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Mehdorns Mitstreiter

Von Eberhard Krummheuer
62 Stunden Streik im Güterverkehr, 48 Stunden im Personenverkehr ? da mag die Deutsche Bahn mit ihrer Verbitterung nicht mehr hinter dem Berg halten. Doch die Bahn-Vorstände Norbert Bensel und Karl-Friedrich Rausch sind auch im Streik keine Freunde von Kraftmeierei.
Norbert Bensel ist bei der Bahn Vorstand für Transport und Logistik. Foto: dpa
DÜSSELDORF. 62 Stunden Streik im Güterverkehr, 48 Stunden im Personenverkehr ? da mag die Deutsche Bahn mit ihrer Verbitterung nicht mehr hinter dem Berg halten. ?Stoppen Sie diesen Wahnsinn, Herr Schell!? forderte das Unternehmen gestern auf ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen vom Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), Manfred Schell.Die Aufforderung, endlich an den Verhandlungstisch zurückzukehren, ist mit Polemiken geschmückt, die eher das Gegenteil bewirken dürften. Da schreibt die Bahn: ?Hören Sie endlich auf, ein ganzes Land zu bestreiken.? Und noch eins drauf: ?Uns geht es darum, für die Lokführer etwas zu tun. Ihnen nur noch um die Macht der GDL.?

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Die Diktion der beiden Bahn-Manager, die an oberster Stelle die Streikfolgen ausbaden müssen, ist das kaum. Für den stets sachlich-gelassen auftretenden Ex-Lufthanseaten Karl-Friedrich Rausch, Vorstand für den Personenverkehr, ist es schon fast ein emotionaler Ausbruch, als er vor einem der letzten Streiktage die widerspenstige Arbeitnehmerorganisation mit diesem Aufruf öffentlich anspricht: ?Wir sitzen quasi schon am Verhandlungstisch und warten, dass auch die andere Seite Platz nimmt.?Auch Norbert Bensel, Vorstand Transport und Logistik, ist ein Mann der leisen Töne, dem man eher eine Charmeoffensive als ungehobelte Kraftmeierei zutraut. Ihm dürfte es zudem in den Fingern jucken, in den Tarifkonflikt an vorderster Front einzugreifen: Der promovierte Chemiker ist von seinem Berufsweg her mehr ein Personaler als ein Logistiker, mit entsprechenden Stationen quer durch die Wirtschaft von Schering bis Daimler. Und auch bei der Bahn startet er im Jahr 2002 als Personalvorstand.Beide haben in der Vergangenheit für Bahn-Chef Hartmut Mehdorn Kohlen aus dem Feuer geholt. Der promovierte Wirtschaftsingenieur Rausch kommt 2001 als Technik-Vorstand zur Bahn. Doch dann wartet eine ungleich komplexere Aufgabe auf ihn. Nach der gescheiterten Einführung eines neuen Preissystems übernimmt er von seinem ehemaligen Lufthansa-Kollegen Christoph Franz das Ressort Personenverkehr in einem äußerst desolaten Zustand.Der Fernverkehr ist tief in die roten Zahlen gerutscht, weil verärgerte Bahnkunden in Scharen davonlaufen. Hinzu kommt: Dass der im Unternehmen sehr beliebte Vorgänger wegen des Fiaskos mit dem Preissystem gehen muss, verstehen viele Führungskräfte als ungerechtfertigtes Bauernopfer.So muss sich Rausch auch nach innen durchsetzen. Es gelingt ihm auf seine unprätentiöse Art, sein Team zu überzeugen. Und der Turn-around aus den roten Zahlen ist schon fast spektakulär. Von 2003 bis 2006 verbessert der Fernverkehr bei einem Umsatzvolumen zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro das Ergebnis um mehr als eine halbe Milliarde und schreibt seit vergangenem Jahr wieder schwarze Zahlen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bensel kennt GDL-Oberlokführer Schell aus vielen nächtelangen Sitzungen persönlichBensel kennt aus seiner Zeit als