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Mehr als ein Expat

Sara Kammler. Foto: Pixelio.de
Philipp Wieland arbeitet seit einem Jahr in Korea. Er ist auf eigene Faust nach Seoul gegangen - und hat mehr koreanische als deutsche Freunde.
Von Ausländern wird in Südkorea nicht immer erwartet, dass sie sich an alle Regeln halten. Aber man sollte versuchen, sich der Kultur anzupassen", sagt Philipp Wieland. Er hat damit kein Problem. Der 25-Jährige arbeitet seit April vergangenen Jahres in Seoul als Marktanalyst bei Samsung Engineering.

Wieland wurde nicht von einer deutschen Firma entsandt, sondern suchte sich nach seinem Masterstudium in International Trade and Finance an der Yonsei-Universität in Seoul vor Ort einen Job. Zu dem zweijährigen Studium hatte er sich entschlossen, da ihn die technologische Entwicklung des Landes nach dem Ende des Koreakriegs 1953 beeindruckte. Bei der Jobsuche kamen ihm dann seine Sprachkenntnisse zugute.

Die besten Jobs von allen


"In den Firmen wird oft nur Koreanisch gesprochen, auch viele Dokumente werden in der Sprache verfasst", sagt Wieland. Unternehmen würden daher lieber Koreaner einstellen, die gut Englisch sprechen, als Ausländer, die kein Koreanisch können. Seine Kollegen haben ihn freundlich aufgenommen und fragen ihn regelmäßig, was Ausländer von ihren Sitten halten. Oft geht es ums Essen, sagt Wieland, "etwa, ob ich Kimchi mag, diesen speziell zubereiteten Chinakohl, oder ob ich schon mal Soju-Schnaps getrunken habe".

Zwar hat er im Job einen AusländerBonus, dennoch gebe es Fettnäpfchen. Wichtig sei es zum Beispiel, immer höflich und respektvoll zu sein. Wieland hat es sich angewöhnt, anderen Getränke mit zwei Händen einzuschenken, eine gängige Respektbezeugung Älteren gegenüber. Inzwischen ist ihm das in Fleisch und Blut übergegangen. Andererseits müsse er, anders als Koreaner, die Hierarchien nicht immer einhalten. Wenn er also eine Information benötigt und der Ansprechpartner gerade nicht da ist, setzt er sich über die Rangordnung hinweg. "Als Ausländer ist das schon mal möglich."

Wielands Arbeitstag beginnt früh. Um 6.45 Uhr fährt er mit dem Firmenbus ins Büro, um acht Uhr sitzt er am Schreibtisch. Wie er abends nach Hause kommt, muss er dagegen selber sehen. "Koreaner erwarten, dass Überstunden gemacht werden." Deshalb gebe es auch abends keinen von der Firma organisierten Transport, "damit die Leute länger arbeiten". Er arbeitet etwa 50 Stunden pro Woche, dabei gehöre er schon zu den Leuten, die relativ früh Feierabend machen, sagt er.

Wieland hat einen Lokalvertrag, der ihn deutlich von den Expatriats unterscheidet, die bei einer Firma in ihrer Heimat angestellt sind. Sein Jahresgehalt beträgt nur etwa 25000 Euro. Damit kommt er gut aus - wenn er koreanisch lebt. Das heißt: koreanisch essen und seine Freizeit wie ein Koreaner gestalten, etwa wandern oder Karaoke. Viel Geld zur Seite legen kann er nicht. Auch europäischer Käse, Wein oder deutsches Bier sind nicht drin.

Doch das stört ihn nicht. Abgesehen von seinem Gehalt sei er anderen Expats gegenüber im Vorteil: "Ich sehe mehr vom Land und lerne die Kultur kennen." Der Deutsche wohnt mitten unter Koreanern in einer Vorstadt von Seoul, eine größere Wohnung mitten in der Stadt wäre zu teuer. Kontakt hat er vor allem zu Koreanern, weniger zu Deutschen, und das wird sich in den nächsten Jahren wohl auch nicht ändern. Philipp Wieland will hier bleiben und sich, wenn alles gut läuft, in einigen Jahren selbstständig machen.

Dieser Artikel ist erschienen am 03.04.2008