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Matthias Rucker

Mein Name ist Matthias Rucker und ich bin 25 Jahre jung. Nach meinem Studium der Wirtschaftsinformatik habe ich zwei Jahre in einer Unternehmensberatung gearbeitet.
Seit Oktober 2005 absolviere ich nun mein MBA-Studium an der Rotterdam School of Management.
In diesem Tagebuch möchte ich euch von meinen Erfahrungen berichten und hoffentlich allen helfen, die vor der Entscheidung stehen, einen MBA zu machen.
Warum eigentlich RSM?
Wie kann ich mich bewerben?
Wie soll ich das alles bezahlen?
Wie lebt es sich so in Rotterdam?
Refresher Week
1. Semester
2. Semester
3. Semester


Warum eigentlich ein MBA?
Die zentrale Frage. Warum sollte ich einen eigentlich sehr guten Job aufgeben und mich wie-der ins Studentenleben stürzen? Für alle, die wie ich nicht von der bisherigen Firma gesponsert werden ein klares Risiko, das wohl überlegt werden sollte.

Der klassische Anlass für einen MBA ist meistens immer das Bedürfnis, sich in irgendeiner Form beruflich zu verändern. Wenn man zum Beispiel in den USA arbeiten möchte, aber noch keine Erfahrung dort hat, macht es Sinn, seinen MBA dort zu machen. Viele kommen auch von einem technischen Background und schaffen sich mit dem MBA die Plattform für eine Management Karriere. Und dann gibt es auch noch Menschen wie mich, die zu tief in einer Branche stecken und mit dem MBA den Wechsel in eine andere Industrie anstreben.

Die besten Jobs von allen

Eines ist klar: Auch nach dem MBA möchte ich wieder in einer Beratung arbeiten. Daher war meine Erwartung neben dem Einblick in neue Branchen und Tätigkeitsfelder insbesondere eine solide Ausbildung in allen Management-Themen. Und das nicht nur akademisch, sondern Fallstudien-basiert im Dialog mit einem möglichst internationalen Curriculum.Welcher Grund für den MBA es auch immer sein mag, man sollte sich auf jeden Fall bewusst sein, dass es eine sehr intensive Zeit ist. Die Arbeitsbelastung ist in allen Programmen sehr hoch und damit sich all die zeitlichen und finanziellen Opfer auch lohnen, ist eine gute Vorbereitung und die Auswahl der richtigen Schule unerlässlich. Im nächsten Abschnitt werde ich deshalb über meinen Entscheidungsprozess berichten und was mich letztendlich nach Rotterdam geführt hat. Warum eigentlich RSM?
Bei der Auswahl der Schule bin ich eigentlich recht pragmatisch vorgegangen. Die erste Entscheidung war, den MBA in Europa zu machen. Ein Grund war, dass ich auch nach dem Studium in Europa bleiben möchte und daher mein Netzwerk hier erweitern wollte. Zudem reizte mich die USA als Land nicht mehr so, da ich dort bei meiner Familie schon einige Zeit verbracht habe.

Nächstes Kriterium waren diverse Rankings, wie zum Beispiel das von Karriere. Auch wenn ich generell kein Freund von Rankings bin, sollten sie doch eine große Rolle in der Auswahl der Schule bieten. Ein guter Name ist einfach wichtig, um den Aufwand des Studiums zu rechtfertigen und den bestmöglichen Mehrwert zu erzielen. Viele Firmen haben bestimmte Ziel-Schulen, bei denen Sie regelmäßig rekrutieren. Die Auswahl richtet sich meist nach dem Ranking und nach den Erfahrungen mit den Studenten der Schulen in den letzten Jahren.Nachdem ich also die Auswahl auf die Top Ten in Europa beschränkt habe, bin ich ins Detail gegangen. Ich habe Webseiten besucht, Erfahrungsberichte wie dieses Tagebuch gelesen und auch versucht, mit Studenten und Administration der Schulen Kontakt aufzunehmen. Letztlich habe ich mich dann bei drei Schulen beworben und bin glücklicherweise auch von allen akzeptiert worden. Für RSM habe ich mich dann Ende Mai nach dem Besuch eines Open Days entschieden, was ich eigentlich jedem nur empfehlen kann. An diesem Tag hatte ich anhand zweier Beispiel-Kurse einen super Einblick, wie es später sein wird. Zudem habe ich auch schon einige meiner jetzigen Mitstudenten kennen gelernt, mit denen ich dann schon im Vorfeld des Studiums viele Dinge koordinieren konnte.Ein wesentlicher Grund für meine Entscheidung für RSM war, dass die Schule mit ca. 100 Studenten relative klein im Vergleich zu anderen Top Schulen wie LBS oder INSEAD ist. Das mag Vor- und Nachteile habe, ich schätze jedoch sehr den Zusammenhalt und das persönliche Umfeld. Auch bei der Auswahl der Kandidaten wird viel Wert auf Teamplayer und soziale Kompetenz gelegt. Zudem ist RSM mit 94% internationalen Studenten aus insgesamt 36 Ländern extrem vielseitig. All das prägt eine einzigartige Kultur, die wirklich Spaß macht. Und das stellen wir auch immer wieder gerne bei diversen Case Competitions weltweit unter Beweis. Wie kann ich mich bewerben?
Der Prozess ist eigentlich sehr gut auf der Webseite www.rsm.nl beschrieben und unterscheidet sich nicht sehr von anderen Schulen. Ich selber habe mich so Mitte Februar per gelber Post beworben. Alternativ steht auch ein Online Tool zur Verfügung.

