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Mein Chef hat keine Ahnung

Beißen Sie sich lieber die Zunge ab, als ihn bloßzustellen. Ob in großer Runde oder unter vier Augen - eine solche Blamage würde er Ihnen nie verzeihen.
Beißen Sie sich lieber die Zunge ab, als ihn bloßzustellen. Ob in großer Runde oder unter vier Augen - eine solche Blamage würde er Ihnen nie verzeihen. Hier ist eine meisterliche Führungsleistung gefragt - von Ihnen. Denn Sie müssen ihm einerseits das Gefühl geben, dass er das Heft in der Hand hält - sonst laufen Sie Gefahr, dass er bestenfalls blockiert oder schlimmstenfalls wild um sich schlägt. Andererseits müssen Sie durchsetzen, was das Beste für Sie, Ihren Chef und das Unternehmen ist.

Wählen Sie kreideweiche Formulierungen. Machen Sie Vorschläge, statt zu sagen, was man tun "muss". Noch besser: Lassen Sie Ihrem Chef die Wahl unter mehreren Vorschlägen - von denen Sie einen perfekt ausarbeiten und die anderen derart nachteilig formulieren, dass keine Frage ist, welchen Vorschlag er wählen wird. So lassen Sie ihm die Illusion, er sei es, der entscheide.

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Sollte er sich doch für den Ihrer Meinung nach falschen Weg entscheiden, gehen Sie nicht sofort auf Konfrontationskurs. Sonst riskieren Sie, dass er dickköpfig bleibt, um zu zeigen, wer der Boss ist. Lassen Sie, wenn möglich, etwas Zeit verstreichen. Mit etwas Glück erledigt sich einiges von selbst. Wenn nicht, versuchen Sie, Ergänzungsvorschläge anzubringen, immer hübsch sanft formuliert

Im Alltag denken Sie an Ihren Opa und seinen weisen Spruch "Wer viel fragt, kriegt viel Antwort". Müssen Sie wirklich alles absegnen lassen? Oder können Sie nicht doch viel mehr selbst entscheiden, als Sie im ersten Moment meinen? Allerdings: Wenn's schief geht, müssen Sie auch den Kopf dafür hinhalten.

Dieser Artikel ist erschienen am 20.11.2002