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MG-Chef verliert Schlammschlacht gegen Intimfeind

MG-Vorstandschef Kajo Neukirchen verlässt das Unternehmen Ende Mai. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Werner wird sein Amt nach der Hauptversammlung zu Verfügung stellen.
Kajo Neukirchen. Foto: dpa
HB/dpa FRANKFURT. Nach einer fast vierjährigen Dauerfehde, die zeitweise den Charakter einer Schlammschlacht angenommen hatte, kann der Großaktionär Otto Happel am Ende triumphieren. Nach einer Serie - auch juristischer - Niederlagen setzte der weithin unbekannte Manager zuletzt auf die entscheidende Waffe: Geld.Hartnäckig blieb der am Vierwaldstädter See in der Schweiz residierende Happel am Ball und stockte seinen Anteil an der Muttergesellschaft des Chemie- und Anlagenbaukonzerns von 10 auf 20 Prozent auf. Damit wurde er größter Einzelaktionär vor Deutscher Bank, Allianz und Kuwait, die zusammen nur rund 30 Prozent auf die Waagschale bringen. Nach einem Bericht des ?manager-magazin? steht der 54-Jährige auf Position 41 der reichsten Deutschen.

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Der Grundstein für den erbitterten Streit wurde 1999 gelegt. Neukirchen wollte den früheren Metallurgie-, Metallhandels- und Bergwerkskonzern völlig umkrempeln. Dazu erwarb er von Happel dessen Anteile am Bochumer Anlagenbauer GEA. Neben einer Milliarde DM in bar wurde er zusätzlich mit 9,9 Prozent der MG-Aktien bedacht. Aus den damaligen Geschäftspartnern wurden rasch Intimfeinde.Ein angeblich zugesagter Sitz im Aufsichtsrat wurde Happel - dem Sohn des GEA-Gründers - verweigert. Auch der gewünschte Rückkauf der GEA-Sparte Landtechnik scheiterte, weil Neukirchen der gebotene Preis zu niedrig schien. Nun brachten beide Seiten Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Sondergutachten und - mit Indiskretionen - die Medien in Stellung. In einem Sondergutachten der Prüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) wurde Neukirchen unverhüllt der Bilanzfälschung bezichtigt.Im Gegenzug unterstellte die MG-Spitze Happel Rufschädigung zu Lasten des Konzerns und die Verfolgung eigener Interessen im Zusammenhang mit dem gescheiterten Landmaschinen-Geschäft. Schließlich setzte Neukirchen sogar Detektive ein. Der MG-Vorstand musste 2001 zugeben, man habe eine ?Sicherheits-Beratungsfirma? eingeschaltet, um angebliche Zerschlagungsabsichten des Großaktionärs zu prüfen.Happel wiederum verhinderte mit seinem Stimmengewicht auf Hauptversammlungen die Beschaffung von Kapital über Wandelanleihen. Dies hinderte Neukirchen massiv in seinem Expansionsdrang. Doch die übrigen Großaktionäre sowie der Aufsichtsrat stützten Neukirchens schon damals wankende Stellung. 2001 wurde dem heute 61-Jährigen der Vertrag noch einmal bis 2006 verlängert. Doch an den neu geschaffenen Fakten kamen nach der Einkaufstour Happels auch die anderen Großaktionäre nicht mehr vorbei.Unterdessen rutschte die MG-Aktie von 24 Euro (Mitte 1999) bis auf unter 5 Euro kontinuierlich in den Keller. Neukirchens Strategie, den Konzerns auf die Säulen Chemie und Anlagenbau zu stellen, vermochte die Anleger nicht zu überzeugen. Die wieder aufgeflammten Gerüchte um seinen Rücktritt sowie die Bestätigung am Donnerstag ließen das Papier in zwei Riesensprüngen wieder auf knapp 7 Euro anziehen. Damit kann Happel neben seinem persönlichen Triumph auch noch eine stattliche Vermögensmehrung feiern.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.04.2003