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Mehr Gehalt

Steffi Sammet Mitarbeit: G.Lawecki, D.Fröhlich, K.Stricker
Vor Gehaltsgesprächen drückt sich jeder. Zu Unrecht. Nur wer selbstbewusst verhandelt, verdient angemessen. Aber wie viel ist das? Und welche Branche zahlt gut? Junge Karriere erklärt, worauf Sie achten sollten und wie Einsteiger beim Geldpoker punkten.
Wenn sich Lars Neumeier selbst charakterisiert, erklärt der 26-jährige Wirtschaftsingenieur gerne, dass er "spontan, ehrgeizig und dynamisch" ist. Vor fast einem Jahr, im vergangenen Dezember, bewies der gebürtige Koblenzer zudem, dass er auch sehr gelassen sein kann. Der Wirtschaftsingenieur hatte sich damals beim Handelskonzern Procter & Gamble auf eine freie Stelle beworben. Als Neumeier nach gut einem halben Tag Vorstellungsgespräch das Werk des Konzerns in Euskirchen mit einer Zusage in der Tasche verließ, hatte er nur eine ungefähre Ahnung, wie viel ihm das Unternehmen für seine Aufgaben im Bereich der Beschaffungslogistik zahlen würde.
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  • Schritt 2: Gehälter nach Unternehmensgröße
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  • Schritt 4: Gehälter nach Regionen


  • Die besten Jobs von allen

    "Ich habe nicht nachgefragt und auch die Verantwortlichen von Procter & Gamble haben den Punkt nicht angeschnitten", erinnert sich Neumeier. Die fehlende Information habe ihm keinerlei Kopfzerbrechen bereitet, "denn während des Bewerbungsgesprächs waren mir andere Themen wie das soziale Miteinander der Mitarbeiter einfach wichtiger". Als er eine Woche später den unterschriftsreifen Arbeitsvertrag vorliegen hatte, gab es für Neumeier keinen Grund, sein Schweigen zu bereuen: "Inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld verdiene ich rund 44 000 Euro im Jahr. Das ist eine tolle Basis", sagt Neumeier.Derzeit profitieren sehr viele Arbeitnehmer in Deutschland vom Wirtschaftswachstum. Nach der jahrelangen Flaute am Arbeitsmarkt stellen viele Unternehmen nicht nur wieder ein, sondern belohnen den Einsatz ihres Personals mit einem satten Plus beim Gehalt. "In jüngster Vergangenheit haben Arbeitgeber die Gehälter maximal um zwei bis 2,5 Prozent erhöht", erklärt Christian Näser, Partner bei der Vergütungsberatung Kienbaum. "Jetzt zahlen sie im Durchschnitt zwischen drei und vier Prozent."Die neue Großzügigkeit der Arbeitgeber kommt auch Hochschulabsolventen wie Lars Neumeier und jungen Nachwuchskräften zugute: Die Einstiegseinkommen liegen quer durch alle Positionen im Vergleich zum Vorjahr rund 1800 Euro pro Jahr höher. So konnten beispielsweise Einsteiger in der Forschung und Entwicklung im Jahr 2006 mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 43000 Euro rechnen. 2007 kassieren sie bereits gut 44900 Euro; für Neulinge im Personalwesen ist das durchschnittliche Jahresgehalt von 40000 auf 41800 Euro gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der Gehälter-Guide 2007, den Junge Karriere zusammen mit der Managementberatung Kienbaum jährlich neu ermittelt.Für die tatsächliche Höhe des individuellen Einkommens jedes Absolventen oder Young Professionals gibt oftmals vor allem die Art des Hochschulabschlusses den Ausschlag. Vergütungsexperten wie Näser stellen fest, dass die meisten Unternehmen zwischen FH-, Bachelor-, Master- oder Diplom-Abschluss unterscheiden. Was Arbeitnehmer beim Gehalt erwarten können, hängt dabei nicht nur von der Position ab, sondern auch den Faktoren Branche, Unternehmensgröße und Region.
