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Hans-Martin Barthold
Elektroingenieure brauchen sich um einen Job nicht zu sorgen. Das schwache letzte Jahr war nur eine Verschnaufpause. Arbeitgeber ist längst nicht mehr nur die Elektroindustrie. Starke Nachfrage kommt etwa aus spannenden Branchen wie der Kommunikationswirtschaft.
Elektroingenieure brauchen sich um einen Job nicht zu sorgen. Das schwache letzte Jahr war nur eine Verschnaufpause. Arbeitgeber ist längst nicht mehr nur die Elektroindustrie. Starke Nachfrage kommt etwa aus spannenden Branchen wie der Kommunikationswirtschaft.

Im Grundstudium der Elektrotechnik entfallen zwei Drittel der Veranstaltungen auf Mathematik, Physik und Informatik. Der Rest der Vorlesungen – Grundlagen der Elektro-, Mess- und Energietechnik sowie Elektronik – lässt den angestrebten Job erahnen.

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Bis zum Vordiplom lichten sich die Reihen in den Hörsälen um mehr als die Hälfte. An den stärker praxisorientierten Fachhochschulen liegt die Abbrecherquote über 30 Prozent. ?Die Professoren setzen viel mehr Kenntnisse voraus, als wir im Leistungskurs bis zum Abi geschafft haben“, sagt Barbara Schmitz, Studentin an der Uni Stuttgart.

Deshalb lohnt sich das so genannte nullte Semester: Die meisten Fachschaften bieten vor Studienbeginn Vorbereitungskurse in Mathe und Physik an. Auch hilfreich, um Kontakte für Arbeitsgruppen zu knüpfen. ?Als Einzelkämpfer ist man in einem so harten Studium wie der Elektrotechnik verloren“, sagt Martin Wolff, der an der Uni Dortmund im siebten Semester studiert.

Im Hauptstudium winken mit den Studienschwerpunkten endlich die anwendungsorientierten Fächer. An der Technischen Universität Ilmenau beispielsweise gibt es den Schwerpunkt Automatisierung elektronischer Systeme. Fragen, um die es dort geht: Wo wird die Fuzzy Logic in der Automatisierung und Robotik angewandt? Was ist ein Lastfluss in Strahlen-, Ring- oder Maschennetzen?

Das Studium verlagert sich vom Hörsaal in die Labore: Versuche werden durchgeführt, Messreihen ausgewertet. An vielen Hochschulen ist ein nichttechnisches Wahlfach Pflicht, meist BWL, Philosophie, Geschichte oder Soziologie.

Die Mehrzahl der Studenten setzt auf die Vertiefungsrichtungen Nachrichten- und Informationstechnik, die Wachstumsbranchen der letzten Jahre. Die Wirtschaftsverbände beobachten das mit Sorge. ?Die Verteilung der Studenten an unseren Hochschulen entspricht nicht der Bedeutung der Elektrischen Energietechnik, Automatisierungs- und Verkehrstechnik“, sagt Manfred Seidel, Ausbildungsexperte des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE).

Auch wenn der VDE und der Verband Deutscher Ingenieure (VDI) ihren Widerstand gegen die gestuften, internationalen Bachelor- und Masterstudiengänge aufgegeben haben, empfehlen sie Studienanfängern, die neuen Angebote genau unter die Lupe zu nehmen. Bachelor-Studiengänge sollten ausreichend Praktika aufweisen und auf vier Jahre angelegt sein, damit sie einem Fachhochschulabschluss entsprechen. Der Master sei dem Universitätsdiplom gleichwertig.

Weitere Neuerung an den Hochschulen: Viele Fachbereiche haben sich in Elektrotechnik und Informationstechnik umbenannt – Computersteuerung, Leistungselektronik und Mikrotechniken spielen in der Elektroindustrie eine bedeutende Rolle. ?Zudem lösen sich die Grenzen zwischen Informationstechnik und Informatik auf“, erklärt Seidel vom VDE. Von Absolventen der E-Technik würden solide Programmierkenntnisse verlangt. ?Trotzdem wird der Elektroingenieur sein Berufsprofil gegenüber Informatikern behaupten.“ Schließlich sei er dafür zuständig, komplette Systeme zu konzipieren; der Informatiker dagegen entwickle meist für einzelne Komponenten die Software. So muss ein Elektroingenieur in der Düsseldorfer Degussa-Anlagentechnik alle elektro- und prozessleittechnischen Einrichtungen zusammenführen: Hoch- und Niederspannungsanlagen, Motor- und Leistungselektronik, Licht- und Kraftinstallationen.

Für frisch diplomierte Elektroingenieure bleiben die Aussichten sonnig. Der VDE beziffert den jährlichen Bedarf auf über 13.000 Absolventen.

Weitere Informationen im Internet unter:
www.iaeste.de
www.vde.de
www.vdi.de
Dieser Artikel ist erschienen am 22.02.2002