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Mitarbeiterkommunikation in Krisenzeiten

Peter Funke
Gerade in Krisenzeiten neigen viele junge Unternehmen dazu, aktive Mitarbeiterkommunikation zu vernachlässigen. Plötzlich wird Information zum Insiderwissen, gehandelt nur auf den höheren, eingeweihten Ebenen. Die Gerüchteküche kocht, die Stimmung ist schlecht - manchmal schlechter, als die Lage tatsächlich ist.
Jeder kommuniziert, in jeder Minute. Oder wie es der Psychologe Paul Watzlawick ausdrückt: Man kann nicht nicht kommunizieren. Das bedeutet: Auch wenn Sie nicht mit Ihren Mitarbeitern sprechen, ist das eine Form der Kommunikation. Gerade in Krisenzeiten neigen viele junge Unternehmen dazu, aktive Mitarbeiterkommunikation zu vernachlässigen. Plötzlich wird Information zum Insiderwissen, gehandelt nur auf den höheren, eingeweihten Ebenen. Die Gerüchteküche kocht, die Stimmung ist schlecht - manchmal schlechter, als die Lage tatsächlich ist. Die Motivationskurve geht schnell in den Keller. Die Mitarbeiter erfahren aus der Zeitung oder von Freunden, wie es um das Unternehmen steht, anstatt aus erster Hand - vom Chef.

Unternehmer verstehen oft in Krisenzeiten die Welt nicht mehr. "Es kann doch jeder zu mir kommen und mich fragen, meine Tür steht immer offen", jammern sie. Diese Klage zeigt, dass sich viele Chefs nicht die Zeit nehmen und auf ihre Mitarbeiter zugehen, um ihnen wichtige Dinge mitzuteilen. Mitarbeiter zu informieren bedeutet, auch körperlich präsent zu sein. Gerade in schwierigen Situationen machen sich Unternehmenschefs oft rar, ob bewusst oder unbewusst. Sie neigen dazu, sich nur noch mit einem engeren Zirkel Vertrauter zu umgeben. Information wird zur Holschuld.

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Einfach, aber effektiv: Nehmen Sie sich vor, jede Woche oder jeden Monat persönlich durch eine Abteilung oder ein Stockwerk zu wandern - und zwar nicht auf dem Weg ins Meeting, sondern gezielt, um sich mit den Mitarbeitern dort zu unterhalten. Seien Sie präsent und verschanzen Sie sich nicht hinter Zeitmangel und Arbeitsüberlastung.

Die New Economy hat es in ihrer Boomzeit vorgemacht: Beim gemeinsamen Frühstück am runden Tisch fand hierarchiefreie Kommunikation statt, jeder durfte alles wissen. Wer da noch laut über Instrumente zur Mitarbeiterinformation nachdachte, erntete verständnislose Blicke. Aber wie so oft zeigt sich erst in schweren Zeiten, ob der Kapitän seine Mannschaft wirklich durch stürmische Gewässer lotsen kann.

Mitarbeiterkommunikation ist eine Führungsaufgabe. Delegieren Sie diese Aufgabe nicht an ihre PR- oder Marketingfachleute. Behalten Sie das Heft in der Hand und überlassen Sie Kommunikation nicht dem Flurfunk. Informationen sollten "von oben nach unten" fließen: Sichern Sie durch regelmäßige Treffen, dass internes Wissen nicht nur der oberen Etage vorbehalten bleibt. Denken Sie bewusst darüber nach, was Sie auf welche Weise kommunizieren wollen, und tun Sie es regelmäßig. Wer die Kommunikation definiert, definiert auch die Inhalte.

Ob Sie als Sprachrohr die Mitarbeiterzeitung, das Intranet, das schwarze Brett, Meetings oder E-Mail-Info wählen, spielt keine Rolle. Wichtig ist, ein Sprachrohr zu institutionalisieren. Es muss verlässlich sein. Mitarbeiter wollen Verlässlichkeit - das schafft das gute Bauchgefühl, im richtigen Unternehmen zu sein.

Machen Sie aus Ihrer Mitarbeiterkommunikation keine Einbahnstraße, laden Sie zum Dialog ein - auch unter den verschiedenen Abteilungen. So vermeiden Sie eine reine "Konsumhaltung". Verpflichten Sie Ihre Mitarbeiter, regelmäßig ihre laufenden Projekte vorzustellen. In ihrer Vogelperspektive über- sehen Chefs, dass zum Beispiel die Entwicklungsabteilung nicht weiß, woran die Marketingleute gerade arbeiten.

Reden Sie über Erfolge, aber auch über Rückschläge. Gerade vor Letzterem schrecken viele zurück. Klar, was Sie Ihren Mitarbeitern erzählen, geht nach "draußen". Interne und externe Informationen auseinander zu halten, ist kaum möglich. Aber denken Sie daran: Vertuschen nützt ohnehin nichts. Gerade Gerüchte oder schlechte Nachrichten greifen Presse und Wettbewerber schnell auf. Deshalb gehen Sie lieber gleich in die Offensive.

Krisen meistern Sie nur mit engagierten Mitarbeitern, denen Sie vermitteln, dass sie ein wichtiger Teil des Unternehmens und keine Rädchen im Getriebe sind. Mit einer offenen, strukturierten und vor allem regelmäßigen Kommunikation schaffen Sie dafür eine gute Basis.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.07.2001