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Münchener Unternehmer fordert Microsoft heraus

Von Joachim Hofer
Peter Schneider verkauft Tag für Tag mehr Gebraucht-Software des Marktführers Microsoft. Dem gefiel das gar nicht und zerrte den Münchener Unternehmer vor Gericht. Doch Schneider setzte sich durch. Nicht zum ersten Mal.
Peter Schneider Foto: PR
MÜNCHEN. Im Geschäftsleben ist es manchmal wie in der Schulzeit. Die einen glänzen dadurch, dass sie lernen und lauter Einsen nach Hause bringen. Andere schinden Eindruck, indem sie am Nachmittag im Freibad mutig vom Zehn-Meter-Brett springen.Peter Schneider gehört zur zweiten Kategorie. ?Wer nicht fleißig ist, muss risikofreudig sein?, sagt der Unternehmer. Dass er Wagnisse nicht scheut, hat der gelernte Bauingenieur in den vergangenen Jahren bewiesen. Denn mit seinem kleinen Münchener Unternehmen Usedsoft hat Schneider die zwei mächtigsten Softwarekonzerne der Welt herausgefordert: Microsoft und Oracle ? mit Erfolg. In den vergangenen Wochen hat er sich bei Staatsanwälten und vor Gericht zwei Mal gegen die Branchenriesen durchgesetzt. Und er jagt ihnen Tag für Tag mehr Kunden ab.

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Auf den ersten Blick ist Schneiders Geschäftsmodell alles andere als risikoreich: Der 52-Jährige verkauft gebrauchte Software von großen Anbietern wie Microsoft oder Oracle. Was bei Autos und Häusern gang und gäbe ist, müsste auch bei Computerprogrammen problemlos möglich sein ? sollte man meinen.Von wegen. Bis Schneider kam, hat so gut wie niemand mit Software aus zweiter Hand gehandelt. Und schon gar niemand hat es gewagt, dies ohne das Einverständnis der Softwarehersteller zu tun. Die stehen nämlich auf dem Standpunkt, dass nur sie entscheiden dürfen, was mit ihren Programmen passiert.?Mir war schon klar, dass das ein Ritt auf der Rasierklinge wird?, erinnert sich der Unternehmer. Dass bei ihm aber eines Tages die Polizei vor der Tür stehen und Akten beschlagnahmen würde, damit hatte er doch nicht gerechnet.Obwohl seine Firma Usedsoft im Vergleich zu Microsoft winzig klein ist, wollte der Konzern aus Amerika den Handel nicht zulassen. Und so brüteten die Münchener Staatsanwälte in den vergangenen Monaten über der rechtlich komplexen Materie. Jüngst kamen sie zum Schluss, dass eine höchstrichterliche Entscheidung noch fehlt und sich deshalb ?an der Unmöglichkeit, eine strafrechtliche Verurteilung zu erzielen, nichts ändern wird?.In einem anderen Fall setzte sich Usedsoft vor dem Landgericht München gegen Oracle durch. Für Schneider sind das wichtige Erfolge, weil sie den Kunden signalisieren, dass der Handel mit gebrauchter Software nicht unrecht ist ? wie es die Hersteller glauben machen wollen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Geschäft läuft wie geschmiert.Ohnehin ist der Mann mit dem dichten, gescheitelten Haar derzeit gut drauf. Das Geschäft läuft wie geschmiert. Mit einer halben Million Euro Umsatz ist Usedsoft vor drei Jahren gestartet. 2007 sollen schon mehr als zehn Millionen in die Kasse kommen und in drei, vier Jahren mehr als 100 Millionen Euro.Inzwischen bekommt Schneider Beistand von höchster Stelle. ?Wir sind der Überzeugung, dass der Handel mit Gebraucht-Software vollkommen legal ist?, sagt Münchens Oberbürgermeister Christian Ude und hat prompt 2 000 Microsoft Lizenzen für die Verwaltung der Landeshauptstadt bei Usedsoft gekauft. ?Über 50 Prozent Ersparnis gegenüber dem Preis für Neuware sprechen eine deutliche Sprache?, findet Ude.Schneider sei ein gewiefter Verkäufer, sagen Leute, die öfter mit ihm zu tun gehabt haben, einer, der nicht locker lässt und seine Gesprächspartner überzeugen kann. Schneider arbeitet schon lange in der IT-Branche, in den 80er-Jahren für den Computerkonzern IBM und seither als Selbstständiger. Früher hat er jedoch nur neue Programme verkauft.Microsoft warf ihm im Frühjahr öffentlich vor, ?Fehlinformationen? über den Handel mit gebrauchter Software zu verbreiten. Doch solche Störmanöver schrecken ihn nicht mehr. Längst zählt er Konzerne wie Karstadt-Quelle, Douglas oder Rewe zu seinen Kunden.Die weiß der Hobby-Golfer geschickt durch exklusive Einladungen zu umgarnen. In der Münchener Allianz-Arena hat sich Schneider dafür extra eine Loge gemietet ? ungewöhnlich für ein so kleines Unternehmen. Dazu kommt, dass Schneider mit den Hausherren des Stadions, Bayern München, eigentlich nichts am Hut hat: In Witten an der Ruhr geboren, ist er Fan von Borussia Dortmund.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.08.2007