Insgesamt habe ich den Ablauf als sehr positiv empfunden. In einer ersten Runde werden die Bewerbungen durchgesehen und eine Vorauswahl getroffen. Erfolgreiche Kandidaten bekommen dann einen Interviewpartner zugewiesen. Dieser kann sowohl ein Professor sein (für alle die nach Rotterdam fahren möchten) oder ein Alumni, der in der Nähe des Kandidaten wohnt. Ich selbst habe mich in München zu einem Abendessen verabredet und wir haben alle Punkte dort besprochen. Inhalt waren Fragen zum persönlichen Background, Motivation und eine kurze Fallstudie. Mein Gesprächspartner war sehr angenehm und hat mir auch sehr viele Tipps mit auf den Weg gegeben. Allerdings habe ich aber auch von unangenehmeren Begegnungen gehört.Nach dem Interview musste ich dann noch etwa zwei Wochen warten und habe dann meine Bestätigung per E-Mail erhalten. Nun konnte ich mit der Planung so richtig loslegen. Meine finanziellen und Rotterdam-spezifischen Vorbereitungen sind in den nächsten beiden Kapiteln beschrieben. Wie soll ich das alles bezahlen?
Das liebe Geld. RSM hat auf seiner Webseite diverse Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung aufgelistet. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass die einzig wirklich interessante Option für Bewerber aus Deutschland das RSM Erasmus University/Karriere Stipendium ist, das die gesamten Studiengebühren von 34 000? umfasst. Die einzige Voraussetzung für eine Bewerbung ist natürlich die Aufnahme in das MBA-Programm. Drei Finalisten werden im August nach Düsseldorf eingeladen und müssen dort eine Präsentation vor einer Jury bestehend aus RSM, Karriere und einem Alumni halten. Der Gewinner bekommt bereits am nächsten Tag Bescheid.

Weitere Möglichkeiten könnten ggf. noch der Deutsche Akademische Austauschsbund (DAAD) oder der Rotary Club sein. Die meisten meiner deutschen Mitstudenten zahlen den MBA jedoch mit eigenen Mitteln. Gerade viele Asiaten nutzen Kredit-Programme, wie zum Beispiel das der ING Bank. Daneben gibt es auch noch ein paar Studenten mit Firmenunterstützung. Wie lebt es sich so in Rotterdam?
Okay. Rotterdam ist nicht Barcelona oder Paris. Und auch Kundenservice wird hier in vielen Fällen nicht so richtig groß geschrieben. Eine interessante Geschichte ist die Eröffnung meines Bankkontos, die wohl insgesamt drei Wochen mit zahlreichen Nachfragen und Klärungsbedarf in Anspruch genommen hat.

Aber über so etwas ärgert man sich eigentlich nur am Anfang. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, kann man sehr gut darüber lachen. Und ich muss sagen, dass ich mich hier wirklich sehr wohl fühle. Die Stadt hat ein extrem internationales Flair, nicht zuletzt bedingt durch den Hafen und die historische Bedeutung als kulturelles Zentrum.Die Wohnungssuche kann man sich eigentlich sehr einfach machen. RSM hat eine eigene Housing-Website, auf welcher man bequem eine vollständig möblierte Wohnung aussuchen und buchen kann. Da bekommt eigentlich jeder etwas so zwischen 400 und 500? Warmmiete im Monat. Zur Auswahl stehen Apartments in diversen Studentenwohnheimen und dann noch private Wohnungen in der Innenstadt. Die meisten Wohnungen sind für 2 bis 3 Personen ausgerichtet, Einzelwohnungen sind schwer zu bekommen.Private Wohnungssuche kann ich nur bedingt empfehlen. Einige haben es versucht und zahlen nun mindestens 800? für eine qualitativ nicht unbedingt bessere Wohnung. Die Wohnungspreise sind im Allgemeinen relativ hoch in Rotterdam. Und ich muss wirklich sagen, dass ich die Webseite der Schule als sehr einfach und hilfreich empfunden habe.Ich selbst wohne im International House, dass ich an dieser Stelle allen Interessierten sehr empfehlen kann. Meine Wohnung teile ich mir mit meinem indischen Mitstudenten Nitin. Jeder hat ein eigenes Zimmer und dann gibt es noch eine gemeinsame Küche und ein Bad. Damit hat man auch schon alles, was man als Student so braucht. Alle Zimmer haben DSL und Waschmaschinen sind umsonst nutzbar.Das Geniale am I-house ist, dass hier nur internationale Studenten wohnen. Vom ruhigen Studieren bis zum wilden Feiern ist hier alles möglich. Ein Grossteil der MBA-Klasse wohnt hier und somit kann man sich auch gegenseitig mal schnell besuchen. Das hat sich bei den zahlreichen Assignments bereits sehr bewährt.Was gibt es sonst noch so zu wissen? Sobald man von der Schule akzeptiert wird, hat man Zugriff auf ein weiteres Online-System, das Blackboard. Auf diesen findet man neben den Informationen zu den einzelnen Kursen auch einige Infos über Rotterdam, Checklisten für die Wohnungen, Reisetipps etc. Hier findet man auch die E-Mail-Adressen aller bereits akzeptierten Studenten und kann sich schon einmal fleißig austauschen.Nun aber genug des Vorspiels. In den nächsten Kapiteln werde ich jeweils etwas zu den einzelnen Abschnitte des Studiums berichten. Refresher Week
Wie könnte das neue Studentenleben besser beginnen, als mit einer ganzen Woche Auffrischung Statistik und Mathe? Spannend! Noch bevor das Programm so richtig offiziell mit der Begrüßung und dem 1. Semester begann, war zum ersten Mal seit langem wieder einmal richtig büffeln angesagt. Es begann am Montag, den 3. Oktober mit einer kurzen Einführung und dann ging es auch schon los. Schließlich stand ja bereits das erste Examen am nächsten Montag an und gerade in Statistik gab es ordentlich was zu tun.

