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Multikulti bei der Partnersuche

Von Dietmar Petersen
Die Story der Kulmac-Brothers ist typisch für die Entwicklungsphasen türkischer Einwanderer in Deutschland. Die dritte Generation türkischstämmiger Unternehmer wagt den Schritt als High-Tech- und IT-Unternehmer.
KÖLN. Nach dem Abschluss 1995 als Diplom-Kaufmann an der Universität Köln jobbte der damals 26-jährige Türke zunächst in einem kleinen Verlag, ?schon auf der Suche nach einer Nische?. Die Idee kam mit dem Internet-Boom Ende der neunziger Jahre: ?Beim Surfen stieß ich auf amerikanische Internetanbieter, die sich auf ethnische Zielgruppen wie Latinos oder Asiaten spezialisiert hatten?, berichtet Kulmac. Das türkische Immigrantenkind Tamer entdeckte die Chance: ?Die in Deutschland und auch im übrigen Westeuropa lebenden Türken stellen den größten ethnischen Markt.?Tamer gründete mit seinen beiden Brüdern Hasim und Akgün sowie mit seinem Schwager in Köln das Internetunternehmen Vaybee!.com AG. Hasim, Tamers älterer Bruder, hatte seinen Abschluss als Diplom-Ingenieur, Akgün hatte direkt nach dem Abitur den Sprung in die eigene Selbstständigkeit gewagt.

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Das Quartett entwickelte Portale in deutscher und türkischer Sprache mit den Hauptthemen Lifestyle, Sport und Tourismus. Lifestyle berichtet Neues über türkische Stars aus der Film- und Popwelt, Sport informiert über Sportereignisse in der Türkei, durchmischt mit internationalen Nachrichten. Zudem betreiben Tamer und seine Brüder ein auf Türkeireisen spezialisiertes Online-Reisebüro.Die Story der Kulmac-Brothers ist typisch für die Entwicklungsphasen türkischer Einwanderer in Deutschland. ?Die erste Generation kam als Gastarbeiter und wollte wieder zurück ? aber blieb?, sagt Professor Faruk Sen, Chef des Zentrums für Türkeistudien (ZfT) in Essen. ?Die zweite Generation probierte den Schritt in die Selbstständigkeit, mit Döner-Buden, Gemüseläden oder Änderungsschneidereien.?Jetzt beobachtet Sen, ?dass die dritte Generation türkischstämmiger Unternehmer den nächsten Schritt wagt: als High-Tech- und IT-Unternehmer?. Tamer und seine Brüder haben den Sprung schon in der zweiten Generation geschafft.Mit dem multikulturellen Zusammenleben hatten sie keine Schwierigkeiten. Der Vater, der als Gastarbeiter der ersten Türken-Generation nach Köln zu den Ford-Werken kam, holte die Familie nach Deutschland, als Tamer drei Jahre alt war. ?Mit der Einschulung zogen wir in ein ,deutsches? Viertel?, berichtet amer. So lernte er, fließend Deutsch zu sprechen, ?der Schlüssel für die Integration?.Das Unternehmen, im Besitz des Gründungsteams und eines Venture-Capital-Unternehmens, hat alle Stürme des Neuen Marktes überstanden. ?Unser Hit ist unser ,Dating?: die multikulturelle Partnersuche?, freut sich Tamer. Auf dieser Plattform tummelten sich nicht nur junge Türken, sondern auch andere Ausländer und natürlich auch Deutsche. Tamer berichtet von ?rund 400 000 registrierten Teilnehmern?. Sein Geld verdient er mit Gebühren und Werbung.Einsilbig zeigt er sich, wenn es um Geschäftszahlen geht. ?Nach drei Jahren haben wir profitabel gearbeitet.? Mehr lässt er sich über Vaybee! ? auf Deutsch so viel wie ?Super!? ? nicht entlocken. Von der Mentalität her ist der Jungtürke bereits ein deutscher Mittelständler.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.04.2005