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Michael Hilti: Nicht mit dem Kopf durch die Wand

Von Oliver Stock
Michael Hiltis Name ist auf jeder Baustelle bekannt, nicht zuletzt als Bezeichnung für den roten Koffer, der dort niemals fehlt. Hilti gilt als klassischer Patriarch ? und will nach seinem 60. Geburtstag dennoch kürzer treten.
ZÜRICH. Der Mann, der heute 60 Jahre alt wird, geht als klassischer Patriarch durch: akkurat gestutzter Schnurrbart, fester Blick, klare Sprache, so tritt Michael Hilti auf.Sein Name steht nicht zuletzt für jenen roten Koffer, der auf keiner Baustelle fehlt. Den jeder Arbeiter wie seinen Augapfel hütet und der so begehrt ist, dass er in Fernost millionenfach kopiert wird. Er enthält oft eine Bohrmaschine, eine, mit der sich durch dicke Wände gehen lässt. Eine, die inzwischen aus Angst vor Dieben mit einer Art Wegfahrsperre ausgerüstet ist. Nur der rechtmäßige Besitzer kann sie starten, auch eine Innovation aus dem Hause Hilti.

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Durch die Wand gehen ? das ist eine Eigenschaft, die Patriarchen mitunter zugeschrieben wird. Michael Hilti allerdings ist anders. ?Es darf keine Primadonnen geben?, sagt der Chef des Verwaltungsrats. Eine Riesenfete zum Geburtstag heute am Unternehmenssitz in Liechtenstein würde da kaum passen.Als sein Vater 1972 einen Herzinfarkt erlitt, hatte Sohn Michael gerade das Studium beendet. Der Papa bildete einen Vorstand aus zwei internen und einem neuen Manager und holte den Sohn als Assistenten ins Unternehmen. ?Da habe ich gelernt, wie man es nicht macht?, erinnert sich Michael Hilti. Der Streit um die Nachfolge seines Vaters führte zu jahrelangen Grabenkämpfen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das ?55-Jahre-Gebot?Durchsetzen konnte sich der Sohn. Danach führte er das ?55-Jahre-Gebot? ein: Wer älter ist, scheidet aus der Konzernleitung aus. Da der Chef Pius Baschera dieses Jahr diese Schwelle erreichte, wurde mit Bo Risberg bereits sein Nachfolger installiert, wie man in der Branche der Befestigungstechniker wohl sagen darf.Baschera geht dafür Anfang kommenden Jahres an die Spitze des Verwaltungsrates, wo ihm Familienoberhaupt Michael Hilti Platz macht, der aber Mitglied des Verwaltungsrats bleibt. Der Wechsel vollzieht sich innerhalb der Gemeinde. ?Von außen geholte Management-Stars sind einer nachträglichen Entwicklung eher abträglich?, meint Baschera. Dass er selbst Platz für einen anderen macht, kommentiert Hilti mit den Worten: ?Was du von anderen forderst, musst du auch von dir selbst fordern.?Doch im Hintergrund spinnt weiter der Martin-Hilti-Familientrust seine Fäden. Ihm gehört das Unternehmen, das innerhalb der Branche Spitzenergebnisse erzielt, seit dessen Rückzug von der Börse. Ohne Zustimmung des Familientrusts werden also auch bei Hilti keine besonders dicken Bretter gebohrt. ?Wir kochen auch nur mit Wasser?, hat Michael Hilti einmal selbst eingeräumt, ?das aber mit besonderer Disziplin und Beharrlichkeit.?
Dieser Artikel ist erschienen am 14.11.2006