Aber natürlich war die Woche auch geprägt vom Treffen der neuen Mitstudenten. Geschlafen hat die Woche eigentlich keiner so richtig, musste man doch die Statistik-Lernerei mit den vielen Feiern (unter MBA?s auch ?Networking Events? genannt) verbinden. Am Donnerstag gab es dann den obligatorischen Pub Crawl, dessen Name wohl keiner weiteren Beschreibung bedarf. Absolutes Highlight ist jedoch das International Food Festival am Freitag, bei dem alle an RSM vertretenen Nationen (also ziemlich viele) nationale Gerichte vorbereiteten. Der Gewinner war klar Süd-Korea. Wir Deutsche haben uns etwas spät organisiert und dank der super Initiative von Philip dann doch noch Frikadellen angeboten. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle und der Ansporn an alle Deutsche im nächsten Jahr zumindest unter die ersten drei zu kommen. Es wird auf jeden Fall sehr schwer.Am Wochenende haben wir dann alle wieder Statistik gelernt, natürlich auch wieder Networking betrieben, und am nächsten Montag unser erstes Examen erfolgreich abgelegt.Abschließender Tipp: Dringend Namensgedächtnis im Vorfeld üben. Da in den ersten drei Monaten auch noch die MBA Studenten des Vorjahres anwesend sind, trifft man ständig neue Menschen. Und auch wenn es jedem so geht, wird es doch manchmal als unhöflich betrachtet, wenn man zum dritten Mal nach dem Namen fragt. Orientation Week
Nach den Examen am Montag begann eine sehr angenehme Woche, deren Fokus neben dem weiterhin üblichen Networking darin bestand, die Studenten mit der Struktur und der Philosophie der Schule vertraut zu machen. Wir hatte auch einige hochinteressante Gastredner wie Jan Baan, der einen Vortrag zum Thema Entrepreneurship gehalten hat. Darüber hinaus gab es einige organisatorische Dinge und viele gute Einblicke, wie es denn so sein wird in den nächsten 15 Monaten. Auch gab es jeden Tag immer ein Büffet mit sehr gutem Essen. Ab der nächsten Woche mussten wir jedoch entsetzt feststellen, dass dies nicht für den Rest des Programms so weitergehen wird.

Abschluss der Woche und unserer allgemeinen Verwöhnung war dann die Spido Boat Tour. Hierbei handelte es sich um eine nette abendliche Hafenrundfahrt mit Abendessen und anschließenden Drinks. Eingeladen waren neben den Studenten wieder einmal alle Angestellten und Professoren von RSM. Wie gesagt, wir alle sind eine große Familie.Die ersten beiden Wochen haben mich sehr in meiner Auswahl der Schule bestätigt. Sollten vorher noch Zweifel bestanden haben, so war ich mir jetzt absolut sicher. Denn all das, was ich bereits im Vorfeld über die RSM - Kultur hörte, hat sich absolut bestätigt. Jeder hier hat natürlich seine eigenen Ziele und beruflichen Vorstellungen, jedoch spürt man keinerlei internen Wettbewerb. RSM steht für Gemeinschaft, soziales Engagement und auch für Spaß, trotz der harten Arbeit gerade im 1. Semester. Semester 1
Das erste Semester begann am 17. Oktober 2005 und endete mit der letzten Klausur am 27. Januar 2006. Akademisches Ziel war das Erlernen wichtiger Grundlagen für das weitere Studium und eine spätere Management Karriere. Vor dem Start des Programms hörte ich, dass es das schwerste Semester sein wird. Und in der Tat war der Arbeitsaufwand enorm.

Im wesentlichen hatten wir fünf Kurse: Management Accounting, Economics, Organizational Behaviour, Management Science und Quantitative Platform for Business. Ich werde auf die Kurse gleich noch einmal im einzelnen eingehen. Zudem gab es noch ein Personal Leadership Development Programm, dass sich über die ersten beiden Semester hinzieht. Über dieses werde ich dann im zweiten Semester berichten.Für jeden der fünf Kurse gab es zwei Klausuren, ein Midterm Exam und ein Final Exam. Alle Examen wurden jeweils immer in einer Klausurwoche geschrieben. Hierbei gab es mal Gruppenexamen, mal individuelle Prüfungen. Zudem gab es in den einzelnen Fächern noch diverse Assignments, die meist in der Gruppe zu bearbeiten waren. Arbeiten in Teams
Das Thema Gruppenarbeit wird bei RSM sehr groß geschrieben. Zu Beginn jeden Semesters werden feste Teams mit jeweils fünf Personen eingeteilt, die dann für diesen Zeitraum fest zusammenbleiben. Dabei wird von RSM sehr viel Wert darauf gelegt, eine möglichst große Vielfalt an kulturellen, akademischen und professionellen Backgrounds in den Gruppen zu erzeugen. Ich habe gehört, dass es ein recht durchdachtes System mit vielen Input-Werten gibt. Bei mir hat es zumindest funktioniert. Ich war in einem Team mit einem Manager aus Russland, einem Softwareentwickler aus Indien, einer Supply-Chain-Spezialistin aus Taiwan und einem Telco-Experten aus Spanien.

