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Montezemolo krönt seine Karriere

Von Marcello Berni, Handelsblatt
Ihm wird zugetraut, jene Lücke auszufüllen, die im vergangenen Jahr durch den Tod von Gianni Agnelli gerissen wurde. Deshalb werden die italienischen Unternehmer Luca Cordero di Montezemolo zu ihrem neuen Präsidenten nominieren.
HB MAILAND. Der 56-jährige Boss der Sportwagenschmiede Ferrari tritt so in die Fußstapfen des ?Avvocato?, seines väterlichen Freundes, der auch einmal Arbeitgeberpräsident war, und krönt seine Karriere.Der Kampf um den Vorsitz des Unternehmerverbandes Confindustria ist ähnlich verlaufen wie die letzten Formel-1-Rennen für Schumis feuerroten Ferrari: Ohne je seinen Gegner Nicola Tognana, einen Mittelständler aus dem Veneto, ernsthaft fürchten zu müssen, hat Montezemolo einen Durchmarsch hingelegt.

Die besten Jobs von allen

Auf den noch immer jugendlich wirkenden Vater dreier Kinder kommt eine neue delikate Aufgabe zu: Nachdem der studierte Jurist in 13 Jahren den Mythos Ferrari mit etlichen Formel-1-Siegen und guten Verkaufszahlen wiederbelebt hat, soll er nun die zerstrittenen und durch die jüngsten Krisen (Fiat) und Skandale (Parmalat) verunsicherten Unternehmer des Landes einen und vertreten. Mit 113 000 Mitgliedern und 105 Unterorganisationen, der wichtigsten Wirtschaftstageszeitung des Landes (sole24ore) und einem enormen Einfluss auf die Römer Politik gilt die Confindustria als einer der mächtigsten Industriellenverbände der Welt.Der piemontesische Adelige Montezemolo mit seinen engen Bindungen zur Großindustrie und Hochfinanz wird sich in diesem Umfeld sicherlich geschickter bewegen als Noch-Präsident Antonio D?Amato, ein schnellsprechender und blauäugiger Unternehmer aus Neapel. D?Amato wusste in seiner vierjährigen Amtszeit nach Ansicht vieler Beobachter nicht zu überzeugen, auch weil er sich stark in den Dienst der Regierung Berlusconi gestellt hat. Diese Gefahr dürfte bei Montezemolo weniger drohen. So hat er sich als Präsident des Zeitungsverlegerverbandes FIEG öffentlich gegen Berlusconis umstrittenes Mediengesetz gestellt.Anders als bei D?Amato, der in Kreisen der grauen Eminenzen denkbar unbeliebt war, steht hinter dem stets elegant auftretenden Montezemolo die ?Crème de la Crème? der italienischen Geschäftsleute: Sowohl Marco Tronchetti Provera, Boss von Telecom und Pirelli, als auch Fiat-Präsident Umberto Agnelli sowie Luciano Benetton, das Oberhaupt der gleichnamigen Textildynastie, hatten sich früh hinter eine Kandidatur Montezemolos gestellt: ?Er ist einer der 50 höchstgeschätzten Manager der Welt. Und er kommt aus einem Unternehmen, das ein Symbol ist für die ganze italienische Industrie?, sagte Tronchetti Provera zu Jahresanfang.So wird sich das lange Zeit als Lebemann geltende Verkaufsgenie künftig mit einer nüchternen Materie befassen. Als Confindustria-Präsident wird er sich in erster Linie um die Wirtschafts- und Finanzpolitik, die Sozialpartnerschaft und die Tagespolitik kümmern. Da wird er viel diplomatisches Geschick benötigen. Dass er dies besitzt, hat er als Organisationschef der Fußballweltmeisterschaft in Italien 1990 bewiesen. Damals gelang ihm ein reibungsloser Ablauf der Großveranstaltung ? trotz unwilliger Bürgermeister und träger Bürokraten. Sein Geheimnis: Enthusiasmus und Motivation. ?Das zu vermitteln ist das eigentliche Rezept jedes Erfolges?, sagt er.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.03.2004