Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

MBA für Unternehmensgründer

Christoph Mohr
Nach US-Vorbild gehen nun auch die führenden Business Schools in Europa stärker zur Ausbildung von Unternehmern über.
Amerika macht es vor: Ein MBA öffnet nicht nur den Weg zu Investmentbanken und Beratungsunternehmen. Auch wenn die meisten Business-School- Absolventen in diesen beiden Bereichen landen, bieten gute Business Schools heute auch angehenden Gründern hervorragende Möglichkeiten.Zwei Phänomene kommen hier zusammen. Zum einen das Stanford- Silicon-Valley-Modell: Weltweit hat sich herumgesprochen, dass es den US-amerikanischen IT-Boom, ja die New Economy nicht gegeben hätte, wenn nicht wagemutige Stanford-Absolventen Unternehmen gegründet hätten. Diese Verbindung zwischen Universität und Unternehmensgründung wollen heute viele Hochschulen kopieren. Zum anderen ist klar, dass auch in klassischen Managementpositionen unternehmerisch gedacht werden muss.

Die besten Jobs von allen

Anfangs ein US-Phänomen, ist Entrepreneurship in den letzten Jahren auch an den meisten guten Business Schools in Europa ein zumindest optionaler Bestandteil des MBA-Curriculums geworden. Auch wenn dies noch nicht amerikanische Dimensionen erreicht, werden sich Deutsche, die sich mit dem Gedanken an eine Unternehmensgründung tragen, solche Angebote genauer anschauen wollen. In Deutschland nahezu unbekannt ist die Vorreiterrolle, die die vom Opus Dei kontrollierte spanische Top-Schule IESE beim Thema Entrepreneurship gespielt hat. Bereits seit 1974 werden in Barcelona Entrepreneurship-Kurse angeboten und IESE-Professor Pedro Nueno, selbst Harvard-Absolvent, gehört hier zu den führenden Akademikern in Europa. Neben dem eigentlichen Kursangebot veranstaltet IESE jährlich als Marktplatz der Ideen und Projekte das "New Business Forum" und unterhält sogar einen eigenen kleinen Venture-Capital-Fund.Der hat auch dem deutsch-türkischen Unternehmensgründer Dogan Gündogdu, der sich mit einer Finanzberatungsgesellschaft für in Deutschland lebende Türken in Frankfurt und Köln selbstständig machte, auf die Sprünge geholfen. "Ohne mein MBA-Studium an IESE und Pedro Nueno wäre das nicht möglich gewesen", sagt Gündogdu rückblickend.Über einen eigenen Inkubator ("The Hatchery") verfügt auch die Smurfit School of Business in Dublin, Irlands führende Business School mit guten Kontakten in die USA. Seit Gründung im Jahr 2000 sind hier bereits 13 Unternehmen entstanden.Noch bessere Möglichkeiten für angehende Gründer bieten sich an Business Schools in Großbritannien. Oxford und Cambridge locken nicht nur mit ihren altehrwürdigen Universitätscolleges und jungen, hoch modernen Business Schools (Judge in Cambridge und Said in Oxford). "Dieses Wechselspiel von im akademischen Bereich geborenen Ideen und der praktischen Umsetzung und Unterstützung durch die Finanzseite ist einmalig", sagt Stephan Bisse. Der deutsche Investmentbanker, der mehrere Jahre für Goldman Sachs in London tätig war, lernte während seines MBA-Studiums in Oxford den auf Spieltheorie spezialisierten Dozenten Nir Vulkan in seinem College kennen. Heute betreiben beide ein Unternehmen, das die Spieltheorie für Finanzvorhersagen nutzen will. Mit gleich drei interessanten Angeboten für Gründer lockt London. Für eine enge Verzahnung von Technologie, Innovation und Business steht das Imperial College und seine Tanaka Business School. Der Deutsche Udo Dengel ging nach einer Karriere bei einem deutschen Autozulieferer an die Schule, gewann dort den Businessplan-Wettbewerb "Entrepreneurs Challenge" und will jetzt mit seiner Neugründung General Electric und Siemens Konkurrenz machen. "Den Business Plan mit den besten Wissenschaftlern des Imperial College entwickeln zu können, war eine einmalige Chance", sagt Dengel.Enge Kontakte bietet auch Cass (ex-City University Business School) mit SIMFONEC, einem von der britischen Regierung finanzierten "Sciences and Enterprise Centre", an dem auch das forschungsstarke King's College beteiligt ist, sowie dem "Cass Entrepreneurs Network" (CEN).Ihr für "europäische Verhältnisse" langes MBA-Studium wirft die London Business School in die Waagschale. Während der zwei Jahre an der LBS können die MBA-Studenten nicht nur Entrepreneurship lernen, sondern auch ihre eigene Geschäftsidee entwickeln.Im Rahmen einer transatlantischen Allianz mit Babson College hat die LBS im letzten Jahr sogar selbst ein "akademisches Startup" ins Leben gerufen: den Global Entrepreneurship Monitor (GEM).Babson College, 20 Kilometer westlich von Boston gelegen, gehört nicht zu den Top 25-Business Schools in den USA. Was jedoch Entrepreneurship anbelangt, haben alle Kenner die Schule ganz oben auf der Liste. Babson ist das Modell, an dem sich viele Business Schools orientieren. "Entrepreneurship ist in das gesamte MBA-Curriculum integriert", erklärt Dean Mark P. Rice. "Das erste Jahr ist sogar nach dem Lebenszyklus eines Startup-Unternehmens aufgebaut." Und mit Stolz fügt Entrepreneurship-Professor Jeffry A. Timmons hinzu: "Wir waren eine der ersten Business Schools, die einen eigenen Business Plan-Wettbewerb hatte." Heute können die Babson-Studenten hierbei mehr als 80 000 US-Dollar in cash gewinnen. Der eigene Inkubator ermöglicht Anschubfinanzierungen zwischen 5 000 und 20 000 US-Dollar.So erstaunt es nicht, dass auch die Ambitionen von London Business School und Babson College groß sind, soll GEM doch die internationale Referenz in der Entrepreneurship-Forschung werden, mit Studien ("GEM Global Report") und Länderberichten, einer großen internationalen Konferenz etc.Bei so viel Konkurrenz musste sich auch INSEAD, die Schule, die mit der LBS um den Titel der europäischen Nummer 1 wetteifert, etwas einfallen lassen. Ihre zwei Standorte in Fontainebleau (Frankreich) und Singapur ausspielend, setzt die Top-Schule auf "Entrepreneurship Beyond Borders" und behauptet etwas verwegen: "Andere Business Schools sind in ihrem lokalen/nationalen Bezug verhaftet, wird wollen die Nummer 1 für ,global entrepreneurship sein." Der Beweis steht noch aus.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.05.2004