Mit diesem Team verbringt man sehr viel Zeit und durchlebt mit Sicherheit auch die ein oder andere emotionale Achterbahn. Doch das zeichnet in meinen Augen die besondere Lernerfahrung aus. Ich dachte immer, dass ich ein guter Teamspieler bin, habe jedoch gerade diesbezüglich in den letzten Monaten einiges gelernt. RSM unterstützt diesen Prozess und stellt jeder Gruppe einen persönlichen Mentor zur Verfügung. Allerdings muss ich sagen, dass wir diesen nie gebraucht haben. Auch auf dem absoluten Tiefpunkt der Achterbahn, dem gefürchteten 24-Stunden Accounting Examen (war noch viel schlimmer als es klingt), kam es eigentlich nie zu größeren Problemen.Im Folgenden gehe ich auf die einzelnen Kurse des ersten Semesters im Detail ein. Quantitative Platform for Business
Nicht vom Namen blenden lassen! Hinter diesem wohlformulierten Begriff verbirgt sich mal wieder die geliebte Statistik. Philosophen, Richter und andere gelernte Geisteswissenschaften aufgepasst! Auf jeden Fall vor dem MBA sich in das Thema einlesen. Ansonsten kommt es in geballter Ladung in diesem Kurs. Ich selbst hatte damals im Abi einen Leistungskurs in Mathe und auch während meines früheren Studiums schon Statistik. Dennoch musste ich bei einzelnen Themen schon dreimal nachlesen, um es zu verstehen.

Beide Prüfungen (Midterm / Final) sind individuell abzulegen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch zwei Gruppen-Assignments, die sehr zeitaufwendig sind. Eine dieser Arbeiten war fällig einen Tag nach unseren kurzen Weihnachtsferien. Somit fiel die Zeit unter dem Christbaum letztes Jahr recht kurz aus.Der Benefit dieses Kurses ist ein gutes quantitatives Verständnis und eine verbesserte Interpretation statistischer Ergebnisse. Zudem bietet das Fach wichtige Grundlagen für das Operation Management im zweiten Semester. Management Accounting
Grausam aber genial! Mit Randy Kudar hatten wir einen kanadischen Professor, der auch ohne Probleme als Stand-Up Comedian Karriere gemacht hätte. Die Vorlesungen waren ein absolutes Highlight und hatten einen guten Unterhaltungswert. Eine Bilanz ist seither nicht mehr das, was sie einmal war. Dank Randy habe ich den Helikopter-Blick auf finanzielle Statements gelernt, der mir in Zukunft mit Sicherheit zugute kommt.

Aber aufgepasst! Man sollte auf jeden Fall perfekt vorbereitet zur Vorlesung kommen. Randy kennt alle Studenten und ruft diese nach dem Zufallsprinzip auf. Und dann wird solange nachgefragt, bis die Antwort parat ist. Rund 30 Prozent der Note basiert auf Mitarbeit im Unterricht und da möchte man sich natürlich nicht blamieren.Die Vorbereitung umfasste für jede Vorlesung meist das Lesen von zwei Kapiteln im Buch und das Bearbeiten zweier Fallstudien. Ich habe insgesamt immer so fünf Stunden benötigt.Das schlimmste in diesem Kurs ist aber das bereits oben erwähnte 24 Stunden Midterm Exam. Hier bekommen alle Teams einen Case und haben genau 24 Stunden Zeit, diesen zu bearbeiten und einen Bericht zu erstellen. Und die Erfahrung zeigte, dass auch die gesamte Zeit benötigt wird. Da es sich hierbei um eine Gruppenarbeit handelt, ist Disziplin besonders wichtig. Spätestens um vier Uhr morgens möchte man nicht mehr über Details diskutieren.Abschließend gibt es dann auch noch ein Final Exam, dass wieder individuell ist. Hier hat man drei Stunden Zeit, eine Fallstudie zu bearbeiten. Management Science
Alle, die schon einmal Operations Research im Studium hatten, werden hier Ihre wahre Freude haben. Es ging im Wesentlichen um Tools zur Entscheidungsunterstützung, lineare Programmierung und Simulation von komplexen Zusammenhängen. Aufgrund meiner akademischen Vergangenheit hat mir das sehr viel Spaß gemacht.

Sehr positiv ist auch das Professoren-Gespann zu erwähnen, die mit sehr viel Einsatz an das Thema herangegangen sind. Fast täglich haben wir irgendwelche Mails mit News und Hinweise auf gute Literatur erhalten. Und es gab auch immer einen sehr guten praktischen Bezug zum Beispiel zur Finanzwirtschaft.Die Bewertung erfolgt auf Basis zweier individueller Examen und dreier Gruppen-Assignments. Zudem gab es auch hier eine Note für die Beteiligung in der Vorlesung.Economics
Eine besondere Erfahrung. Ganz anders als die teils recht trockenen VWL-Vorlesungen meines früheren Studium ging es hier vielmehr um das wirtschaftliche, politische, soziale und kulturelle Umfeld, in welchem sich Unternehmen befinden können. Auch die entsprechenden Auswirkungen auf Strategie, Struktur und Prozesse wurden besprochen.

Im Rahmen des Final Exams hatten wir zum Beispiel 8 Stunden in der Gruppe Zeit, das ökonomische Umfeld eines beliebigen Energieunternehmens zu analysieren und entsprechende Empfehlungen zu diversen Themenstellungen zu entwickeln.Das Midterm Exam befasste sich mit Microsoft und Strategien im Hinblick auf diverse Antitrust Regulierungen. Der Rest der Note basierte auf der individuellen Beteiligung in der Vor-lesung. Organizational Behaviour
Mein Lieblingskurs. Und das nicht zuletzt auch aufgrund des Professors Bill Collins. Bill ist einer dieser Menschen, die man sich irgendwie in keinem anderen Job vorstellen kann, aber in dem Job, den sie machen, sind sie richtig gut. Themen waren Motivationstheorien, Leaders-hip, Unternehmenskulturen, Gruppeneinflüsse und Change Management.

