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Meyer-Burckhardt in den Vorstand

Von Hans-Peter Siebenhaar, Handelsblatt
Haim Saban und sein CEO de Posch sind Freunde des harten, lautlosen Schnitts, wenn es um den Umbau des größten deutschen Fernsehkonzerns geht. Nach monatelangen Spekulationen muss nun der glücklose Pro-Sieben-Chef Nicolas Paalzow gehen.
DÜSSELDORF. Haim Saban und sein CEO de Posch sind Freunde des harten, lautlosen Schnitts, wenn es um den Umbau des größten deutschen Fernsehkonzerns geht. Nach monatelangen Spekulationen muss nun der glücklose Paalzow gehen. ?Nico stand schon lange unter Beobachtung. Er hat auf die Trennung sehr professionell reagiert?, lobt ein Senderkollege.Nachfolger des 36-Jährigen wird der bisherige Produktionschef des Senders, Dejan Jocic. Der 31-Jährige, der 1992 vom damaligen Chef des Deutschen Sportfernsehens (DSF) und späteren Kirch-Stellvertreter Dieter Hahn als Volontär eingestellt wurde, war selbst für viele Insider eine Überraschung. ?Jocic ist ein kreativer Kopf, der gut Kollegen für seine Interessen einsetzen kann?, sagt ein ehemaliger Kollege.

Die besten Jobs von allen

Bei de Posch hat Jocic gute Karten, weil er die konzerneigenen SZM-Studios durch Personalabbau sanierte. ?Jocic hat das größte Problemkind unseres Unternehmens wieder auf Vordermann gebracht?, lobt ein Kollege.Ob Pro Sieben, dem Geldbringer des börsennotierten Konzerns, weiterer Personalabbau blüht, ist ungeklärt. Die Nettoerlöse des Spielfilmkanals sanken im letzten Jahr wieder einmal um mehr als zehn Prozent auf 702 Millionen Euro. Jocic soll die lange ersehnte Wende bringen.Seit Monaten genießen die ständig neuen Wechsel des Führungspersonals im ?TV-Total?-Konzern den Charakter einer täglichen Seifenoper für die selbst verliebte Medienszene. Dabei bekundete Haim Saban, der fintenreiche Milliardär aus dem kalifornischen Malibu, immer wieder, wie gut und einzigartig die Mannschaft unter dem Noch-Vorstandschef Urs Rohner doch sei. ?Haim Saban beweist gerade, dass sein eigenes Wort wenig wert ist?, kritisiert ein Insider. Und natürlich blieb auch gestern Paalzows Abgang nicht die einzige Meldung. Denn Saban macht auch vor einem TV-Urgestein wie Jürgen Doetz nicht halt. Das für Medienpolitik zuständige Vorstandsmitglied der TV-Sender AG wusste, was auf ihn zukommt: Er wird ersetzt durch Hubertus Meyer-Burckhardt, dem bisherigen Vorstand für elektronische Medien der Axel Springer AG.Der 48-jährige Meyer-Burckhardt ? ein enger Freund von Springer-Chef Mathias Döpfner ? wird zum 1. Juli Chef der Unternehmensentwicklung. Im Oktober soll der frühere Filmproduzent und Talkmaster zudem den Bereich Medienpolitik von Doetz übernehmen. Der 59-jährige Doetz scheidet offiziell aus Altersgründen aus. ?Dass Herr Doetz mit 60 Jahren das Unternehmen verlässt, war bereits seit 2002 jedem klar, auch ihm selbst?, sagt ein Pro-Sieben-Manager.Vor sechs Wochen aber war noch vom Gegenteil die Rede. De Posch ließ verbreiten, wie wichtig Doetz? Wechsel von Berlin in die Konzernzentrale nach Unterföhring sei. Doetz, ein Mann mit jahrzehntelangen Kontakten in die Staatskanzleien der Republik, hatte beispielsweise zuletzt mit den Kabelnetzbetreibern über Pay-TV verhandelt.Vielleicht war dies die letzte Folge der Daily Soap aus Unterföhring? ?Die Reorganisation des Managements der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe wird damit abgeschlossen sein?, verspricht zumindest de Posch. Das Publikum ist gespannt. So mancher zweifelt an diesem Versprechen. Denn selbst den eigenen Top-Managern streut Haim Saban Sand in die Augen, De-Posch-Vorgänger Urs Rohner kann davon ein Lied singen. Heute packt der langjährige Konzernchef seine letzten persönlichen Dinge zusammen, um für ein paar Wochen in den Urlaub zu gehen. Dann geht es zurück in die Heimat, an den Züricher See.Seit der amerikanisch-israelische Filmhändler, der zum ersten Mal mit Pro Sieben Sat. 1 einen Fernsehkonzern besitzt, zusammen mit Finanzinvestoren die Mehrheit übernahm, bleibt entgegen aller Bekundungen bei dem Ex-Kirch-Unternehmen kein Stein auf dem anderen. Gestern bauten Saban und seine Partner ganz nebenbei ihre Stimmrechtsmehrheit aus. Durch eine Kapitalerhöhung ist der Anteil der Saban-Gruppe an den Stammaktien von knapp 72 auf 75,1 Prozent gestiegen.Doch der Umbau der krisengeschüttelten Sendergruppe ist nicht nur ein Management-, sondern auch ein Strategiewechsel. Mit dem Aufrücken von Meyer-Burckhardt in den Vorstand wird eine strategische Allianz zwischen Springer und Saban besiegelt. ?Wir vermissen Meyer-Burckhardt nicht, weil er gar nicht richtig geht?, sagt offen eine Springer-Sprecherin. Er sei so eine Art ?Verbindungsmann?.Springer und Saban haben noch viel gemeinsam vor. In den vergangenen Wochen spielten sie sich beispielsweise die Bälle beim Ringen um die englische Hollinger-Zeitungsgruppe (?Daily Telegraph?, ?Jerusalem Post?) zu. Zudem sind beide Gruppen eng verflochten. Die Wagniskapitalgeber Hellmann & Friedman sind nicht nur bei Springer Großaktionäre, sondern auch wichtige Partner von Saban bei Pro Sieben Sat. 1. Es ist eine Partnerschaft, die gut in die Zeit passt. Wie exzellent sich TV und Print ergänzen, hatte ?Bild? jüngst mit RTL bewiesen: Ohne die publizistische Schützenhilfe der größten Zeitung Europas wäre ?Deutschland sucht den Superstar? nie zum Dukatenesel für RTL geworden.
Vita: Meyer-Burckhardt1956 wird er in Kassel geboren. Er studiert Geschichte und Philosophie in Hamburg und danach an der Filmhochschule in München.
1984 beginnt er als Produzent von Werbefilmen. Drei Jahre arbeitet er als Kreativdirektor bei der Werbegruppe BBDO in Düsseldorf.
1992 wechselt er die Branche und wird Autor, Filmproduzent und Moderator. Für seine Sonntagsshow ?Sowieso? erhält er 1994 seinen ersten Grimme-Preis. In den 90er-Jahren produziert er eine Reihe erfolgreicher Spielfilme und Dokumentationen.
2001 holt ihn im Dezember Vorstandschef Mathias Döpfner als Vorstand für elektronische Medien und Buch zur Axel Springer AG.
2004 wird er Vorstand der Pro Sieben Sat.1 Media AG. Zum 1. Juli wird er Chef der Unternehmensentwicklung, im Oktober soll er zudem den Bereich Medienpolitik übernehmen.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.04.2004