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Modelle gegen lange Studienzeiten

Kristina Banasch
Baden-Württemberg hat bereits Gebühren für Langzeitstudenten eingeführt. Andere Bundesländer überlegen noch, wie sie das Problem der überdurchschnittlich langen Studiendauer an deutschen Unis in den Griff bekommen. Dabei scheinen sich zwei Modelle durchzusetzen: Studienkonten und Bildungsgutscheine.
Baden-Württemberg hat bereits Gebühren für Langzeitstudenten eingeführt. Andere Bundesländer überlegen noch, wie sie das Problem der überdurchschnittlich langen Studiendauer an deutschen Unis in den Griff bekommen. Eine Option hätte die Einführung von Studiengebühren sein können. Die Bundesregierung hat aber Ende Februar ein Gesetz auf den weg gebracht, das jedem Studenten ein gebührenfreies Erststudium garantiert. Das Gesetz lässt jedoch eine Menge Spielraum für Ausnahmeregelungen. Einige Bundesländer arbeiten daran, diese Spielräume zu nutzen, um Langzeitstudenten zur Kasse zu bitten. Dabei scheinen sich zwei Modelle durchzusetzen: Studienkonten auf der einen, Bildungsgutscheine auf der anderen Seite.

Nach dem Studienkonto-Modell, wie es ab dem Sommersemester 2004 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eingeführt werden soll, erhält jeder Student zu Beginn seiner Uni-Laufbahn ein Zeitkonto. Auf diesem Konto sind 20 Prozent mehr Semesterwochenstunden verbucht als in der Prüfungsordnung des jeweiligen Fachs vorgesehen. Jedes Semester werden die Stunden für die besuchten Seminare und Vorlesungen vom Konto abgebucht. Der Zeitraum, in dem die Studierenden ihr Konto verbrauchen können, ist doppelt so lang wie die Regelstudienzeit des jeweiligen Fachs. Wer sein Studium innerhalb der Regelstudienzeit plus ein Semester abschließt, bekommt über den Rest seines Studienkontos eine Gutschrift, die er bis zu seinem 55.Lebensjahr gegen ein Zweit- oder Aufbaustudium einlösen kann. Ist das Studienkonto vor dem Examen aufgebraucht, fallen für das weitere Studium Gebühren an. Auch die Regierung von Schleswig-Holstein plant die Einführung eines solchen Studienkonten-Modells.

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Mit Gutscheinen durchs Studium
Beim Gutscheinmodell, das in anderen Bundesländern diskutiert wird, erhalten Erstsemester ein Guthaben, zum Beispiel Regelstudienzeit plus einige Zusatzsemester. Gebühren fallen an, sobald das Zeitguthaben aufgebraucht ist.

Bereits seit 1997 zahlen Studenten, die die Regelstudienzeit um vier Semester überschritten haben, an Hochschulen in Baden-Württemberg 500 Euro pro Semester. In Niedersachsen müssen Langzeitstudenten ab dem Sommersemester 2003 für ihr Studium ins Portemonnaie greifen. Auslandssemester, Promotionsstudien und Zeiten, in denen das Studium durch eine Beurlaubung unterbrochen wurde, werden nicht mitgerechnet. Auch für Studenten mit Kindern, Opfer von Straftaten, Behinderte und in Studentenorganisationen engagierte Studenten gibt es Ausnahmen. Das Saarland führt ab 1. April 2002 Studiengebühren für Langzeitstudenten nach dem Baden-Württemberger Modell ein. Studenten, die bereits jetzt eingeschrieben sind und unter die neue Regelung fallen, werden allerdings erst zum Wintersemester 2003/04 zur Kasse gebeten.

In Bayern werden seit dem Sommersemester 1999 für ein Zweitstudium 500 Euro pro Semester erhoben. Nicht als Zweitstudium gelten im Freistaat Promotions-, Zusatz-, Ergänzungs-, Aufbau- und Masterstudiengänge. Auch Fachhochschulabsolventen, die erst mit dem FH-Abschluss die Qualifikation für das Zweitstudium erworben haben, müssen keine Gebühren bezahlen. An der Gebührenfreiheit für das Erststudium will die bayerische Regierung festhalten.

Gebührenfrei und ohne zeitliche Beschränkung studiert es sich bis auf weiteres in Berlin, Hamburg, Bremen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen. Zumindest ein Teil dieser Länder denkt allerdings auch schon über die Einführung eines Studienfinanzierungsmodells nach.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.03.2002