Konzern-Personalchef den streitbaren GDL-Oberlokführer Schell aus vielen nächtelangen Sitzungen persönlich. Auch das derzeitige zentrale Tarifstreit-Thema ? ein eigenständiger Tarifvertrag für die Lokführer ? ist ihm nicht neu. Denn das hatte schon 2003 zur ersten Konfrontation und zu letztlich ergebnislosen Verhandlungen geführt. Und das, obwohl Bensel in Gewerkschaftskreisen als besonnener, auch kompromissbereiter Gesprächspartner gilt.Schon damals hatte Bensel klar gesagt, was er heute als Chef des Güterverkehrs wiederholt: ?Die Lokführer sind auf dem besten Weg, ihre Arbeitsplätze wegzustreiken.? Der Ausstand führe automatisch dazu, dass die Kunden aus der Wirtschaft sich nach Transportalternativen umsehen, vom LKW bis zum Binnenschiff. Einmal verlorene Kunden wiederzugewinnen sei nun mal schwierig. Und so gelte die schlichte Formel: Weniger Güterverkehr auf der Schiene braucht weniger Lokführer.Den Duz-Freund aus alten Dasa-Zeiten machte Mehdorn 2005 zum Chef der Sparte Transport und Logistik. Von der Transportbranche als Nicht-Fachmann eher argwöhnisch beobachtet, arbeitet er sich in das komplexe Thema um die weltweit operierende Speditionstochter Schenker und den europäischen Schienengüterverkehr schnell ein. Es gelingt ihm, mit Hilfe einer starken Konjunktur die lange Zeit kriselnde Konzern-Güterbahn Railion in die schwarzen Zahlen zu schicken.Eher vorsichtig geht er nun die Expansion in Europa an. Über eine Mischung aus Zukäufen, Übernahmen, Partnerschaften und Beteiligungen platziert er die Bahn-Aktivitäten in Sachen Transport und Logistik in den Märkten, in denen gerade das grenzüberschreitende Geschäft immer erfolgversprechender wird.Einer der letzten Schachzüge ist die Übernahme der britischen Güterbahn EWS ? aus einfachem Grund: Die hat schon Lizenzen für den bislang abgeschotteten französischen Schienenmarkt.Ärger mit GDL-Chef Schell ? das ist für Bensel da nur ein Thema. Trotz des Streiks muss er die Integration von EWS vorantreiben. Und auch das weltweite Schenker-Geschäft läuft ohne Lokführer. Sein Kollege Rausch formuliert zwar auch Durchhalteparolen, doch der Streik bremst den Aufwärtstrend im Fernverkehr. Solange Züge ausfallen, verzichten viele Kunden auf die Bahn. Im umsatzstarken Vorweihnachtsreiseverkehr ist das für Rausch fatal.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Vita von Norbert Bensel und Karl-Friedrich RauschVita von Norbert Bensel1947 wird Norbert Bensel in Steinau an der Straße geboren. Er promoviert in Chemie und geht zu Schering in die Personalentwicklung.1987 wechselt er zur R+V-Versicherung als Leiter Personal- und Sozialwesen. Er wird 1992 Personalchef bei der Dasa in München und wechselt vier Jahre später konzernintern als Vorstand zur Debis. Er wird 2001 Personalvorstand bei Daimler-Chrysler Services in Berlin.2002 wird Bensel Personalvorstand der Deutschen Bahn und 2005 Chef der Sparte Transport und Logistik.Vita von Karl-Friedrich Rausch1951 wird Karl-Friedrich Rausch in Laubach/Hessen geboren. Er schließt 1980 sein Studium als Wirtschaftsingenieur an der TH Darmstadt ab, wird zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter und promoviert später.1985 startet er seine Karriere bei der Deutschen Lufthansa. Er ist zuletzt Vorsitzender des Bereichsvorstandes der Lufthansa Passage Airline und für den Passagierverkehr zuständig.2001 wird Rausch bei der Deutschen Bahn Vorstand Technik, 2003 dann Vorstand Personenverkehr.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.11.2007