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  • Die Chancen auf ein lukratives Einstiegsgehalt schätzt Kienbaum-Vergütungsspezialist Näser aktuell vor allem für Absolventen von naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen sehr gut ein: "Gerade in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Chemie und Pharmazie ziehen die Einkommen derzeit deutlich an." In Einzelfällen seien einige Unternehmen inzwischen sogar bereit, das Jahreseinkommen ihrer jungen Verfahrenstechniker, Chemiker oder Bauingenieure um mehr als die derzeit üblichen drei bis vier Prozent zu verbessern. Der Grund für die teilweise attraktiven finanziellen Angebote: Nahezu alle Unternehmen, die Ingenieure einstellen, spüren den prognostizierten Mangel an ausgebildeten Technikern und Naturwissenschaftlern schon jetzt deutlich. "Unternehmen, die mit ihren Einstiegsgehältern nicht auf diese Situation reagieren, haben kaum Chancen, gut ausgebildeten Nachwuchs zu finden", sagt Näser.Von Einstiegsgehältern von mehr als 40 000 Euro können andere Hochschulabsolventen indes nur träumen. Während sich Unternehmen die Einstellung von Absolventen technischer Studienzweige jährlich mehr kosten lassen, sind sie bei Sozial- und Kulturwissenschaftlern, Pädagogen oder Volkswirten bei weitem nicht so spendabel. "Ein Sprachwissenschaftler beispielsweise kann zu Anfang nur ein Jahresgehalt von etwa 30 000 Euro erwarten", erläutert Heike Friedrichsen von der Vergütungsberatung Personalmarkt die großen Differenzen bei den Einstiegsgehältern für Hochschulabsolventen.Mit ähnlich niedrigen Gehältern wartet beispielsweise auch die Bundesrechtsanwaltskammer für ihre Klientel auf: Der durchschnittliche Verdienst von jungen Einzelanwälten liegt derzeit gerade einmal bei etwa 29 000 Euro. Ebbe in der Kasse herrscht auch bei jungen Architekten: Ihr Einstiegsgehalt liegt nur bei etwa 28 000 bis 30 000 Euro. Kienbaum-Experte Näser ergänzt, "speziell im Handel und der Finanzdienstleistungsbranche hat die gute Konjunktur bisher kaum Auswirkungen auf das Gehalt der Arbeitnehmer".Ein Phänomen, das auch Ulrich Kirchner (Name geändert) im vergangenen Herbst zu spüren bekam: Als sich der 29-jährige studierte Politologe bei einer Münchner PR-Agentur bewarb, bot ihm das Unternehmen für das zwölfmonatige Trainee-Programm ein Jahresgehalt von mageren 22 000 Euro. "Dabei konnte ich schon etwa drei Jahre Berufserfahrung vorweisen", sagt Kirchner. Da jedoch die Lage am Arbeitsmarkt vor etwa einem Jahr bei weitem nicht so gut wie heute war, unterschrieb er den Vertrag dennoch - und arbeitete anschließend so überzeugend, dass ihn sein Arbeitgeber vor wenigen Wochen mit der Zusage überraschte, das Monatsgehalt um 500 Euro zu erhöhen und ihn zukünftig als Junior-Berater weiter zu beschäftigen.
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  • Trotz der Bereitschaft der Unternehmen, ihren Einsteigern und Nachwuchskräften mehr Geld als bisher zu bieten, sollten Bewerber die Kriterien kennen, nach denen Personaler die Höhe des Gehalts bemessen. Neben den gängigsten Aspekten wie Praktika, soziale Kompetenz oder bisherige individuelle Leistungen ziehen sie seit neuestem auch die Art des Abschlusses als Maßstab heran. "Grundsätzlich sind alle Studienwege in den Unternehmen willkommen", sagt Personalmarkt-Expertin Friedrichsen. Sobald es jedoch um die Höhe des Gehalts geht, unterscheiden die Firmen unter den einzelnen Abschlussarten.Absolventen, die einen Master in der Tasche haben, kommen nach Erhebungen der Vergütungsberatung Personalmarkt auf ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von knapp 40 000 Euro. Damit verdienen sie im Vergleich zu anderen Absolventen am besten, denn Bewerber mit einem Bachelor- oder Diplom-Abschluss erhalten im Durchschnitt nur rund 35 000 beziehungsweise 39 500 Euro. Nach ersten Erfahrungen bleiben diese Gehaltsunterschiede auch im weiteren Verlauf des Berufslebens bestehen - selbst wenn die FH- oder Bachelor-Kollegen in ihren Jobs Top-Leistungen bringen. Während die Lohntüte des Master-Absolventen nach zwei bis fünf Jahren im Job mit durchschnittlich 49 800 Euro gefüllt ist, gehen auf die Konten der Nachwuchskräfte mit einem Bachelor- oder FH-Abschluss nur 40 000 beziehungsweise 42 000 Euro ein.Unabhängig davon, mit welchem Abschluss sich Absolventen bei ihren Wunscharbeitgebern vorstellen, ist es für sie im Hinblick auf ihre weitere Karriere enorm wichtig, sich beim Einkommen eine gute Ausgangsbasis zu schaffen. "Man muss einfach wissen, was der Jobmarkt hergibt. Natürlich ist man als Bewerber im Vorteil, wenn man durch diskretes Ausspionieren weiß, was das Unternehmen Einsteigern zahlt", sagt Gerhard Winkler.Obwohl derzeit natürlich auch junge Nachwuchskräfte mit zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung von der guten Konjunktur profitieren und Gehaltserhöhungen von bis zu vier Prozent kassieren, "ist es für diejenigen, die mit einem niedrigen Einkommen eingestiegen sind, sehr schwer, mögliche Gehaltsdifferenzen zu ihren Kollegen aufzuholen - selbst wenn sie die gleiche oder sogar eine bessere Leistung bringen", betont Vergütungsexpertin Friedrichsen.
