Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Missverständnisse

Sprache ist als Mittel der Verständigung nur sehr bedingt geeignet. Denn Verständigung läuft auf so vielen Ebenen gleichzeitig ab, dass die Worte an sich neben der Körpersprache, dem Tonfall und der Gesprächsatmosphäre kaum noch etwas zu sagen haben.
"Am Anfang war das Wort. Gleich danach kam das Missverständnis." (Reinhard K. Sprenger: Das Prinzip Selbstverantwortung, S. 120) Merkwürdig, aber wahr: Sprache ist als Mittel der Verständigung nur sehr bedingt geeignet. Denn Verständigung läuft auf so vielen Ebenen gleichzeitig ab, dass die Worte an sich neben der Körpersprache, dem Tonfall und der Gesprächsatmosphäre kaum noch etwas zu sagen haben. Ganz zu schweigen davon, dass der Zuhörer sich sowieso seinen eigenen Reim auf das Gehörte macht. Wenn er überhaupt zuhört.Missverständnisse gehören also zum Gespräch wie Rechnungen zum Telefon: lästig, aber nicht zu vermeiden. Wer sich von vornherein mit diesem Gedanken abfindet - und ihn vor allem nie aus dem Gedächtnis verliert - der tut sich im täglichen Umgang mit seinen Mitmenschen eine ganze Ecke leichter. Und zwar sowohl im Privatleben als auch im Beruf. Es ist nämlich für alle Beteiligten Nerven schonender, unangenehme Zwischenfälle aller Art von der verkehrten Besorgung ("Es sollte doch roher Schinken sein und kein gekochter!") über vergessene Termine und falsch ausgeführte Arbeitsaufträge bis hin zu vermeintlichen Kränkungen ("Wie kommt der dazu, solche Gerüchte über mich zu verbreiten?") erst mal als schlichtes Missverständnis anzusehen, anstatt hinter ihnen gleich eine böse Absicht zu wittern.

Die besten Jobs von allen

Missverständnisse von vornherein vermeiden. Wer sich einmal im Klaren darüber ist, wie schnell es zu Missverständnissen kommen kann, der hat durchaus ein paar Möglichkeiten, ihnen möglichst aus dem Weg zu gehen:
  • Wenn Sie etwas sagen, können Sie das, was Sie gesagt haben, noch mal in anderen Worten wiederholen. Nur für den Fall, dass Ihr Gesprächspartner gerade nicht genau zugehört oder aus der ersten Formulierung etwas anderes herausgehört hat als das, was Sie meinten. Und wenn Sie sich besondere Mühe geben wollen, können Sie darauf achten, dass Ihr Tonfall und Ihre Körpersprache auch zu dem passen, was Sie sagen. Meinungsäußerungen wie "Ihr Vortrag war sehr interessant" können nämlich sonst je nachdem, wie Sie sie verpacken, beim Zuhörer als Lob ankommen - oder als Kritik.


  • Wenn Sie etwas gesagt bekommen, sind Wiederholungen eine genauso gute Idee. Und auch Rückfragen sind von unschätzbarem Wert: "Sie meinen also, dass...?" oder "Habe ich richtig verstanden, dass...?" ersparen Ihnen unter Umständen gerade im Berufsleben eine Menge Arbeit in die falsche Richtung. Und wenn es um Andeutungen und Kritik geht, ersparen sie Ihnen vielleicht viel überflüssige Verunsicherung. Lieber einmal nachfragen, als sich tagelang Gedanken um eine Bemerkung machen, die vielleicht ganz anders gemeint war.


  • Missverständnisse klären. Daran führt eigentlich kein Weg vorbei. Für ein Missverständnis sind nämlich letztlich immer beide verantwortlich - der, der sich missverständlich ausgedrückt hat, und der, der missverstanden hat. Beide sollten also in einem möglichst friedlichen Gespräch ein paar Nachforschungen darüber anstellen, was eigentlich genau passiert ist. Das ist zwar vielleicht nicht ganz einfach, aber immer noch besser als das Spielchen "beleidigte Leberwurst und unschuldiges Opfer".
    Dieser Artikel ist erschienen am 17.05.2004