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Metro holt sich ehemaligen Carrefour-Vorstand

Von Christoph Schlautmann
Jetzt soll Joël Saveuse die angeschlagene Tochter Real sanieren. Gelingt ihm die Wende, könnte er bis an die Konzernspitze aufsteigen.
Joël Saveuse Foto: PR
DÜSSELDORF. Anfang 1994 ersetzte er den damaligen Metro-Deutschland-Chef Erwin Conradi. Nun könnte er eines Tages, wenn alles gutgeht, Nachfolger von Metro-Vorstandschef Hans-Joachim Körber werden: Joël Saveuse, 54 Jahre, gebürtiger Franzose und bis vor zweieinhalb Jahren Vorstand des weltweit zweitgrößten Einzelhändlers Carrefour.Doch bis es so weit ist, muss sich der erfahrene Handelsmanager gedulden. Zunächst bezieht er, 30 Kilometer von der Düsseldorfer Metro-Konzernzentrale entfernt, Anfang September sein Büro in Mönchengladbach. Dort wird er bei der angeschlagenen SB-Warenhaustochter Real den Vorsitz der Geschäftsleitung übernehmen.

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Er hat die knifflige Mission, die hinzugekauften 69 Deutschland-Filialen von Wal-Mart zu integrieren. Nebenbei soll er das flaue Geschäft wieder in Ordnung bringen ? ein Auftrag, an dem in den vergangenen 26 Monaten gleich drei Real-Spitzenmanager nacheinander gescheitert sind. Wie gestern bekannt wurde, hat sich nämlich inzwischen ?auf eigenen Wunsch? auch Andreas Riedel von der Real-Spitze verabschiedet. Er wurde erst vor einem Jahr von der Telekom abgeworben. Zuvor schon hatten Uwe Hölzer und Stefan Feuerstein nach missglückten Sanierungsversuchen den Konzern verlassen.Besteht Saveuse die Feuerprobe in Mönchengladbach, dürfte für ihn der Weg frei sein in den Vorstand ? womöglich sogar an dessen Spitze. ?Die Geschäftsführung von Real ist ihm eigentlich eine Nummer zu klein?, urteilt ein Münchener Personalberater, der sich im Handel gut auskennt. ?Das sieht ganz nach einer Parkposition aus.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bei Metro ist der deutschsprechende Franzose kein Unbekannter. Headhunter halten es sogar für denkbar, dass Metro-Aufsichtsratschef Eckhard Cordes den Franzosen als Nachfolger von Konzernchef Hans-Joachim Körber im Auge hat. Der Vertrag des 61-jährigen Vorstandsvorsitzenden läuft 2009 aus. Offiziell will man sich im Konzern zu solchen Spekulationen nicht äußern. Die Verpflichtung von Saveuse sei aber auf jeden Fall ein Glücksgriff, sagt ein Sprecher.Bei Metro ist der deutschsprechende Franzose kein Unbekannter. 1985 kommt er zum damals familiengeführten Cash-&-Carry-Betreiber, wird Frankreich-Chef und übernimmt 1994 die deutsche Leitung. Im Juli 1996 verlässt er den Konzern, um über eine kurze Zwischenstation bei La Redoute in der Pariser Carrefour-Zentrale die Verantwortung für das Europageschäft zu übernehmen. Saveuse sei als Spion zum französischen Konkurrenten geschickt worden, lauten bald die Gerüchte.Doch sie sollten sich irren: Der Ziehsohn Erwin Conradis bleibt fast neun Jahre bei Carrefour ? bis ihn der Aufsichtsrat wegen des schwächelnden Heimatgeschäfts aus dem Unternehmen drängt, gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Daniel Bernard. Seit Februar 2005 ist Saveuse damit ohne feste Anstellung. Schon vor anderthalb Jahren soll er sich um den Job des Real-Chefs bemüht haben, schrieb das ?Manager-Magazin?. Damals aber habe er gleichzeitig auf einen Posten im Vorstand bestanden.Schafft es Saveuse, Körber bei der Metro zu beerben, wäre er nicht der einzige Franzose an der Spitze eines deutschen Handelskonzerns. Auch bei Rewe steht mit Alain Caparros ein Handelsexperte mit französischem Pass an der Spitze.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.08.2007