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Mission Possible

Von Oliver Stock
Kaum neigt sich die Amtszeit von UBS-Chef Marcel Ospel dem Ende zu, da meldet sich sein Vorgänger Luqman Arnold zu Wort: In einem Brief an Ospels Stellvertreter Sergio Marchionne erklärt er, was er von der neuen UBS-Strategie hält. Wie sich der vor Jahren geschasste UBS-Chef Luqman Arnold wieder Einfluss auf die Schweizer Großbank verschafft.
Gut sechs Jahre nach seinem Rauswurf mischt Luqman Arnold wieder mit bei der UBS. Foto: Archiv
ZÜRICH. In jedem zweitklassigen Krimi wäre das die Stunde der Abrechnung: Im Hinterzimmer des Café Metropol in Zürich, 300 Meter Luftlinie von der UBS-Zentrale entfernt, stochert Luqman Arnold in seinem Essen herum. Den Fisch lässt der Mann im blütenweißen Hemd, Haarkranz, goldener Brille und lebhaft braunen Augen stehen. Vor sechs Jahren, drei Monaten und 20 Tagen hat UBS-Präsident Marcel Ospel Arnold nach nur acht Monaten als Konzernchef der UBS ?rausgeschmissen. Angeblich hatte dieser versucht, einen Aufstand gegen Ospel wegen dessen Engagement bei der bankrotten Swissair zu organisieren. Nun ist Ospels eigene Karriere nach Wertminderungen von rund 40 Mrd. Franken, die die Bank in den vergangenen Monaten verbuchen musste, am Ende. Er regiert nur noch bis zum nächsten Aktionärstreffen in zwei Wochen.Und da taucht Arnold Ende vergangener Woche wie der Graf von Monte Christo nicht nur am Horizont, sondern bedrohlich nah im Café Metropol auf. Er hat einen Brief an Ospels Stellvertreter Sergio Marchionne geschrieben, in dem er erklärt, was er von der UBS-Strategie hält: nämlich nichts.

Die besten Jobs von allen

Ist für Arnold die Stunde der Abrechnung gekommen? "Ich habe null persönliches Interesse in diesem Fall. Mein Leben ist weitergegangen", sagt Arnold, lächelt, nippt am Weißwein. Er war nach seinem Abgang bei der UBS zum britischen Finanzdienstleister Abbey National gewechselt, hat den zu einem guten Preis nach Spanien verkauft. Er gründete den Finanzinvestor Olivant, der immer dort auftaucht, wo die Luft heißer wird. Die fast zusammengebrochene Northern-Rock-Gruppe zum Beispiel stand auf der Kaufliste von Olivant. Seit das Projekt fehlgeschlagen ist, konzentriert sich Olivant auf die UBS. Eine Beteiligung von 0,7 Prozent hat Arnold aufgebaut. Viel ist das nicht. Aber wenn es ihm gelingt, sich als der richtige Mann in der richtigen Stunde darzustellen, könnte er einen Sturm entfachen, der das alte UBS-Management hinwegfegt und die Strategie der Bank durcheinander wirbelt.Dafür muss Arnold alles geben, sich jedoch bei einem zurück halten: Die Rolle des Racheengels würde seine Chancen mindern. "Ich habe nichts gegen Peter", sagt er deswegen und meint damit Ospels designierten Nachfolger Peter Kurer, Mitglied des Verwaltungsrats und Justitiar der UBS. "Nur hat er keinerlei Bankenerfahrung und hat noch nie ein Unternehmen geführt." Will er selbst den Job? "Definitiv nicht", versichert er. Aber ihm fielen eine Hand voll Kandidaten ein, denen er die Aufgabe zutraute. Für einige Wochen könne Verwaltungsratsmitglied Marchionne, im Hauptberuf amtierender Fiat-Chef, den Präsidenten geben. "Wenn Du Dich in der Szene auskennst und Krisen magst, ist das der beste Job, den Du Dir vorstellen kannst", sagt Arnold. Und es klingt gerade so viel nach Abenteuer, dass es noch nicht unseriös wirkt. In Anlehnung an einen Filmtitel spricht der Ex-UBS-Chef von einer Mission, die möglich ist, von einer "mission possible".Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Mission.Wie diese Mission aussehen könnte, skizziert der frühere Chef und heutige Aktionär der UBS im Brief an Marchionne. Das Modell einer integrierten Bank habe versagt. Es funktioniere, wenn überhaupt, nur mit hervorragenden Köpfen an der Spitze. Davon gebe es nicht genug. Arnold will deswegen, dass die Bank aufgespalten wird. Die Vermögensverwaltung soll als Kern der UBS erhalten bleiben und von einer Holding aus der Schweiz heraus gesteuert werden. Unter dem Dach der Holding wäre auch Platz für eine Investmentbank, deren Management er aber eher in London oder New York, wo in der Sparte die Musik spielt, platzieren würde. Weil sich auch die nächste Kapitalerhöhung von 15 Mrd. Franken als ungenügend erweisen könnte, schlägt Arnold den Verkauf des Bereichs institutionelle Vermögensverwaltung vor. Auch in Brasilien und Australien, wo sich die UBS mitunter mehr Ärger als Erfolg einhandelt, sollen die Tochterfirmen losgeschlagen werden. Das Ganze, sagt Arnold, müsse schnell gehen. "Ein Jahr im Leben dieser Firma ist eine Ewigkeit. Das Schiff" fügt er hinzu, "segelt in schwerem Sturm."Noch während Arnold im Café sitzt und seine Sicht der Dinge erläutert, steigt an der Börse der Kurs der UBS-Aktien. Analysten jubeln: Arnold habe einige großartige Ideen, sagt Peter Thorne vom Analystenhaus Helvea. Nur 300 Meter entfernt in der UBS-Zentrale übt man sich in Zurückhaltung. Die Vorschläge würden geprüft, eine Antwort in "zwei, drei Wochen" vorbereitet, sagt eine Sprecherin.
RettungsaktionWährend die EU-Finanzminister über schärfere Regeln zur Bankenaufsicht diskutieren, ist auch in der Schweiz eine Rettungsaktion angelaufen. Öffentlich geführt wird die Debatte um neue Regeln für das Eigenkapital der Banken, die deutlich über die Forderungen der Basel-II-Statuten hinaus gehen. Auch am Austausch der Aufsichtsbehörden Europas nimmt die Schweizer Bankenkommission teil, meint aber, dass der Austausch bereits gut funktioniert. Eher im Verborgenen agiert die Schweizerische Nationalbank. Sie hat die Grenze des Betrags, den sie an Banken zur Überbrückung kurzfristiger Engpässe ausleiht, deutlich angehoben. Laut ihrem Geschäftsbericht ist dieser Betrag 2007 von 12,1 auf 33,7 Mrd. Franken gestiegen.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.04.2008