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Middelhoff im Klassenzimmer

Dr. Thomas Middelhoff, Vorstandsvorsitzender der KarstadtQuelle AG, drückte noch einmal die Schulbank und gab dem Nachwuchs Tipps für den Berufseinstieg.
Er hat bereits geschafft, wovon viele Schul- und Hochschulabsolventen noch träumen: Dr. Thomas Middelhoff, Vorstandsvorsitzender der KarstadtQuelle AG, zählt zu den erfolgreichsten Managern dieses Landes. Heute hat er den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 des Sächsischen Landesgymnasiums St. Afra in Meißen verraten, was nicht im Lehrbuch steht. Denn im Rahmen der Aktion "Chef zu gewinnen", einer Initiative des jungen Job- und Wirtschafts-magazins karriere, hatten sie sich um einen Tag mit einem der teilnehmenden Unternehmenslenker beworben und gewonnen.

"Die Schüler von heute sind das Kapital von morgen. Mit der Aktion "Chef zu gewinnen" wollen wir eine Brücke zwischen erfahrenen Unternehmenslenkern und den Führungskräften von morgen schlagen", so der geschäftsführende Redakteur von karriere Sven Scheffler.

Die besten Jobs von allen


Worauf kommt es später im Berufsleben an? Wie bringen die "Big Bosse" Familie und Berufsleben unter einen Hut? Diese und viele weitere Fragen, die kurz vor dem Einstieg ins Berufsleben auf der Seele brennen, beantwortete Middelhoff im Gespräch mit den Schülern. Aber auch wirtschaftliche sowie aktuelle Themen interessierten die Schüler: "Angelehnt an die kontinuierlich steigende Bedeutung des Fachbereichs Wirtschaftethik in den wirtschaftlichen Studiengängen, wünschen wir uns in einem Teil des Gesprächs die Erörterung der Firmenwerte. Gerade im Hinblick auf die Globalisierung ist dies ein Thema von höchster Aktualität", so die Schüler in ihrem Bewerbungsschreiben.

Die KarstadtQuelle AG mit Sitz in Essen ist Europas führender Handels- und Touristikkonzern. Zu den Konzerngeschäftsfeldern zählen der Stationäre Einzelhandel, der Versandhandel und die Touristik. KarstadtQuelle ist in den deutschen Großstädten mit Karstadt das führende Warenhausunternehmen. Diese werden jetzt zu Themenhäusern umgestaltet. Das Geschäftsfeld Versandhandel deckt der Konzern in Europa mit seiner Kernmarke Quelle und den Spezialversendern ab. Im Bereich Touristik hat sich die 100-prozentige Konzerntochter Thomas Cook mit der Übernahme des britischen Reiseveranstalters MyTravel zu einem der weltweit führenden Tourismuskonzerne entwickelt.

Dem Schulbesuch von Dr. Thomas Middelhoff folgt auch ein Gegenbesuch der Schüler in der Konzernzentrale der KarstadtQuelle AG in Essen.

?Das Leben ist ein Langstreckenlauf?

Thomas Middelhoff, Vorstandsvorsitzender von KarstadtQuelle, stellte sich bei der karriere-Aktion ?Chef zu gewinnen? den Fragen der Schüler des St.-Afra-Gymnasiums in Meißen.

Hannah Uckat: ?Sie haben selber an einer staatlichen Universität studiert, würden Sie heute eher an eine private Hochschule gehen??

Ich halte es für gut, dass wir heute private Unis haben. Aber die staatlichen Universitäten sind unheimlich wichtig. Ich denke, wir brauchen den Dualismus. Absolventen privater Universitäten bringen oft persönliche Defizite mit, die müssen zunächst geerdet werden. Mein ältester Sohn Jan hat sein Grundstudium an der Universität Münster, gemacht, um dann an der EAP European School of Management in Paris, London und anschließend in Berlin zu studieren. In meinen Augen eine perfekte Kombination von privater und staatlicher Ausbildung.

Ronny Wittig: ?Halten Sie ein BWL-Studium noch für zeitgemäß??

BWL ist nicht die notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Konzernkarriere. Mathematiker oder Physiker kommen relativ oft über den Umweg Unternehmensberatung bei uns an. Man muss seine Talente selber prüfen und sich ehrlich fragen: Mit welcher Rolle bin ich später zufrieden? Man darf nie vergessen: Das Leben ist ein Langstreckenlauf.

Viola Lutz: ?Haben Sie Kriterien oder Indikatoren für Ihre Entscheidungsfindung??

Einmal ist es Ratio und Analyse. Aber vertrauen Sie auch auf Ihr Gefühl. Mir hatte 2005 beispielsweise jeder davon abgeraten, KarstadtQuelle zu übernehmen. Aber es ging da um die Existenz von 120.000 Arbeitsplätzen. In solchen Entscheidungen sind Sie einsam.

Ulrike Mölle: ?Haben Sie jemals Entscheidungen bereut??

Da gibt es so ungefähr 1.000. Es gibt viele Entscheidungen, wo Sie Mist gebaut haben. Jeder macht in seinem Leben Fehler, aber man sollte jeden Fehler nur einmal machen. Leider sind vor allem Personalfragen oft mit Fehlentscheidungen verbunden.

Clemens Poser: ?Wie sieht Ihr Tagesablauf aus??

Sie werden nur dann sehr erfolgreich sein, wenn Sie Ihr Leben sehr diszipliniert führen. Zum Glück benötige ich nur vier bis fünf Stunden Schlaf. Ich stehe sehr früh auf und beginne um sechs Uhr mit 100 Sit-ups, 30 Liegestützen und gehe oft laufen. Spätestens halb neun bin ich im Büro und arbeite dann durch. Wenn ich abends kein Geschäftsessen habe, arbeite ich zu Hause bis Mitternacht Akten durch oder führe Conference Calls mit Partnern, etwa in den USA. Seitdem ich einen Blackberry habe, bin ich stets erreichbar ? in Sachen E-Mail habe ich das Verhalten eines Drogenabhängigen.

Viola Lutz: ?Wo sehen Sie selber Ihre beruflichen Perspektiven? Können Sie sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen??

Ganz aktuell hat die Restrukturierung von KarstadtQuelle Priorität. Natürlich, ich kann mir das sofort vorstellen. Mensch, wäre das toll, wenn ich jetzt mein eigenes Unternehmen machen würde und meine Kinder würden das später übernehmen. In meinem Ideal-Szenario gehe ich Ende 2008 mit meiner Familie zurück nach London. Und ich kann mir auch vorstellen, soziale Verantwortung zu übernehmen. Wenn man sehr viel Glück gehabt hat, dann muss man das irgendwann auch zurückgeben. Jürgen Todenhöfer beeindruckt mich zutiefst. Neben seiner Aufgabe bei Burda setzt er sich für benachteiligte Jungen und Mädchen im Irak ein.

Aufgezeichnet von Sven Scheffler.

>> Ein Unternehmensportrait der KarstadtQuelle AG findet ihr hier.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2007