Für mich persönlich war der Kurs eine sehr angenehme Ergänzung zu dem ansonsten recht quantitativen Semester. Insbesondere das gruppenbasierte Midterm Exam mit der Erstellung eines Reports zum Thema Leadership war ein echtes Highlight. Das Final Exam war dann individuell, ebenso wie die übliche Bewertung der Beteiligung in der Vorlesung. Student Association
Neben den akademischen Aspekten, spielt insbesondere auch das Engagement außerhalb der Vorlesungen eine große Rolle. Ich bin der Überzeugung, dass man umso mehr aus dem MBA mitnimmt, je mehr man persönlich einsetzt. An der Rotterdam School of Management haben wir 13(!) Studentenclubs, an welchen man sich zu diversen Themen engagieren kann. Aufgrund meiner beruflichen Vergangenheit und Zukunftspläne bin ich zum Präsidenten des Consulting Clubs gewählt worden. Allerdings sollte man eine solche Position nicht zur Aufwertung des CVs machen, sondern wirklich aus der Überzeugung einen Mehrwert bieten zu können. Und auch eine gewisse Begeisterung ist wichtig, da man mit etwa zwei Stunden Aufwand pro Tag in einem sowieso schon recht stressigen MBA-Leben rechnen muss.

Recruiting
Noch kurz ein paar Worte zum Thema Recruiting an der RSM. Wie bei vielen anderen Schulen gibt es hier ein Career Management Center, welches Firmen auf den Campus bringt und Recruitment-Aktivitäten koordiniert. Gemessen an den Firmen, die letztes Jahr für Full-Time-Stellen vertreten waren, kann man wirklich von einem Erfolg sprechen. Ich denke, dass generell der Markt für MBA Studenten sich wieder sehr positiv entwickelt und gerade die Nachfrage bei Top-Schulen sehr hoch ist. Aus Consulting Sicht bin ich in jedem Fall sehr zufrieden, da fast jede der führenden Beratungen mit einer Präsentation und anschließenden Emp-ang auf dem Campus war. Zudem gibt es ein nettes Buch mit allen Lebensläufen in einem einheitlichen Design, das an eine Vielzahl von Unternehmen geschickt wird. Die Respons war im letzten Jahr sehr groß und viele Studenten wurden zu Interviews eingeladen. 2. Semester

Am 6. Februar begann das zweite Semester, welches bis zum 5. Mai anhielt. Die Struktur war im Wesentlichen ähnlich dem ersten Studienabschnitt, mit Schwerpunkt auf Gruppenarbeit und Fallstudien. Der spannenste Moment zu Beginn war daher auch die Bekanntgabe der neuen Teams. Im Gegensatz zum ersten Semester kannte man sich ja nun recht gut untereinander und wusste, mit wem man insbesondere arbeiten wollte. Und ich hatte auch diesmal Glück mit meinem Team, auch wenn es in vielen Bereichen sehr verschieden zur ersten Gruppe war. Es waren vertreten ein Consultant aus der Türkei, eine Operations-Managerin aus Bolivien, eine Bankerin aus Taiwan und ein IT-Spezialist aus Uganda.

Es war deutlich zu sehen, dass wir bzgl. Teamwork alle aus dem ersten Semester gelernt haben. Der Teamfindungsprozess war recht schnell und das Geniale an unserer Zusammensetzung war, dass wir auch in den stressigsten Momenten immer eine Menge Spass hatten. Auch diesmal bekamen wir mit einer Senior-Managerin von Citigroup wieder einen sehr guten Gruppen-Mentor zugewiesen. In regelmäßigen Treffen sprachen wir über Dynamik und Effizienz unserer Arbeit und versuchten, das Feedback dann auch wirklich umzusetzen.

Ein Tipp für alle zukünftigen MBA Studenten ist, diese Teamarbeit wirklich als eine super Chance zu verstehen, den eigenen Horizont erheblich zu erweitern. Wir haben im Rahmen unserer Projekte über viele Dinge diskutiert und sind zu teils sehr kreativen Lösungen gelangt, an welche ich selbst wahrscheinlich nie gedacht hätte. Ich denke, dies ist auch eine Besonderheit des zweiten Semesters. Während man im ersten Semester noch in der Eingewöhnungsphase war, konnte man nun richtig loslegen und die Erfahrungen erlangen, die ich mir im Vorfeld von dem MBA erhofft habe.

Im Folgenden werde ich nun wieder die einzelnen Kurse des zweiten Semesters im Detail beschrieben. Einen besonderen Fokus lege ich hierbei auf das Living-Management Projekt, ein integriertes Consulting-Projekt zum Ende des Semesters, dessen Bewertung die Basis für 25% der Noten aller Kurse bildete.

Strategic Management

Willkommen zu dem Kurs, in welchem jeder MBA Student seinen zukünftigen Wortschatz erlangt. Von Value Chains über Five Forces zu diversen Consulting Matrixen wurde eigentlich alles diskutiert. Das (im Nachhinein) Schöne an diesem Kurs war jedoch, das es hierbei nicht bei einer rein theoretischen Betrachtung blieb, sondern wir als Studenten sehr stark an der Gestaltung der einzelnen Sessions involviert waren. Über das Semester hat mein Team und ich fünf Präsentationen mit diversen Industrie- und Firmenanalysen erstellt. Zudem wurde für jede Vorlesung ein Chief Knowledge Officer ernannt, der im Anschluss das Feedback aller Kursteilnehmer zusammenfasste, was dann in der nächsten Session auch sofort umgesetzt wurde. Ein weiteres Highlight war eine Guest Lecture über soziale Netzwerke und deren Bedeutung für die klassische Hierarchie. Diese Beispiele zeigen, dass unser Professor Patrick Reinmöller sehr bemüht war, immer wieder neue Konzepte und Ideen einzubringen. Und ich muss sagen, dass ich diesen Kurs sehr genossen habe, auch wenn der Vorbereitungsaufwand sehr hoch war. Für jede Session mussten wir neben den Gruppenarbeiten auch individuell einen Case vorbereiten, ein oder mehrere Kapitel im Buch lesen und dann auch noch diverse Artikel durchsehen.

