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Mit Vollgas gegen H & M

Von Georg Weishaupt
Vor acht Jahren brachte er die erste Komplettkollektion seiner Marke ?Madonna? heraus, die er einem Freund billig abkaufte und die mit dem US-Popstar nichts zu tun hat. Heute beliefert er mit seiner bunten, frechen Mode über 600 Einzelhändler in Deutschland, darunter auch Peek & Cloppenburg, und andere in Europa. Er betreibt bundesweit 35 eigene Läden. Mit 300 Mitarbeitern machte er nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 70 Millionen Euro Umsatz. In diesem Jahr peilt er 80 bis 85 Millionen Euro an.
HB DÜSSELDORF. Aber manchmal lässt er es etwas ruhiger angehen. Dann nimmt Jürgen Hoch die Harley Davidson. ?Das hängt von meiner Stimmung ab?, erzählt er begeistert, als er seinen Besucher nach oben führt zu seinen wahren Schätzen: 40 Motorrädern aus den siebziger und achtziger Jahren, poliert und mit Nummernschild. ?Die gucke ich mir jeden Tag mindestens fünfmal an und setze mich auch mal drauf.?Hoch ist weder Rennsportprofi noch Playboy mit teurem Hobby. Der Motorradfan hat KFZ-Schlosser gelernt, ist dann in der Modebranche gelandet und in dem schwierigen Markt erfolgreich ? bislang.

