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Moneten, Macht und Marken

Von Gregory Lipinski, Handelsblatt
Wenn Günter Herz morgens in der internationalen Presse seinen Namen liest, ist der milliardenschwere Unternehmer häufig sauer. Immer wieder ärgert sich der ehemalige Großaktionär des Hamburger Kaffeeimperiums Tchibo über die neuesten Spekulationen.
HAMBURG Einmal wird der Hanseat als künftiger Großaktionär des Tourismus-Riesen Tui genannt. Ein anderes Mal ist er als neuer Teilhaber der renommierten Hamburger Privatbank M. M. Warburg im Gespräch. Barsch stoppt er dann nachbohrende Journalisten am Telefon: ?Alles Quatsch?.Nun dürfte der erfolgreiche Firmenlenker erneut Spielball von Spekulationen werden. Er und seine Schwester Daniela haben, wie gestern exklusiv berichtet, die Beteiligungsgesellschaft Maryland gegründet ? mit noblen Büroräumen und der feinen Adresse Jungfernstieg 30 nahe der Hamburger Binnenalster. Das Anlagevolumen schätzen Branchenkenner auf bis zu 15 Milliarden Euro. Locker könnte der schlank wirkende Brillenträger mit dieser Kapitalkraft Großbanken vom Kaliber Commerzbank oder Hypo-Vereinsbank schlucken, deren Börsenkapitalisierung sich derzeit gerade mal zwischen zehn und zwölf Milliarden Euro bewegt.

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Doch der 64-Jährige ist vorsichtig. Er plant Mehrheitsbeteiligungen mit einer Obergrenze zwischen einer bis zwei Milliarden Euro. Und er investiert nur in Branchen, in denen er sich auskennt. Dazu gehören die Konsumgüterindustrie sowie der Einzelhandel.Herz legt bei seinen Firmenengagements Wert darauf, dass er unternehmerisch gestalten kann. Dies ist ihm besonders wichtig. Denn in den vergangenen Jahren konnte der älteste Sohn des Hamburger Kaffeeunternehmers Max Herz seine Zukunftsvisionen für das Tchibo-Imperium nicht umsetzen, das in besten Zeiten über milliardenschwere Beteiligungen an dem Zigarettenkonzern Reemtsma und Beiersdorf (Nivea, Tesa, Hansaplast) verfügte. Immer wieder funkten ihm seine Brüder Michael und Wolfgang im operativen Geschäft dazwischen.Das Gezänk eskalierte im Jahr 2000, als ihn seine Geschwister nach 36 Jahren an der Spitze des Konzerns entmachteten. Nicht einmal einen Sitz im Aufsichtsrat gönnten sie ihrem ältesten Bruder. Seitdem ging es Michael und Wolfgang Herz nur noch darum, Günter und Daniela aus dem Eigentümerkreis des Familienkonzerns hinauszudrängen.Im August 2003 war es soweit. Die beiden Geschwister gaben entnervt ihr Aktienpaket ab und kassierten dafür insgesamt rund vier Milliarden Euro. Das Geld hatte Tchibo zuvor durch den Verkauf des Zigarettenherstellers Reemtsma eingenommen.Doch trotz des riesigen Vermögens auf dem Konto ? mit einem geschätzten täglichen Zinsertrag von 220 000 Euro ? wirke Günter Herz seither eher unglücklich, berichten Kenner aus seinem Umfeld. Monatelang suchte einer der ?reichsten Männer Deutschlands? (Forbes) auf seinem Trabergestüt im schleswig-holsteinischen Lasbek Zerstreuung, machte ausgedehnte Segel- und Wandertouren oder reiste mit seiner Frau Uta um die Welt.Doch dies füllte den machtbewussten Mann nicht aus. Herz will etwas bewegen. Doch wilde Spekulationen mit unterbewerteten Gesellschaften nach dem Muster des Hamburger WCM-Großaktionärs Karl Ehlerding sind nicht seine Sache. Herz gilt als äußerst risikoscheu und hanseatisch bodenständig. Die Zurückhaltung ist angebracht. Denn seine Schwester Daniela steuert einen wesentlichen Teil des Beteiligungskapitals bei. Doch die distinguiert wirkende Frau steht voll und ganz hinter ihrem Bruder und traut seinem Gespür für lukrative Investments.Dabei dürfte Günter Herz vor allem renommierte Markenartikler à la Adidas, Puma oder Douglas im Visier haben, deren Wachstumspotenzial der agile Manager durch geschickte Umstrukturierungen deutlich steigern kann. Zur Seite steht ihm dabei Hinrich Stahl, ein ehemaliger Angestellter der Münchener Beteiligungsgruppe Apax. Stahl habe dort bereits diverse Deals im Konsumgüterbereich und Einzelhandel eingefädelt, heißt es aus Apax-Kreisen.Fraglich ist aber, ob es Herz mit seiner neuen Beteiligungsfirma nur um die Vermehrung seines Vermögens geht. In Tchibo-Kreisen heißt es, er wolle seinen Brüdern beweisen, dass er der bessere Firmenlenker sei. Vielleicht gelingt ihm bald ein Überraschungscoup und er fasst wieder Fuß ? im Tchibo-Reich.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.02.2005