Den Schwerpunkt der Benotung (50%) bildete eine indivueller Bericht, in welchem wir die Zusammenhänge zwischen Strategie und Performance eines Fortune 500 Unternehmens über die letzten 20 Jahren untersuchen sollten. Da ich sehr stark an der Pharma-Industrie interessiert bin, habe ich mich für Merck & Co, Inc. entschieden. Besonders gute Arbeiten wurden dann in der letzten Session als Best Practice vorgestellt. Die bereits erwähnten Gruppen-Präsentationen waren ebenso Bestandteil der Benotung wie die übliche aktive Teilnahme an der Vorlesung.

Finance Management

Das macht der Chef persönlich. Finance wird in Rotterdam vom Dean Mike Page gelehrt, zumindest die ersten sechs von insgesamt zwölf Sessions. Dann wurde das Zepter überreicht an Ronald Poppe. Und gerade dieser Wechsel macht den Kurs sehr interessant. Mike hat einen sehr akademischen Ansatz, während Ronald durch und durch ein Praktiker ist. Ich selbst hatte keinen besonders fundierten Finance-Hintergrund und nachdem ich in den ersten Wochen sprichwörtlich von Finanztheorie erschlagen wurde, halfen mir Ronalds zahlreiche Beispiele meinem theoretischen Wissen einen praktischen Rahmen zu geben.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass Finance einer dieser Kurse ist, bei denen es sehr wichtig ist, was man selbst daraus macht. Da 60% der Note in der Abschlussprüfung und 25% im Living Management Projekt liegen, könnte man theoretisch bis zur letzten Minute mit der Vorbereitung warten. Allerdings bin ich der Meinung, dass dieses Fach einfach zu wichtig ist und das eigentliche Lernen wie bei vielen anderen MBA Kursen in der Diskussion mit anderen Studienkollegen während der Vorlesung liegt. Ich muss gestehen, dass ich durch diesen Kurs einen echten Bezug zur Finanzwelt gefunden habe, den ich gerne später intensivieren möchte.

Marketing Management

Dieser Kurs teilte die Meinungen in unserem Jahrgang ohne jeden Zweifel in zwei Lager. Mit Gordon Mandry hatten wir einen echten Charakter-Typen aus Wales als Professor und für mich den besten Professor aller Zeiten. Gordon is knallhart. Bereits nach der ersten Vorlesung kam keiner mehr zu spät, war jeder immer top vorbereitet und traute sich keiner mehr auch nur ansatzweise einer anderen Beschäftigung nachzugehen. Mit Grauen erinnere ich mich zum Beispiel an eine Szene, in welcher Gordon die Vorlesung für 10 Minuten stoppte und jedem öffentlich und sehr direkt Feedback zur Mitarbeit gab, da ihm die Diskussion an diesem Tag nicht ausreichend war. Man muss definitiv einstecken können in Gordon?s Kurs, aber wenn man damit klarkommt, sind diese 12 Sessions das absolute Highlight des MBA Programms. Die Vorlesung war immer zweigeteilt. In der ersten Hälfte behandelten wir diverse Marketing-Themen, im zweiten Abschnitt musste immer eine Gruppe eine ca. 30 minütige Präsentation zu einem Case geben. Auch wenn diese Präsentation nur 15% der Endnote ausmachte, waren wir, glaube ich, noch nie besser vorbereitet. In einer anschliessenden Question&Answer-Session vergab Gordon nämlich Mitarbeitsnoten nach der Schwierigkeit und Gemeinheit der Frage, so dass man immer einem Sturm von Kritikern ausgesetzt war.

Wie gesagt, man muss Gordon?s Stil mögen, um sich in diesem Kurs zurechtzufinden. Ich zumindest habe wirklich sehr viel gelernt und bevorzuge generell direkte Menschen, auch wenn es manchmal etwas rüpelhaft erscheint. Nach dem Unterricht war Gordon dann der echte Welshman und war bei jedem Abend im Pub mit dabei. Details können hier natürlich nicht veröffentlich werden, aber klare Höhepunkte waren auf jeden Fall immer die Champions-League-Spiele von Arsenal London.

Am Ende des Kurses schrieben wir ein Final Exam, das 50% der Note ausmachte. Hier bekamen wir einen Case schon am Vorabend und mussten dann am Klausurtag ein Essay über ein spezielles Marketing-Problem schreiben .

Operations Management

Nachdem ich nun bereits so viel Positives geschrieben habe, muss ich jetzt auch etwas negativ werden. Mir hat Operations Management nicht so sehr gefallen, auch wenn sehr viele meiner Kollegen hier eine andere Meinung haben. Das Thema war für meinen persönlichen Geschmack zu akademisch aufbereitet und man hätte es mit mehr praktischen Beispielen sicherlich lebhafter gestalten können.

Wir behandelten die zugrundeliegenden Operationen von produzierenden Unternehmen über Service-Firmen bis hin zur NPOs. Supply-Chain-Management und Qualitätsmanagement waren weitere Schwerpunkte des Kurses. Die Professorin Ann Verneecke hatte einen beeindruckenden Erfahrungsschatz und es gab, glaube ich, keine Frage, die sie nicht unmittelbar beantworten konnte.

