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Metros neuer starker Mann

Von Christoph Schlautmann
Eckhard Cordes baut seine Macht bei Deutschlands größtem Handelskonzern aus. Seit Freitag besitzt sein Arbeitgeber Haniel die Mehrheit am Düsseldorfer Handelsriesen, wenn auch nur im Bündnis mit der Duisburger Kaufmannsfamilie Schmidt-Ruthenbeck. Drohen der Metro harte Einschnitte?
Eckhard Cordes im Mai 2007. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Das Störfeuer gegen ihn war ohne Beispiel in den vergangenen Monaten. ?Herr Cordes hat bei Haniel in Duisburg schon seinen Schreibtisch geräumt?, souffliert ein PR-Berater am Telefon. Der Mann habe sich mit der Eigentümerfamilie überworfen. Ein anderer berichtet, Cordes habe seine Villa verkauft, um sich in Süddeutschland niederzulassen. Von fehlender ?Demut? Cordes' gegenüber der Haniel-Familie schrieb die ?Wirtschaftswoche?. Das habe zu einem tiefen Zerwürfnis geführt.Als Quelle der offenbar absichtlich gestreuten Falschmeldungen vermutet Ex-Metro-Vorstand Hannjörg Hereth Berater, die in den Diensten der Metro stehen, wie er auf der jüngsten Hauptversammlung vorbrachte. Konzernchef Hans-Joachim Körber weist solche Anschuldigungen als unhaltbar zurück. Doch das Verhältnis zwischen ihm und seinem Aufsichtsratschef Eckhard Cordes gilt dennoch als angespannt.

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Im Machtkampf mit Körber hat Cordes nun seit dem Wochenende einen weiteren Trumpf in der Hand. Seit Freitag besitzt sein Arbeitgeber Haniel die Mehrheit am Düsseldorfer Handelsriesen, wenn auch nur im Bündnis mit der Duisburger Kaufmannsfamilie Schmidt-Ruthenbeck.In den Tagen zuvor baute Haniel die Beteiligung an der Metro um 15,7 Prozent auf nun 34,2 Prozent aus. Auch die Schmidt-Ruthenbecks kauften 2,6 Prozent hinzu und poolten ihren Anteil mit dem Nachbarn aus Duisburg. Zusammen besitzen die beiden Metro-Gründerfamilien damit jetzt 50,01 Prozent der Aktien.Mit seinem schon lange erwarteten Vorstoß bei der Metro hat sich der ehemalige Mercedes-Chef Cordes überraschend viel Zeit genommen. Schon im Februar vergangenen Jahres hatte er den Interims-Aufsichtsratschef Theo Siegert an der Spitze des Metro-Kontrollgremiums abgelöst. Doch der Einfluss des neuen Haniel-Chefs auf die Geschäftspolitik der Metro blieb bescheiden. ?Die Metro-Beteiligung ist für Haniel das mit Abstand wichtigste Asset?, wunderte sich noch vor kurzem der Chef eines großen Frankfurter Finanzinvestors, ?bislang hat sich Cordes aber damit begnügt, die Anteile zu verwalten?. Dafür, meinen kritische Beobachter, hätte die Familie Haniel keinen Macher wie Cordes einzustellen brauchen.Das aber könnte sich nun schlagartig ändern. Man wolle die Metro so aufstellen, dass sie langfristig wertorientiert arbeiten kann, sagte Cordes am Freitag dem Handelsblatt und wurde dann deutlicher: ?Bei der Prüfung dieser Frage kann es keine Tabus geben.? Dass er hart sanieren kann, hat der stets elegant gekleidete 56-Jährige bei Mercedes bewiesen.Was ihm aber nun bei der Metro konkret vorschwebt, verrät er nicht. Die Einschnitte könnten am Ende aber gravierend sein. Finanzinvestoren, die den Konzern beobachten, halten die Struktur der Metro für aufgebläht. Zu lange habe man die renditeschwache Tochter Real durchgezogen, und auch der Kaufhof bringe den Konzern wegen der hohen Kapitalbindung und schwachen Performance nicht weiter. Sie raten der Metro, sich auf die Ertragsbringer Cash & Carry sowie Mediamarkt/Saturn zu konzentrieren und die übrigen Töchter zu verkaufen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für Metro-Chef Körber wäre kaum noch Platz Für Vorstandschef Körber wäre in einem solchen Szenario kaum noch Platz. Um zwei Vertriebsschienen zu steuern, erscheint die 400-köpfige Holdinggesellschaft an Düsseldorfs Schlüterstraße als purer Luxus. Von solchen Zerschlagungsplänen will der 61-Jährige, dessen Vertrag erst 2009 ausläuft, nichts wissen.Rückendeckung erhielt er bislang von Metro-Gründer Otto Beisheim. Ohne den in der Schweiz lebenden Milliardär, der 18,6 Prozent des Aktienkapitals hält und vor einigen Jahren sogar seinen Majordomus und Metro-Aufsichtsratschef Erwin Conradi für den Metro-Vorstandsvorsitzenden opferte, lief bislang im Konzern nichts. Seit Freitag aber steht Beisheim, der die Konzernpolitik seit Jahren mit Schmidt-Ruthenbeck und Haniel in der Metro Vermögensverwaltung (MVV) abstimmt, rein rechnerisch der Mehrheit seiner beiden Mitgesellschafter gegenüber.Ob es einschneidende Schritte bei Deutschlands größtem Handelskonzern geben wird, lässt Cordes offen. ?Wir werden in geeigneter Form unsere unternehmerischen Interessen durchsetzen?, äußert er sich diplomatisch. Auch die Frage nach einer Umgestaltung der Aufsichtsratsmandate lässt er unbeantwortet.Zwar büße die gemeinsame MVV mit Beisheim durch die neue Partnerschaft Haniel/Schmidt-Ruthenbeck an Gewicht ein, sagt Cordes, sie sei aber nicht gegen den Metro-Mitbegründer gerichtet. Es gehe darum, Metro eine ?langfristig stabile Shareholder-Basis? zu geben. Schließlich besitze der 83-jährige Otto Beisheim keine Nachkommen, und ob seine Stiftung langfristig bei der Metro bleibe, sei ungewiss.Beobachter vermuten, dass Haniel unter der Führung Cordes' den Konzern komplett übernehmen könnte, um ihn unternehmerisch steuern zu können. ?Wir sehen derzeit keine Notwendigkeit, unseren Anteil auf 100 Prozent aufzustocken?, sagt der Haniel-Chef, fügt jedoch an: ?Für alle Zeit ausschließen wollen wir dies aber nicht.?
Dieser Artikel ist erschienen am 03.09.2007