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Maut-Debakel kostet Telekom-Vorstand Job

Josef Brauner hat die Verantwortung für die Pannenserie beim Mautbetreiberprojekt Toll Collect übernommen: Überraschend stellt der für das Festnetzgeschäft der Deutschen Telekom zuständige Vorstand seinen Posten zur Verfügung. Die Entscheidung fiel offenbar spontan und ohne Druck von oben.
Telkom-Vorstand Josef Brauner. Foto: dpa
HB BONN. Der als Vertrauter des früheren Konzernchefs Ron Sommer geltende Brauner hatte in den vergangenen Monaten für die Telekom die Verhandlungen über die Lkw-Maut mit der Bundesregierung geführt.Kommissarischer Nachfolger für das Deutschland-Geschäft der Festnetz-Sparte werde Vorstandschef Kai-Uwe Ricke, das Auslandsgeschäft werde vorübergehend Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick übernehmen. Das Lkw-Maut-Projekt werde künftig vom Chef der Telekom-Systemhaus-Tochter T-Sytems, Konrad Reiss, geleitet. T-Com liefert mit zahlreichen Beteiligungen in Osteuropa den Großteil des Gewinns und des Umsatzes des größten europäischen Telekom-Unternehmens. Künftig wolle Brauner der Telekom als Berater insbesondere für das Auslandsgeschäft der Festnetztochter zur Verfügung stehen.

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Nach Angaben aus Unternehmenskreisen fiel Brauners Entscheidung aus eigenem Antrieb, er wurde nicht dazu gedrängt. Es sei weder von Vorstand und Aufsichtsrat noch vom Großaktionär Bund Druck auf Brauner ausgeübt worden,hieß es. Vielmehr sei Brauner selbst zu der Überzeugung gelangt, dass er sein Amt nicht mehr angemessen ausüben könne, da er extern ständig in Zusammenhang mit der Entwicklung bei Toll Collect gebracht werde. Die Entscheidung zum Rücktritt sei spontan gefallen.Der 54-jährige Brauner steht seit Mitte 1997 auf der Gehaltsliste der Telekom. Ex-Konzernchef Ron Sommer hatte ihn von Sony Europe, wo dieser früher selbst beschäftigt gewesen war, zur Telekom geholt. Dort war Brauner zunächst für das Ressort Vertrieb zuständig, später für die Tochtergesellschaften T-Systems und T-Com. Brauner habe entscheidend zu der Entwicklung der T-Com beigetragen, erklärte Vorstandschef Kai-Uwe Ricke.Das unter Toll Collect firmierende Maut-Projekt sollte ursprünglich Ende August 2003 starten und dem Bund monatlich Einnahmen von rund 160 Mill. Euro sichern. Wegen zahlreicher technischer Pannen wird sich das satellitengestützte Bezahl- und Abrechnungssystem jedoch bis Anfang 2005 verzögern. Dann soll eine abgespeckte Variante starten, die Vollversion soll ein Jahr später folgen. Die Bundesregiwerung hatte dem Industriekonsortium Toll Collect mit der Kündigung des Betreibervertrages für die Lkw-Maut gedroht. In einem Spitzengespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einigten sich die Toll-Collect-Partner Ende Februar jedoch auf eine Fortsetzung der Verträge.An Toll Collect ist die Telekom wie Daimler-Chrysler mit 45 Prozent beteiligt, der französische Autobahnbetreiber Cofiroute hält die restlichen zehn Prozent.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.03.2004