Die besten Jobs von allen

Vor acht Jahren brachte er die erste Komplettkollektion seiner Marke ?Madonna? heraus, die er einem Freund billig abkaufte und die mit dem US-Popstar nichts zu tun hat. Heute beliefert er mit seiner bunten, frechen Mode über 600 Einzelhändler in Deutschland, darunter auch Peek & Cloppenburg, und andere in Europa. Er betreibt bundesweit 35 eigene Läden. Mit 300 Mitarbeitern machte er nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 70 Millionen Euro Umsatz. In diesem Jahr peilt er 80 bis 85 Millionen Euro an.?Wir bieten Mode für Frauen von 16 bis Anfang 30 zu niedrigen Preisen?, lobt Hoch sein Konzept. Oft liege Madonna fünf bis zehn Euro unter den Preisen vergleichbarer Billiganbieter, tönt er.Damit sich das rechnet, braucht er ?wahnsinnig viele Kunden?, wie es der schlanke, 48-jährige Düsseldorfer auf seine lockere Art formuliert. Er würde so, leicht gebräunt, in weißem Poloshirt und modisch ramponierter Jeans, gut in ein Strandcafé auf Ibiza passen. Doch er sitzt im Büro, umgeben von dunklen Dreißiger-Jahre-Möbeln (?von meinem Großvater?), Grafiken des Schauspielers Armin Mueller-Stahl und einer Vitrine mit Motorrad-Modellen. Und so unkompliziert und impulsiv er auch ist, er ist ein Mann nüchterner Zahlen. Den Taschenrechner hat er stets zur Hand, um die Lagerumschlagsgeschwindigkeit zu kontrollieren.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Alles muss schnell gehenAlles muss schnell gehen, muss knapp kalkuliert werden, um sich im modischen Billigsegment gegenüber den vielen, zum Teil deutlich größeren Konkurrenten wie ?New Yorker?, C & A und H & M durchzusetzen. Nur fünf Personen für Einkauf und Design bringen 14 Kollektionen jährlich auf den Markt. ?Vom Entwurf bis zur Auslieferung brauchen wir nur sechs Wochen?, sagt Hoch, der viel in der Türkei produziert, wo er nach eigenen Angaben an Fabriken beteiligt ist.So schnell wie er redet, so schnell kommt er auf neue Ideen. Meist entstehen sie aus laufenden Projekten heraus, wie die neue Schmuckmarke Madonna und die Sportmarke Vanderklok. Er stellte fest, dass er und seine Mitarbeiter nicht fit genug sind. Also richtete er im Keller ein Sportstudio ein, holte einen Trainer, der Ernährungs- und Sportprogramme aufstellte. Ein Jahr nach dem Start ist der Chef mit dem Ergebnis zufrieden. Jetzt soll Herr Van der Klok das Training an andere Fitness-Studios verkaufen. Außerdem soll es Sportkleidung unter seinem Namen geben.Ob das funktioniert, ist allerdings völlig offen. Aber das bereitet Hoch offensichtlich keine Sorgen. Dafür ist er Unternehmer durch und durch, der immer wieder Neues ausprobiert, mit wenig Kapitaleinsatz. Der Mann, der nach Angaben einer langjährigen Mitarbeiterin ?mitreißen kann, aber auch schnell zumacht, wenn ihm etwas nicht passt?, rutscht als Student ins Modegeschäft und verkauft Jeans aus dem Taxi heraus.Als das gut läuft, schmeißt er sein Studium der KFZ-Technik und eröffnet Anfang der achtziger Jahre mit 7000 Mark, die er sich von seinen Eltern leiht, eine kleine Boutique in Düsseldorf. Der zweite und dritte Laden folgen. Dann nimmt er zwei Partner auf. Ein Fehler. ?Ich war gewohnt, Entscheidungen zu fällen, ohne jemanden zu fragen.? Er steigt aus und macht fortan alles allein.Lesen Sie weiter auf Seite 3: ?Auch jede Menge Geld versenkt?Zwei Jahre später lernt er jemanden kennen, dessen Schwester eine Blusenfabrik in Pakistan betreibt. Er kommt mit ihr ins Geschäft und verkauft Damenoberbekleidung. Er arbeitet viel ? ?zum Abschalten fuhr ich in die Waschstraße?? und handelt schnell. Kollege Lothar Spangenberg erinnert sich. ?Ich habe gerade 70 000 Blusen mit Pünktchen gekauft?, rief Hoch mal aus Bangladesch an. Spangenberg antwortete nur: ?Bist du wahnsinnig.? Nach zwei Wochen war alles verkauft.Solche Geschichten gibt es viele aus dem Leben des Madonna-Chefs. Nicht immer gingen sie so glimpflich aus. ?Ich habe auch jede Menge Geld versenkt?, gibt er zu.In der Branche wird die Leistung Hochs zwar anerkannt. Allerdings merkt ein Konkurrent kritisch an, der nicht genannt werden möchte, dass man ?viel Cash braucht, um immer mehr eigene Läden zu betreiben?. Daran mangelt es Hoch ? nach eigener Auskunft ? nicht. Er sieht aber das Risiko, zumal er sich mal geschworen hatte: ?Lieber hacke ich mir eine Hand ab, als noch mal einen Laden zu eröffnen.?Branchenexperten weisen auf die kurze Lebenszeit von Billigmarken hin. ?Die größte Schwierigkeit ist es, mit der Kollektion immer dranzubleiben?, weiß auch Hoch.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Vita von Jürgen Hoch Vita von Jürgen Hoch1956 wird er am 28. Oktober in Düsseldorf geboren. Nach dem Abitur macht er eine Lehre als KFZ-Schlosser und beginnt an der Fachhochschule Köln mit dem Studium der KFZ-Technik, das er später abbricht.1980 eröffnet er den ersten eigenen Modeladen in Düsseldorf. Zwei weitere folgen.1988 gründet er die Topaz-Textilhandelsgesellschaft mbH, Düsseldorf, für Damen- und anfangs auch für Herrentextilien. Später erwirbt er die Marke Madonna für junge Frauenmode.1997 stellt er Madonna auf eine monatlich wechselnde Komplettkollektion um.1999 eröffnet er die ersten eigenen Boutiquen. Heute sind es 36 bundesweit.2003 bringt er eigene Accessoires heraus.2005 eröffnet er das erste Madonna-Schmuckgeschäft.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.09.2005