbeamten zu überzeugen. Wer nur hin und wieder nach Dienstschluss oder am Wochenende Arbeit mit nach Hause nimmt, kann die Kosten für sein Heimbüro gar nicht absetzen.Kein DurchgangszimmerDamit der Fiskus einen Raum als Arbeitszimmer anerkennt, muss er einige Voraussetzungen erfüllen. Ein separates Zimmer ist Pflicht, Arbeitsecken in Wohn- oder Schlafzimmer genügen nicht. Ein Durchgangsraum geht nur dann als Homeoffice durch, wenn es der Zugang zu Schlafzimmer oder Balkon ist. Zudem muss der Rest der Wohnung noch groß genug zum Wohnen sein, sonst gehen die Finanzbeamten davon aus, dass das Arbeitszimmer auch privat genutzt wird. Bei Singles wird ein kleines Büro in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im Allgemeinen anerkannt. Ein Paar mit zwei Kindern wird dagegen in einer Drei-Zimmer-Wohnung kaum eine Chance haben, dem Fiskus einen Raum als Homeoffice zu verkaufen.Ist das Arbeitszimmer generell anerkannt, lassen sich jede Menge Ausgaben absetzen, etwa die anteilige Miete, Nebenkosten für Heizung, Strom, Wasser, Energie sowie Reinigungs- und Renovierungskosten. Liegt das Arbeitszimmer im eigenen Haus oder der Eigentumswohnung, sind auch Zinsen für Kredite, die wegen Kauf, Bau oder Renovierung aufgenommen wurden, Grundsteuer, Müllabfuhr und Schornsteinfeger sowie Gebäudeversicherungen anteilig absetzbar. Auch die Ausstattung, etwa Tapeten, Teppiche, Lampen, Vorhänge und Gardinen, gehören zu den Raumkosten.Büromöbel wie Schreibtisch, Stuhl, Regale, Aktenschränke sowie Kosten für Telefon, Computer und Drucker laufen dagegen extra und müssen bei einem begrenzten Abzug nicht mit eingerechnet werden. Denn auch wer kein anerkanntes Arbeitszimmer hat, kann diese Arbeitsmittel als Werbungskosten geltend machen.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.07.2004