Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Menage à trois auf bayerisch

Von Michael Maisch
Die HVB-Aufsichtsräte Gerhard Randa und Albrecht Schmidt verbünden sich gegen Vorstandschef Dieter Rampl. Der Vorwurf: Rampl wolle ihr Lebenswerk weit unter Preis an die italienische Unicredito verschleudern.
HB FRANKFURT. Es ist nur ein Satz, aber er gleicht einer schallenden Ohrfeige: ?Ich habe beim Geschäft und bei der Auswahl des Managements Fehler gemacht. Ein Satz, gesprochen vor wenigen Tagen von Albrecht Schmidt, 67, seines Zeichens Aufsichtsratschef der Hypo-Vereinsbank, auf einer Podiumsdiskussion des Handelsblatts mit den großen alten Herren der deutschen Kreditwirtschaft. Schmidt lächelt tapfer wie seine Gesprächspartner Martin Kohlhaussen von der Commerzbank und Rolf-E. Breuer von der Deutschen Bank. Doch Schmidts Lächeln fällt schmallippig aus, bitter - so wie seine Bilanz.Das Management, von dem der Aufsichtsratschef so despektierlich spricht, heißt im Klartext Dieter Rampl, 57 - seit 2003 Chef der HVB. Was Schmidt seinem Nachfolger vorwirft, lässt sich in einem einzigen Satz zusammenfassen: Rampl wolle sein Lebenswerk weit unter Preis an die italienische Unicredito verschleudern. Wie Schmidt über die Pläne seines Nachfolgers denkt, weiß die Welt spätestens seit der Aufsichtsratssitzung der HVB am 30. August. Schmidt lehnte das Angebot der Unicredito für die Münchener Bank komplett ab. Einer fehlte, als sich die Aufseher im Neorenaissance-Bau der HVB in der Münchener Kardinal-Faulhaber-Straße trafen. Gerhard Randa, 61, Ex-Chef der HVB-Tochter Bank Austria, war an diesem Tag verhindert. Doch seine schriftliche Stellungnahme ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, von einem ?unheilvollen Deal? ist da die Rede und von drohender Zerschlagung und von Massenentlassungen.

Die besten Jobs von allen

Und so tobt ein kaum noch kaschierter Krieg in der Führungsetage der Münchener Bank. Die alten Herren Schmidt und Randa gegen Rampl. Auf dem Spiel steht nicht nur die Zukunft von Deutschlands zweitgrößtem börsennotiertem Geldhaus, es geht vor allem auch um alte Fehler und den fast schon verzweifelten Versuch, sie in letzter Sekunde noch zu korrigieren.In der Konzernzentrale der HVB liegen die Büros von Schmidt und Rampl auf einer Etage, getrennt nur durch die Räume des Finanzvorstands. Doch nah waren sich die beiden Manager nie. Zu groß mag der Unterschied zwischen den Charakteren sein. Auf der einen Seite der schlaksige Rampl, der umso lockerer wirkt, je angespannter die Lage ist. Der Bayer mit dem österreichischen Pass pfeift gerne ein Liedchen, wenn er durch die Gänge der HVB zieht.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schmidt und Rand fürchten die Filetierung ihres Lebenswerks.Auf der anderen Seite Schmidt, ein Sachse, der die preußischen Tugenden hochhält. Zwölf Jahre lang führte er die HVB mit harter und autoritärer Hand. Ohne ihn gäbe es keine Münchener Großbank. Mitte der 90er-Jahre galt es als ausgemacht, dass die Bayerische Vereinsbank von der Deutschen Bank und die Hypotheken- und Wechselbank von der Dresdner Bank gekauft werden würden.Doch Schmidt überzeugte den Großaktionär Allianz und Ministerpräsident Edmund Stoiber vom Segen einer innerbayerischen Lösung. Die beiden Münchener Banken fusionierten 1998. Zwei Jahre später fädelte Schmidt mit dem mächtigsten österreichischen Banker, Gerhard Randa, den Zusammenschluss zwischen der HVB und der Bank Austria ein. Noch Jahre nach dem Verkauf wirft Ex-Finanzminister Hannes Androsch Randa ?wirtschaftlichen Hochverrat? vor. Nach außen hat der für seinen ruppigen Führungsstil bekannte Wiener Banker den Deal mit der HVB stets verteidigt, doch genau so vehement kämpfte er intern für die Unabhängigkeit der Bank Austria innerhalb des Konzerns - bis Rampl Randa Ende 2004 aus dem Vorstand drängte. Kritik hat den einst als ?Feudalherrscher? geschmähten Randa nie beeindruckt, und auch Schmidt ließ die Buhrufe der Anleger auf den Hauptversammlungen der HVB stoisch über sich ergehen. Die Aktionäre machten vor allem seinen aggressiven Expansionskurs für die massiven Probleme der Bank in den letzten Jahren verantwortlich. Mit einer Reihe fast schon tollkühner Notoperationen muss sein Nachfolger Rampl das angeschlagene Institut stabilisieren. Dann entschließt sich der Vorstandschef im Frühjahr 2005, die HVB in die Arme von Unicredito und damit endgültig in einen sicheren Hafen zu steuern.Schmidt und Randa fühlen sich von Anfang an schlecht informiert. Beide fürchten die Filetierung ihres Lebenswerks. Als die Gespräche mit den Italienern immer konkreter werden, engagiert der Aufsichtsrat mit der Investmentbank Lehman Brothers sogar einen eigenen Berater. Bis heute können Schmidt und Randa nicht verstehen, warum Rampl die Bank ausgerechnet jetzt verkauft, wo es anscheinend wieder aufwärts geht - noch dazu zu einem viel zu niedrigen Preis.Das Verhältnis in der bayerischen Menage à trois hat endgültig den Gefrierpunkt erreicht. ?Zwischen den dreien wird nur noch das absolut notwendige gesprochen?, ist aus der Bank zu hören. Doch allzu lange müssen es die ungleichen Manager auch nicht mehr miteinander aushalten. Wenn die Fusion gelingt, wovon die meisten Experten ausgehen, verabschieden sich Schmidt und Randa. Platzt die Übernahme in letzter Sekunde, muss sich Rampl mit Sicherheit einen neuen Job suchen.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.09.2005