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  • Um dieses Missgeschick auszubügeln, sollten sich die Nachwuchskräfte daher akribisch auf anstehende Gehaltsverhandlungen vorbereiten. "Oft versäumen es Berufseinsteiger und Young Professionals, ihr Jahreseinkommen auf 1000 Euro genau zu bestimmen und zu begründen", sagt Winkler. In vielen Fällen scheuten sie auch davor zurück, ihre Forderungen mit fester Stimme vorzutragen. "Am wichtigsten ist es jedoch, den Gehaltswunsch aus den eigenen Verdiensten und dem eigenen Profil abzuleiten und sich nicht nur auf das marktübliche Gehalt zu berufen. " Jungen Arbeitnehmern rät er, regelmäßig Mitarbeitergespräche zu führen: "Günstige Zeitpunkte hierfür sind beispielsweise das Ende der Probezeit oder der Jahreswechsel." Läuft es bei dem Arbeitgeber finanziell rund, darf der Nachwuchs in den ersten ein, zwei Jahren nach seinem Einstieg durchaus "mit jährlichen Gehaltssteigerungen von fünf bis sieben Prozent rechnen", sagt Kienbaum-Partner Näser. Die Höhe dieses zusätzlichen Gehalts machen die Unternehmen seit einiger Zeit allerdings immer häufiger von dem persönlichen Einsatz und Engagement der Mitarbeiter abhängig. "Inzwischen erhält jeder fünfte Hochschulabsolvent, der bis zu zwei Jahren Berufserfahrung hat, einen variablen Gehaltsanteil", sagt Friedrichsen. Nach mehr als zwei Jahren im Job wird schon knapp jeder dritte mit variablen Anteilen entlohnt.Prämien, Boni und Erfolgsbeteiligungen sind dabei die beliebtesten Instrumente, die Unternehmen für die Entlohnung ihrer Mitarbeiter nutzen. Die Gründe für diese Gehaltsstrategie sind simpel: Die Aussicht auf eine stattliche Prämie oder eine Erfolgsbeteiligung spornt die Mitarbeiter in der Regel zu großem Engagement an. Davon wiederum profitiert das Unternehmen, da es so beispielsweise zusätzliche Aufträge gewinnt, innovative Produkte entwickelt oder schlicht effektiver arbeitet. Wer nach zwei bis fünf Jahren in seinem Job immer noch von größeren Gehaltssprüngen träumt, kann sich seine finanziellen Wünsche normalerweise nur erfüllen, wenn er den Arbeitgeber wechselt. Das trifft vor allem auf Nachwuchskräfte zu, die bei ihren Berufseinstieg ein Gehaltsangebot akzeptieren mussten, das nicht den marktüblichen Konditionen entspricht. Bevor sie gar keinen Arbeitsplatz bekommen, sollten Jobsuchende ein schlechteres Angebot akzeptieren, selbst wenn sie aufgrund ihrer Qualifikationen mehr Gehalt erhalten müssten. Kandidaten, die ihr Einkommen möglichst schnell auf das branchenübliche Niveau heben wollen, erreichen ihr Ziel in der Regel am ehesten durch einen Arbeitgeberwechsel. "Es ist völlig legitim, sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen, wenn der Chef unangemessen vergütet oder nur minimale Gehaltserhöhungen bewilligt", sagt Karriereberater Winkler. Bei ihrem neuen Arbeitgeber dürften die wechselwilligen Kandidaten daher durchaus mehr Geld verlangen. "Diese Strategie geht allerdings nur auf, wenn die Bewerber ihren neuen Chef davon überzeugen, dass sie den Job vor allem wegen der Aufgaben und nicht wegen des Geldes wechseln wollen", warnt er. Zugleich empfiehlt der Karrierespezialist Arbeitnehmern, mit einer Kündigung so lange zu warten, bis sie "Fleiß- und Leistungspunkte gesammelt haben, die im Arbeitszeugnis erwähnt werden".Nicht immer jedoch müssen junge Nachwuchskräfte Gehaltserhöhungen für sich mit Nachdruck einfordern - manchmal ergeben sie sich ganz von selbst. So war beispielsweise für den Pfälzer Andreas Kamm durch seinen Entschluss, nach seinem BWL-Studium in Mannheim zu promovieren, automatisch ein Weg vorgezeichnet, sein Gehalt in kürzester Zeit deutlich zu verbessern: Im Februar 2003 nahm der heute 34-Jährige für 1800 Euro Bruttogehalt im Monat eine Doktoranden-Stelle bei der BMW Group in München an. Als er den Doktortitel in der Tasche hatte, wechselte er im März vergangenen Jahres als Vorstandsreferent zum Baukonzern Bilfinger Berger.Inzwischen ist Kamm seit knapp einem dreiviertel Jahr kaufmännischer Leiter der Bilfinger Berger Real Estate Management GmbH, einer Tochtergesellschaft des Konzerns. "Von meinem Anfangsgehalt bin ich inzwischen weit entfernt", erzählt der zielstrebige Manager. Den genauen Betrag will er zwar nicht nennen, aber angesichts seines Lächelns lässt sich erahnen, dass er mit seinen Gehaltssteigerungen der vergangenen zwei Jahre durchaus zufrieden ist. Kein Wunder, schließlich erhalten promovierte Hochschulabsolventen für ihren ersten Job ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von rund 47 000 Euro.
    Dieser Artikel ist erschienen am 07.11.2007