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MLP-Chef Termühlen tritt zurück

MLP-Chef Bernhard Termühlen scheidet völlig überraschend zum Jahresende aus dem Unternehmen aus. Aufsichtsrats-Vorsitzender Manfred Lautenschläger will sich mit der Suche nach einem Nachfolger Zeit lassen. Die MLP-Aktie reagierte am Mittwoch mit einem Kursplus von rund zehn Prozent.
MLP-Chef Bernhard Termühlen. Foto: dpa
HB STUTTGART. Termühlen erklärte seinen Rücktritt in einer Mitteilung mit privaten Gründen. Der Finanzdienstleister habe die Krise nur mit einem ?Kraftakt? überstanden, der ?nicht spurlos? an ihm vorüber gegangen sei. ?Die Weichen zu einem nachhaltigen und profitablen Wachstumskurs sind wieder gestellt. Mit meiner Entscheidung möchte ich nun Privates in den Mittelpunkt meiner Lebensplanung stellen?, begründete er den Schritt. Seine Kapitalbeteiligung an MLP werde Termühlen aber behalten, sagte Aufsichtsratschef und Großaktionär Manfred Lautenschläger. Ein Nachfolger ist bisher nicht in Sicht.Händler erklärten die heftige Kursreaktion - der im MDax der Nebenwerte notierte Anteilsschein lag gegen den schwachen Markttrend am Nachmittag mehr als zehn Prozent im Plus bei 15,10 Euro - auch mit wieder aufflammenden Übernahmespekulationen um MLP: ?Termühlen war immer derjenige, der sich gegen Übernahmen gewehrt hat?, sagte ein Händler. Unternehmens-Mitgründer Lautenschläger schloss im Interview mit Reuters einen Verkauf der Anteile Termühlens aber aus. ?Die Aussage ist hundertprozentig: Ich bleibe dabei?, habe Termühlen ihm versprochen. ?Wir sitzen mit unseren Paketen ohnehin in einem Boot?, fügte er an. Lautenschläger hält 33,5 Prozent an MLP, Termühlen 14,5 Prozent.

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Mit der Suche nach einem Nachfolger will Lautenschläger sich Zeit lassen: ?Konkret läuft noch gar nichts. Wir haben es nicht eilig. Die Mannschaft ist gut aufgestellt.? Die Suche nach einem neuen Vorstandschef könne sich auch bis ins neue Jahr ziehen. In Unternehmenskreisen hieß es, MLP dürfte sich für eine externe Lösung entscheiden. Finanzchef Schroeder-Wildberg ist erst seit Jahresbeginn im Amt, auch fehle dem Finanzmann die Vertriebserfahrung.Der 48-jährige Münsterländer Termühlen hatte vor 18 Jahren nach einem abgeschlossenem Ingenieursstudium als Berater bei MLP in Hamburg begonnen und war schon drei Jahre später in den Vorstand aufgestiegen. Im Jahr 1999 rückte er als Nachfolger von Unternehmensgründer Lautenschläger, der sich in den Aufsichtsrat zurückzog, an die Vorstandsspitze. In seiner Amtszeit wuchs MLP rasant und schaffte nach einem ebenso schnellen Anstieg des Aktienkurses auch den Sprung in den Deutschen Aktienindex (Dax). Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer mussten die Heidelberger allerdings nach nur zwei Jahren im September wieder verlassen, nachdem die Aktie einen bis dahin einmaligen Kurssturz hingelegt hatte. ?Viele Anleger haben den Kursverfall wohl auch mit dem Namen Termühlen verbunden. Den Rücktritt werten sie jetzt als Zeichen für einen Neuanfang?, kommentierte Analyst Dierk Schaffer von der WGZ-Bank. ?Der Rücktritt Termühlens ist der letzte Punkt bei der Bewältigung der Krise?, sagte ein anderer Branchenkenner.Analysten und ein Anlegermagazin hatten dem Unternehmen 2002 vorgeworfen, seine Bilanzen geschönt zu haben, indem künftige Gewinne durch Buchungstricks und Forderungsverkäufe vorgezogen wurden. Termühlen wies alle Vorwürfe stets zurück. Angesichts des Imageverlustes stagnierte bei MLP erstmals das Neugeschäft, auch weil die Arbeitslosigkeit unter Akademikern stieg. Der neu berufene Finanzvorstand Uwe Schroeder-Wildberg bereinigte die Bilanz um die umstrittenen Positionen, was 2003 zu einem dreistelligen Millionenverlust führte. Für dieses Jahr hat Termühlen 65 Millionen Euro Gewinn vor Steuern avisiert.Am Geschäftsmodell von MLP werde sich nichts ändern, betonte Lautenschläger. ?Ein neuer Vorstandschef wird dem Unternehmen sicher seinen Stempel aufdrücken - im Stil. Am Geschäftsmodell hat sich in 35 Jahren nichts geändert.? Der Finanzdienstleister ist auf Finanzpläne und Versicherungen für Hochschulabsolventen spezialisiert.Termühlen habe seine Rücktrittsabsichten erstmals vor zwei Wochen angedeutet, sagte Lautenschläger. ?Er will erst einmal Abstand gewinnen.? Sein Beweggrund liege wohl in den massiven Manipulationsvorwürfen des vergangenen Jahres. ?Was auf uns niederging, war teilweise unter der Gürtellinie. So etwas bleibt bei niemandem im Anzug stecken.? Termühlen habe sich verbraucht, hieß es im Umfeld des Aufsichtsrats. Der 48-jährige begeisterte Reiter besitze Land in Schleswig-Holstein und in Polen und werde sich zunächst dorthin zurückziehen.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.10.2003