Integriert waren einige Gruppenarbeiten, sowie ein individuelles Examen (25%). Die Benotung wurde abgerundet durch die übliche Bewertung der Mitarbeit.

Human Ressource Management

Philip Stiles war nach Gordon mein Lieblingsprofessor in diesem Semester, auch wenn er ein komplett anderer Typ war. Philip ist einer dieser Menschen, denen man einfach gerne zuhört. Eine gewisse Genialität, extrem komplexes Denken und nicht immer so richtig strukturiert ? willommen in Philip?s HR Kurs. Nicht falsch verstehen, dieser Kurs war einfach nur super und das Thema bedarf wahrscheinlich genau einer Persönlichkeit wie Philip um richtig gut zu sein.

Wir behandelten eigentlich alle relevanten HR-Themen. Die Präsentation war sehr abwechslungsreich durch den Einsatz verschiedenster Medien. Philip nahm sich aber auch nach jeder Session noch sehr lange Zeit, alle Fragen zu beantworten und individuelle Situationen zu diskutieren.

Die Bewertung erfolgte durch ein Gruppen-Assignment und einen indiviudellen Bericht zu einem HR-Thema freier Wahl.

Information Management

Ich habe zuvor Wirtschaftsinformatik studiert und daher hatt der Kurs mir nicht allzu viel Neues geboten. Es war allerdings interessant, andere Ansätze und Standpunkte mit meinen Klassenkameraden zu diskutieren. Der Leitfaden war im Wesentlichen die Zusammenführung der IT-Strategie mit der Unternehmens-Strategie und die Identifikation von Potentialen durch den Einsatz von Informationstechnologie. Insgesamt hat mir gefallen der Kurs und ist ein wichtiger Bestandteil eines jeden MBA Programms.

Die Bewertung erfolgte durch zwei Gruppenprojekte. Das erste Assignment bestand aus einer Präsentation mit umfangreicher Bewertung des Geschäftsmodells einer Google Lab Lösung (in meinem Fall Google Local for Mobile). Im zweiten Assignment mussten wir als Gruppe einen IT Strategy Plan für eine Unternehmen erstellen.

Personal Leadership Development

Getreu der RSM-Philosophie hatten wir auch dieses Semester wieder einige Veranstaltungen zur persönlichen Weiterentwicklung. Dies umfasste zum Beispiel Training in Präsentationen, Coaching und Facilitating. Mein persönlicher Favorit war aber das Event ?Managing the Media? in welchem für jede Gruppe eine Pressekonferenz simuliert wurde und wir dann kritischen Themen ausgesetzt wurden. Unsere Gruppe musste zum Beispiel der Medienwelt berichten, dass das Auslaufen von Gift aus einer unserer Fabriken den Tod eines Kind verursacht hat.

Living Management Project

Wie oben bereits angedeutet, wurde das zweite Semester abgerundet durch das Living Management Project, das für uns alle eine tolle Erfahrung war. RSM arbeitete hier mit zwei Unternehmen mit komplett unterschiedlichen Herausforderungen zusammen ? Marvel Comics und Steenland Chocolates. Jedes der Studenten-Teams wurde einem der Unternehmen zugelost und hatte dann eine Woche Zeit zur Bearbeitung der ?Management Challenge?. In unserem Fall war es Steenland Chocolate, eine Firma, die der Weltmarktführer in Schokoladentaler ist und vor zwei Jahren nach einem Bankrott von der Public Equity Firma Plain Vanilla gekauft wurde. Der Turnaround wurde geschafft und nun war es an uns, Wachstumspotentiale aufzuzeigen.

Die ganze Woche war super organisiert. Wir hatten die Möglichkeit zu Interviews mit Executives der Firma, konnten uns bei externen Consultants Feedback über unsere Arbeit einholen und hatten einen speziellen Group Process Observer nur für dieses Projekt. Am Ende der Woche mussten wir unsere Ergebnisse vor einem Board bestehend aus den Executives der Firma, RSM Professoren und externen Consultants präsentieren, und in einer abschliessenden Q&A Session eine Menge knifflige Fragen beantworten.

Das Projekt war eine super Möglichkeit, das neue MBA Wissen gleich direkt im ?Ernstfall? einzusetzen. Neben der erprobten Kompetenz war es für uns als Team aber auch vor allem wichtig zu sehen, wie sich diese sehr intensive Woche (4 Stunden Schlaf maximal) auf unsere Gruppendynamik auswirkte. Und ich kann sagen, dass wir auch jetzt alle noch Freunde sind, vielleicht sogar noch etwas mehr als zuvor.

Rückblick 2. Semester

Das zweite Semester war sehr verschieden zu unserem ersten Abschnitt. Waren im ersten Semester noch hauptsächlich Grundlagen das Thema, hatten wir nun all die interessanten Kurse, die den MBA wirklich ausmachen. Ich habe das Semester sehr genossen, auch wenn es entgegen aller vorherigen Aussagen um einiges härter war als das vorherige. Es war unmöglich alle zugewiesenen Artikel, Fallstudien, Kapitel, etc. zu lesen und gutes Zeitmanagement war extrem wichtig.

