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Mitsubishi-Chef Eckrodt geht in Ruhestand

Nach 38-jähriger Arbeit in der Automobilindustrie hat Rolf Eckrodt seinen Hut genommen, obwohl sein Vertrag bis Ende 2004 lief. Seine Position hat seit längerer Zeit gewackelt.
HB TOKIO. Der 61-Jährige gehe mit sofortiger Wirkung in den Ruhestand, teilte Mitsubishi Motors am Montag in Tokio mit. Der Vertrag von Eckrodt lief noch bis Ende 2004. Bis zur Klärung der Nachfolge werde Finanzvorstand Keiichiro Hashimoto die Führung übernehmen. Eckrodt, der zuvor für die Daimler-Chrysler-Beteiligung Adtranz gearbeitet hatte, war im Januar 2001 als Sanierer zu Mitsubishi entsandt worden und hatte im Juni 2002 die Unternehmensführung übernommen. Mit dem Rücktritt ende Eckrodts 38 Jahre dauernde Karriere in der Automobilindustrie, teilte Mitsubishi mit.?Ich begrüße sehr die schnelle Entscheidung von Mitsubishi Heavy Industries, Mitsubishi Corp und Bank of Tokyo-Mitsubishi, nicht nur finanzielle Unterstützung bereitzustellen, sondern auch aktiv mit Mitsubishi Motors einen neuen mittelfristigen Geschäftsplan zu erarbeiten. Deshalb habe ich mich entschieden, Platz zu machen für das neue Team unter dem künftigen Chairman Yoichiro Okazaki?, zitierte Mitsubishi Eckrodt. Okazaki kommt von Schwerindustrieunternehmen Mitsubishi Heavy.

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Mit dieser persönlichen Entscheidung wolle Eckrodt den Weg freimachen für die Erarbeitung des neuen Businessplans, der am Freitag angekündigt worden sei, sagte eine MMC-Sprecher. Hashimoto werde als "acting interim president" fungieren, bis ein Nachfolger gefunden sei. Eckrodt stehe aber dem Unternehmen weiter beratend bzw als Verbindungsglied zu Daimler-Chrysler zur Verfügung, falls dies gewünscht sei.Am kommenden Freitag beraten die Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung über eine Kapitalerhöhung. Laut Presseberichten sind bis zu 5 Mrd. Euro für die Sanierung des japanischen Automobilherstellers notwendig.Der Rücktritt von Eckrodt war nach den Problemen von MMC seit langem erwartet worden. Der Autombilproduzent musste im abgelaufenen Geschäftsjahr hohe Wertberichtigungen auf notleidende Kredite vornehmen und die Prognosen 3 Mal nach unten korrigieren. Für das am 31. März abgelaufene Geschäftsjahr wird mit einem operativen Verlust von 105 Mrd. Yen gerechnet. Vor kurzem schied bereits der für das Auslandsgeschäft zuständige Steven Torok aus dem Management aus.Am Donnerstag hatte Daimler-Chrysler seinem angeschlagenen japanischen Partner überraschend die finanzielle Unterstützung für dessen Sanierung aufgekündigt, nachdem Vorstandschef Jürgen Schrempp Gespräche über eine milliardenschweren Kapitalspritze und die Entschuldung von Mitsubishi für gescheitert erklärt hatte.Daimler-Chrysler ist zwar mit 37 Prozent größter Aktionär von Mitsubishi Motors. Die finanzielle Unterstützung der japanischen Anteilseigner aus dem Mitsubishi-Konglomerat dürfte den Anteil von Daimler-Chrysler aber verwässern lassen. Finanzchef Manfred Gentz hatte zudem einen Verkauf der Anteile nicht ausgeschlossen.Eckrodts Position hatte bereits vor dem Ausstieg gewackelt. Als sein Nachfolger war Smart-Chef Andreas Renschler gehandelt worden, der einen Sanierungsplan für Mitsubishi ausgearbeitet hatte. Er wäre nach Angaben aus Unternehmenskreisen womöglich zunächst Chief Operating Officer geworden und hätte Eckrodt Anfang 2005 beerbt. Gentz hatte am Freitag aber klargestellt, dass Renschler dafür nicht mehr zur Verfügung stehe.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.04.2004