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Medienecho: Kleinfeld ? ?Der Ruinator?

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld ist auf dem besten Weg, seinem Kollegen Josef Ackermann von der Deutschen Bank den Rang als oberster Buhmann unter den Top-Managern abzulaufen. Das zeigt die aktuelle Medien-Berichterstattung. Bedrohlicher als die Kritik von Gewerkschaften soll die Unzufriedenheit unter Spitzenmanagern im Konzern sowie bei Investoren sein.
HB FRANKFURT. Kleinfeld wird von Gewerkschaften, Politikern und Medien heftig gescholten: Seit Wochen hagelt es Kritik wegen der geplanten Gehaltserhöhung von 30 Prozent für die Vorstandsetage, während bei einzelnen Sparten des Konzerns Jobabbau droht. Nun kommt die Pleite des an BenQ verkauften Handygeschäfts hinzu, für die Kleinfeld ebenfalls einstecken muss.?Der Ruinator? lautet die Überschrift der ?Bild am Sonntag? über ein Bericht zu BenQ und Kleinfeld. Der Siemens-Chef, einst als ?Wunderknabe? und ?Querdenker? gefeiert, habe binnen weniger Tage seinen Ruf ruiniert, heißt es da. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos zeigte sich in der ?Bild am Sonntag? enttäuscht ?von den unternehmerischen Leistungen? bei Siemens. Was Nokia geschafft habe, hätte Siemens auch schaffen müssen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers verlangte in der ?Bild? Angaben über die Hintergründe der Pleite. BenQ und Siemens müssten den Verdacht aufklären, ob die Insolvenz seit der Übertragung von Siemens auf BenQ von langer Hand vorbereitet worden sei.

Die besten Jobs von allen

Die ?Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung? schrieb unter dem Titel ?Das Versagen des Klaus Kleinfeld?, ausnahmsweise könnten sich die Manager nicht mit den Mängeln am Standort Deutschland herausreden. ?Nicht das Gemurkse der großen Koalition, nicht die hohen Steuersätze sind haftbar zu machen für das Handy-Debakel.? Auch hohe Löhne seien kein Grund, denn deren Anteil an den Produktionskosten liege bei Mobiltelefonen bei unter 10 Prozent.Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Im Aufsichtsrat grummelt es"Motorola führe in Flensburg vor, wie in Deutschland profitabel Handy gebaut werden. ?Wenn sich ein Unternehmen unter diesen Umständen nicht behaupten kann auf einem Markt, der weltweit wächst, dann muss es an den Köpfen liegen?, schreibt die ?FAS?. Der heutige Siemens-Chef selbst habe das Telefongeschäft im Konzern geführt, ehe er zum Vorstandsvorsitzenden befördert wurde und die Mobiltelefonsparte an BenQ verkaufte.Dass sich Gewerkschafter auf Kleinfeld eingeschossen hätten, könne der Siemens-Chef wohl verkraften. Bedrohlicher sei indes die Unzufriedenheit unter Spitzenmanagern im Konzern sowie bei Investoren. ?Im Aufsichtsrat grummelt es, und der hat über Kleinfelds Vertragsverlängerung zuentscheiden?, erklärte die ?Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung? die derzeitige Lage.Schon am Freitag hatte der Münchner IG-Metall-Chef Harald Flassbeck im Zusammenhang mit der BenQ-Pleite von einem ?schmutzigen Trick? gesprochen, mit dem sich Siemens seiner Beschäftigten entledigt habe: ?BenQ war offensichtlich für die Drecksarbeit, nämlich das Abwickeln der Siemens-Handysparte, zuständig?.Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) räumte Kleinfeld nach der Pleite von BenQ Mobile nur noch eine Schonfrist an der Spitze des Konzerns ein. ?Herr Kleinfeld ist mit großen Ansprüchen angetreten, wird diesen aber momentan nicht gerecht. Der Konzern sollte seinen obersten Angestellten noch mal zwölf Monate beobachten und - wenn der große Wurf weiter ausbleibt - die nötigen Konsequenzen ziehen?, sagte Nieding der ?Bild am Sonntag?.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wer so hohe Ansprüche weckt, der hockt auf einem Schleudersitz.??Teilweise haben die Manager den Mund sehr voll genommen, da ist die Erwartungshaltung entsprechend groß?, betonte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Klaus Schneider, im ?Tagesspiegel am Sonntag?. ?Wer so hohe Ansprüche weckt, der hockt auf einem Schleudersitz.? Es werde Zeit, dass auch mal ein Vorstand gehe. ?Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, sich aus Neid auf andere Vorstände die Gehälter um 30 Prozent zu erhöhen und gleichzeitig die Ziele zu verfehlen?, sagte Schneider.?Viele Chefs glauben, dass nur die Politik Akzeptanz nötig hat, doch die Unternehmen brauchen diese gesellschaftliche Akzeptanz genauso dringend?, kritisierte der ehemalige Berliner Senator für Stadtentwicklung und heutige Partner beim Beratungsunternehmen Pleon Public Affairs, Peter Strieder.?Die Entscheidungen einiger Top-Manager fördern nicht gerade einen gesellschaftlichen Konsens?, sagte der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann. ?Der normale Bürger schüttelt dabei nur noch den Kopf. Auch Manager haben eine soziale Verantwortung für ihre Mitarbeiter - nicht nur für ihre Aktionäre?, betonte der CDU-Politiker, der auch Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen ist.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.10.2006