Neben den akademischen Einblicken war es aber auch die Zeit, in denen sich Freundschaften richtig entwickelten. Konnte man das erste Semester noch als Vorspiel bezeichnen, haben sich in dieser Zeit die Bündnisse gefunden, die ein Leben lang erhalten bleiben. Insgesamt bin ich noch immer total überzeugt, dass ich mit Rotterdam die richtige Wahl getroffen habe. Nun, da ich nach vielen Wettbewerben und Veranstaltungen mit anderen Schulen auch einen Vergleich treffen kann, ist mir klar, dass wir irgendwie anders sind. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich glaube in Rotterdam findet man nicht die typischen MBA Studenten. Hier gibt es viel Spielraum seinen individullen Lebensstil auszuleben, was auch viele sehr intensiv praktizieren. Dennoch sind wir auch besonders stark als Gruppe. Ich habe selten zuvor soviel gelacht wie hier.

Das nächste Semester besteht nur aus zwei Wochen sehr intensiver Career Concentration und dann verabschieden sich alle in Richtung Summer Associateship. Das letzte Semester startet im September und wird bis Ende Dezember gehen.

Semester 3

Career Concentration
Vorlesungen im dritten Semester werden nur für einen Zeitraum von zwei Wochen gehalten. Sinn und Zweck ist die intensive Vorbereitung auf das folgende Summer Associateship. Je nachdem in welche Richtung man hier gehen möchte, hat man die Möglichkeit zwischen den Schwerpunkten Finance, Strategy und Marketing zu wählen. Ich selbst habe mich letztlich für Marketing entschieden, da ich die Kursinhalte für mein Praktikum (siehe unten) als am nützlichsten empfunden habe.

Alle Vertiefungskurse waren sehr intensiv. Wir hatten täglich immer um die sechs Stunden Vorlesung und dann noch die übliche Vor- und Nachbereitung. Dazu gab es auch hier wieder eine Gruppenarbeit und ein individuelles Take-Home-Exam. Die Gruppenarbeit bot diesmal eine schöne Abwechslung. Wir durften nämlich einen eigenen Case schreiben und nicht, wie immer, diesen nur lösen. Zudem durften wir zum ersten Mal auch unser Team selbst wählen. Da man sich nach nun bereits acht Monaten sehr gut kennt, konnte man sich somit auch die Leute aussuchen, mit denen man am besten arbeiten kann. Und es war wirklich eine tolle Erfahrung, denn Gruppenarbeit hat noch nie so viel Spaß gemacht. Wir schrieben einen Case über L?Oreal und die Babyboomer Generation, und hatten eine geniale Zeit voller Creme-Tests, Verbraucher-Interviews, etc. Das individuelle Examen am Ende war dann die Erstellung eines Marketing-Plans für die Internet-Wettbörse betfair.com.

Insgesamt empfand ich den Kurs als okay, wenn auch nicht absolute Weltklasse. Die Kollegen aus Strategy und Finance waren dagegen sehr euphorisch. Ich muss aber auch gestehen, dass es mir ganz recht war, etwas weniger Aufwand zu haben, da ich in diesen zwei Wochen auch im Rahmen des Consulting Clubs zwei Groß-Events mit AT Kearney und Arthur D. Little organisiert habe. Insgesamt waren diese zwei Wochen für mich also sehr arbeitsintensiv aber natürlich wie immer auch sehr interessant.

MBA Olympics
Nach der Career Concentration und quasi auch als letztes Element vor dem Summer Associateship ging es dann zu den MBA Olympics nach Paris. Und dieses Event ist für viele sicherlich das absolute Highlight des MBA Studiums. Über vier Tage treten hier die besten Business Schools Europas sportlich gegeneinander an. Dabei ist Sport aber natürlich nicht alles. Am Abend gibt es immer tolle Veranstaltungen und Feiern mit insgesamt über 2000 Studenten.

Wir von RSM haben hier immer eine ganz besondere Philosophie. Angereist mit ca. 50 Leuten, ist es natürlich sehr schwer, sportlich mit größeren Schulen mit bis zu 400 Athleten wettzueifern. Daher haben wir auch dieses Jahr wieder unsere Core Competence, das Feiern, voll ausgespielt. Jeder der anwesenden MBAs wird wohl bestätigen können, überall nur Orange gesehen und gehört zu haben.

Summer Associateship & Exchange
Nun ist es also soweit. Nach acht Monaten voller akademischer Einblicke dürfen wir endlich wieder arbeiten. Ich werde nach London zu Johnson & Johnson gehen und dort im Bereich Competitive Strategy Development arbeiten. Da ich bereits sehr lange an Healthcare und Pharma im speziellen interessiert bin, freue ich mich auch schon sehr auf die neuen Aufgaben. Das Praktikum wird insgesamt 12 Wochen dauern. Für RSM muss ich hierbei auch eine Firmenanalyse als begleitende akademische Übung erstellen. Wie gesagt: Firma super, Thema super, Stadt super ? ich freue mich richtig auf den Sommer.

Das letzte Semester beginnt im September. Hier hat man dann die Möglichkeit, seine Career Concentration mit Electives fortzusetzen. Alternativ bietet sich an, auf Exchange zu gehen. Ich habe die Option wahrgenommen und werde daher Ende des Jahres für vier Monate nach Wharton gehen. Grund für die Entscheidung war die zusätzliche Erfahrung an einer anderen B-School und dann auch die speziellen Electives in Wharton im Bereich Healthcare wahrzunehmen. Meine Gefühle kann man momentan ganz gut beschreiben mit ?it?s great to go but sad to leave?. Gerade die MBA Olympics haben uns als Gruppe noch einmal mehr zusammengeschweißt. Wenn jemand die ultimative Gruppenerfahrung sucht, ist der MBA in Rotterdam auf jeden Fall die beste Lösung. Ich bin überzeugt, dass man diesen Spirit nur bei RSM findet und bin stolz, hier Freunde fürs Leben gefunden zu haben.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.02.2006