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Michael Traub

Was verstehen Sie unter ?Karriere??

Karriere wird oft gleichgesetzt mit dem Erreichen einer glänzenden Laufbahn im Unternehmen, dem Prinzip folgend ?schneller, höher, weiter". Ich habe für mich selbst das Erreichen bestimmter Ziele in meiner beruflichen Laufbahn immer als persönliche Herausforderung betrachtet. In jeder Phase mit unterschiedlichem Flair: Während am Anfang meiner Laufbahn die Neugier auf das Neue und Unbekannte eine wesentliche Rolle gespielt hat, stehen heute nach vielen Jahren im internationalen Hausgerätegeschäft fachliche Aspekte im Vordergrund, wie z.B. Verbesserung meiner Führungsfähigkeiten und die "Execution" von Zielen in großen Unternehmensbereichen und Regionen. Meine Karriere verlief untypisch und gerade deswegen so spannend: mit 25 Jahren nach Asien, um dort u.a. neue Gesellschaften in Vietnam und auf den Philippinen aufzubauen; mit 30 Managing Director "Asia-Pacific". Erst mit 32 Jahren habe ich das erste Mal in verschiedenen Funktionen in Deutschland gearbeitet, mit 35 "Geschäftsführer Lateinamerika" und Umzug nach Brasilien. Jeder dieser Schritte war persönlich für mich und meine Familie eine große Herausforderung - ich bereue keinen der Schritte und konnte immer wieder erkennen, dass sich persönliches Engagement im Unternehmen auszahlt.

Haben Sie Ihre Karriere geplant?

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Meine Karriere war, wie oben beschrieben, ein eher untypischer Weg. Ich wurde vom Unternehmen belohnt, weil ich immer viel Freude hatte, schwierige Aufgaben in Ländern außerhalb Europas wahrzunehmen. Dies erfordert ein besonderes Gespür für die kulturellen Unterschiede in den verschiedenen Regionen in denen ich bisher gearbeitet habe. Die Ergebnisse in den verschiedenen Phasen meiner Laufbahn haben mich für weiterführende Aufgaben empfohlen. Durch meine Mitgliedschaft im "General Management Pool" der BSH, stehen mir kompetente Mentoren und Kollegen der Personalabteilung zur Seite, die mich gezielt bei der Planung meiner Karriere unterstützen. Ein Teil der Vorbereitung auf die Position des GF in Lateinamerika war ein 4-wöchiges Training an der Columbia University in New York.

Ein thailändischer Geschäftspartner hat mir einen Tipp zum Thema Karriereplanung gegeben: ?Michael, when you are in a hurry, walk slowly!" Ich interpretiere dies als Aufforderung, nichts erzwingen zu wollen, sondern konsequent seinen Weg zu gehen - mit dem Selbstbewusstsein, dass sich das gewünschte Ergebnis einstellen wird.

Was verstehen Sie unter guter Führung?

Wer führt, trägt Verantwortung. Das Bewusstsein, dass operative und strategische Entscheidungen, die man als Führungskraft trifft, Auswirkungen auf Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Aktionäre haben, muss im Kopf der Führungskraft verankert sein.

In Feedbacks erfahre ich oft, dass Mitarbeiter in den verschiedensten Kulturkreisen vor allem einen Aspekt guter Führung schätzen: die Konsequenz in der Umsetzung und die Kontinuität, getroffene Entscheidungen auch bei Gegenwind zu verteidigen. Dies hat mir als Führungskraft immer wieder gezeigt, dass nicht ?Weichspüler" von Mitarbeitern geschätzt werden, sondern Führungskräfte, die in der Lage sind, Ihre Ideen klar und mit Kompetenz zu präsentieren, und danach das Team begeistern können, diese Ideen in die Tat umzusetzen.

Als Führungskraft habe ich die einmalige Chance, meine Persönlichkeit durch den Prozess der Führung weiterentwickeln zu können. Es stellt für mich eine Herausforderung dar, sich durch ständiges Reflektieren immer wieder an neue Situationen anzupassen im Sinne von ?do, learn, adjust".

Was war Ihr größter Erfolg?

Der Turnaround 2006 in Brasilien in 2006 mit Umsatzoffensiven und aggressiven Kostenprogrammen war für mich bis heute der entscheidendste berufliche Erfolg, der persönlich mit hohem Risiko und Umsetzungsdruck verbunden war. Wir waren 2005 in einer Situation, mit nicht mehr wettbewerbsfähigen Produkten in einem aggressiven Umfeld mit Margendruck unsere Marktposition zu verlieren. Im Team haben wir es geschafft, erfolgreiche Produkte zu launchen und entsprechende Anpassungen in unseren Strukturen vorzunehmen, die unsere Zentrale dazu veranlasst hat, weitere zukunftssichernde Investitionen nach Lateinamerika zu lenken.

Ihr größter Misserfolg?

Persönlich empfand ich es als Misserfolg, während der Asienkrise 1998 kurzfristig keine Antworten für unsere Distributionskunden in Korea und Thailand zu finden, um unser Geschäft in diesen Ländern aufrechtzuerhalten. Trotz aller Anstrengungen gepaart mit Empathie für die Kunden haben damals alle Mitarbeiter ihren Job verloren. Mühsam mussten wir uns danach in den Jahren 1999 bis 2001 wieder neue Kunden in diesen Märkten aufbauen. Warum ist dies der größte Misserfolg? Es war das erste Mal, dass ich nach Jahren der Euphorie und des Aufbaus mit Anpassung und Abbau von Strukturen konfrontiert wurde. Bis heute sind die Szenen aus diesem Jahr mir ständig vor Augen und zeigen mir, welche Auswirkungen das ökonomische Umfeld und darin getätigte richtige und falsche Entscheidungen auf Geschäftspartner haben können.

Was ist Ihnen über die Arbeit hinaus noch wichtig?

Im Dezember 2003 habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt: Ich habe mich über Monate auf den Singapore-Marathon vorbereitet und als finisher beendet! Ansonsten betreibe ich Sport als Ausgleich zu oft langen Arbeitstagen, habe auf meinen Geschäftsreisen immer Laufschuhe dabei und freue mich am Wochenende auf ein Tennismatch mit Freunden.

Meine Familie hat einen entscheidenden Anteil an meinem beruflichen Erfolg: gemeinsam mit meiner Frau habe ich in Brasilien das Projekt ?Inclusão social" ins Leben gerufen, das notwendige Operationen und medizinische Eingriffe bei behinderten Kindern unserer Mitarbeiter durch Spenden in der gesamten Gruppe unterstützt. Wir konnten hiermit einen ganz kleinen Teil zur Verbesserung der Lebensqualität dieser Mitarbeiter beitragen.

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Dieser Artikel ist erschienen am 21.11.2007