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Mehr Dialog!

Viel ist in den letzten Monaten in Deutschland über Elitehochschulen gesagt worden, an dieser Stelle und auf vielen anderen Foren und Veranstaltungen. Viel Richtiges, Gutes, Intelligentes ist gesagt worden, so dass man festhalten könnte, dass über Ziel und Wege weitgehend Einigkeit herrscht: Ja, wir brauchen in Deutschland Elitehochschulen.
Nein, man bekommt sie nicht per staatlicher Verordnung oder per Geldspritze, sei es in Milliardenhöhe. Was wir brauchen, sind ein klares Bekenntnis zum Wettbewerb zwischen den Hochschulen, eine stärkere Profilbildung der Hochschulen, das Recht der Hochschulen, sich ihre Studenten, Dozenten und Professoren selbst auszusuchen, Studiengebühren, die den Studenten Nachfragemacht geben, ein professionelleres Hochschulmanagement etc. Zwei Aspekte scheinen mir in der Diskussion untergegangen zu sein, die ich für besonders wichtig halte:

Eine Spitzenuniversität braucht Exzellenz in Forschung und Lehre
Wenn im Wissenschaftsbereich von Exzellenz die Rede ist, ist fast immer Forschung gemeint. So gut wie nie wird in diesem Zusammenhang von der Lehre an den Hochschulen gesprochen. Dabei ist die Lehre nicht nur Kernaufgabe der Hochschule neben der Forschung. Sie ist auch das Fundament für Spitzenleistungen in der Forschung. Ob eine deutsche Hochschule mit Harvard oder Stanford, dem MIT oder Yale konkurrieren kann, erweist sich nicht zuletzt an der Bedeutung, die sie hervorragender Hochschullehre beimisst

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Warum steht die Lehre hierzulande so sehr im Schatten der Forschung? Warum wird sie mitunter so wenig professionell betrieben? Einer der Gründe ist, dass sich Engagement in der Lehre für eine wissenschaftliche Karriere kaum lohnt. Der Erwerb der Lehrberechtigung, der "Venia Legendi", ist nicht an den Nachweis geknüpft, dass man auch die Kunst des Lehrens, die "Ars Legendi" beherrscht. Akademische Reputation erlangt man durch die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und nicht durch die zeitaufwändige Entwicklung neuer Lehrveranstaltungen oder eine intensive Betreuung der Studierenden. Auch in Berufungsverfahren spielt die Qualität des Bewerbers in der Lehre nur eine untergeordnete Rolle

Das muss sich ändern. Der Stifterverband wird daher zusammen mit der Hochschulrektorenkonferenz ab dem nächsten Jahr einen mit 50.000 Euro dotierten bundesweiten Preis für exzellente Hochschullehre vergeben, um die Bedeutung der Lehre weithin sichtbar zu machen und um insbesondere für den wissenschaftlichen Nachwuchs einen Anreiz zu schaffen, sich in der und für die Lehre zu engagieren

Im Übrigen haben wir in Deutschland eigentlich kein Defizit an exzellenter Forschung! Wir haben ein großes Defizit an exzellenter Forschung an unseren Hochschulen. In den weltweiten wissenschaftlichen Publikationsindizes steht Deutschland auf einem hervorragenden dritten Platz. Aber das ist vor allem der exzellenten außeruniversitären Forschung zu verdanken. Dorthin ist die Spitzenforschung abgewandert - ein spezifisch deutsches Problem. Wir müssen versuchen, diese Trennung wieder aufzuheben. Gemeinsame Exzellenzcenter und Graduiertenschulen sind ein erster Ansatz

Eine Spitzenuniversität braucht mehr Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
Auch auf einem anderen Gebiet müssen wir neue Brücken bauen. Eines der großen Themen des Stifterverbandes in den vergangenen Jahren war das Thema Public Private Partnership (PPP). Wir haben versucht, Unternehmer, Forscher und Hochschulleitungen zusammenzuführen, um auszuloten, wie die Interessen von Wirtschaft und Wissenschaft in gemeinsamen Projekten synergetisch genutzt werden können

Zwei Dinge haben mich bei diesen Gesprächen überrascht: zum einen die Bandbreite möglicher Kooperationsformen zwischen Wirtschaft und Hochschulen. Zum anderen die offensichtliche Unkenntnis der beiden Seiten über Funktionsweise und Selbstverständnis des jeweils anderen. Während die Unternehmensvertreter zum Beispiel nur sehr wenig über die Entscheidungsstrukturen in den Hochschulen wussten, waren die Hochschulvertreter meist kaum mit den zeitlichen und planerischen Abläufen in Unternehmen vertraut.

Daraus kann ich nur schließen: Wir brauchen mehr Plattformen, auf denen sich Hochschulen und Wissenschaftsvertreter begegnen. Jeder muss wissen, wie der andere denkt, was er erwartet und was er zu bieten hat. Die neu eingerichteten Hochschulräte sind ein Schritt in die richtige Richtung, um auch Wirtschaftsvertreter in die strategische Ausrichtung einer Hochschule einzubinden. Auch in den Akkreditierungsgutachtergruppen sitzen Wirtschaftsvertreter und Wissenschaftler zusammen. Aber wir brauchen noch viel mehr Austausch

Arend Oetker, 66, ist Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Arend Oetker Holding GmbH & Co. Der Industrielle ist in zahlreichen Gremien engagiert, darunter insbesondere als Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.10.2005