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Meckis auf Master-Fang

Susanne Niethen, Recruiting-Chefin bei McKinsey, über den Wert des MBA-Titels für eine Karriere bei Deutschlands bekanntester Unternehmensberatung.
Susanne Niethen, Recruiting-Chefin bei McKinsey, über den Wert des MBA-Titels für eine Karriere bei Deutschlands bekanntester Unternehmensberatung. McKinsey gehört zu den größten MBA-Recruitern. Warum sind Sie so scharf auf Business-School-Absolventen?

Susanne Niethen: MBAler sind meist Schnellstarter. Sie bringen auf Grund ihrer Lern- und Lebenserfahrung hervorragende Voraussetzungen mit, um sich sehr rasch einzuarbeiten.

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Was können MBA-Absolventen, das andere nicht können?

Unter den MBA-Absolventen finden sich überdurchschnittlich viele Kandidaten, die für uns interessant sind. Das liegt daran, dass sie an den Business Schools in hohem Maß die Erfahrungen machen und die Fähigkeiten ausbilden, die Kern der Beratertätigkeit sind - zum Beispiel Problemlösungsfähigkeiten durch Bearbeitung von Case Studies, Internationalität, Erfahrung mit intensiver Teamarbeit. Außerdem bringen die meisten bereits Berufserfahrung im anspruchsvollen Umfeld mit.

Wie viele MBAler stellt McKinsey ein?

Weltweit hat etwa die Hälfte unserer Berater einen MBA-Abschluss, in Deutschland rund zehn Prozent. Für 2003 planen wir, in Deutschland insgesamt mindestens 200 Beraterinnen und Berater einzustellen; davon wenn möglich deutlich mehr als ein Zehntel mit MBA-Abschluss

Wer hat bei Ihnen bessere Chancen: Bewerber mit MBA oder mit Doktortitel?

Wir glauben, dass es auf die Mischung ankommt. Wir suchen Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Profilen aus allen Fachrichtungen, darunter sowohl praxisorientierte MBAler als auch Absolventen in theoretischer Physik und promovierte Sozialwissenschaftler. "Macher"-Qualitäten sind sicher die Stärken des MBAler; tiefes Fachwissen in einzelnen Fachbereichen wird eher durch eine Promotion erworben.

Sie rekrutieren nur an einer Hand voll vorwiegend US-amerikanischer Business Schools. Warum?

Grundsätzlich stellen wir Absolventen aller zertifizierten MBA-Programme als Associate ein, wenn ihr Profil unseren Anforderungen entspricht. An einigen Schulen sind wir allerdings besonders aktiv, um die Top-Talente für uns zu gewinnen, zum Beispiel Harvard Business School, Sloan, Stern, Kellog, Stanford, London Business School. Wir gehen an die großen Top-Schulen, wo eine signifikante Anzahl deutschsprachiger Studenten vertreten ist.

Sehen Sie europäische Schulen als zweitrangig an?

Nein. Leider sind die MBA-Abschlüsse in Deutschland beziehungsweise Europa immer noch selten, aber das wird sich in Zukunft ändern. In Amerika ist der MBA seit langem etabliert, und die Qualität des Abschlusses ist als sehr hoch einzustufen. Auch in Europa gibt es aber bereits Top Schools wie Insead oder die LSE, an denen wir auch sehr aktiv sind

McKinsey bietet Mitarbeitern mit Diplom oder Magister auch die Möglichkeit, einen MBA nachzuholen. Wie sieht die Förderung konkret aus?

Im so genannten Fellowship-Programm wird das Gehalt für ein Jahr weitergezahlt, und die Nutzung der McKinsey-Infrastruktur ist während dieser Zeit auch möglich. Darüber hinaus übernehmen wir bis zu 50 Prozent der Studiengebühren - egal an welcher Schule der Abschluss gemacht wird.

Zahlt es sich finanziell aus, bei McKinsey einen MBA zu haben?

Ob es sich auszahlt, beim Einstieg einen MBA zu haben, möchte ich lieber mit den Kandidaten direkt besprechen. Die finanzielle Attraktivität, einen MBA im Rahmen des Fellowship-Programms zu machen, liegt auf der Hand, auch ohne aufwändige Barwertrechnungen.

McKinsey schreibt für die Harvard Business School auch ein eigenes Stipendium aus. Wer kann sich bewerben?

Auch in diesem Jahr wird wieder ein neues Stipendium - das Herbert-A.-Henzler-Stipendium - für ein Studium an einer amerikanischen Eliteuniversität vergeben, und es ist nicht nur auf Harvard beschränkt! Bewerben können sich deutschsprachige, engagierte Hochschulabsolventen mit herausragenden Studienleistungen und gegebenenfalls auch ersten überzeugenden Berufserfahrungen noch bis Ende Mai. Träger des Stipendiums ist die Marvin Bower Gesellschaft zur Förderung der transatlantischen Ausbildung e.V., eine gemeinsame Gründung der Unternehmensberatung McKinsey & Company und ehemaliger Mitarbeiter der Consulting-Firma.

Die Fragen stellte Christoph Mohr

Weitere Informationen zum Mc-Kinsey-MBA-Stipendium unter: www.marvin-bower-gesellschaft.de
Dieser Artikel ist erschienen am 20.03.2003