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Matsushita holt erstmals Ausländer ins Board

Von Axel Postinett, Handelsblatt
Europa-Chef Joachim Reinhart soll als erster Nicht-Japaner überhaupt seit Gründung des Unternehmens 1918 als Executive Officer in den Vorstand der Muttergesellschaft Matsushita Electric Industrial Co. einziehen.
DÜSSELDORF. Aber das, was ihm zuerst Yukio Shohtoku, zuständig für alle Überseeaktivitäten des Konzerns, und dann Nakamura selbst mitteilten, lag weit außerhalb jeglicher Routine. Reinhart soll als erster Nicht-Japaner überhaupt seit Gründung des Unternehmens 1918 als Executive Officer in den Vorstand der Muttergesellschaft Matsushita Electric Industrial Co. einziehen.Der 57-jährige Chief Operating Officer der Matsushita Electric Europe zögerte nicht lange, obwohl die Aufgabe nicht leicht sein wird. Matsushita Electric (?Panasonic?) ist heute ein 72 Milliarden Dollar schwerer Konzern, der seine Produkte zwar weltweit verkauft, aber im Vergleich zu anderen japanischen Industrieriesen noch als verhältnismäßig traditionell und konservativ organisiert gilt.

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Das müsse sich ändern, hatte President Nakamura zu Beginn seiner Amtszeit klargestellt. Reinharts Berufung ? die der Aufsichtsrat am 29. Juni absegnen muss ? ist ein Schritt in diese Richtung. Sie unterstreicht die Bedeutung, die Nakamura dem Auslandsgeschäft beimisst, das im abgelaufenen Geschäftsjahr knapp 54 Prozent zum Umsatz beitrug. Europa gilt vor allem seit der EU-Osterweiterung wieder als interessant.Die Berufung des Deutschen passt auch in die Strategie von Auslandschef Shohtoku. Er hat die Eigenverantwortung und den Spielraum der Auslandstöchter stark vergrößert. Sie sind inzwischen für ihre Erträge selbst verantwortlich und können sich nicht mehr hinter der Zentrale in Osaka verstecken.Lesen Sie weiter auf Seite 2:Reinhart, der nach eigenen Aussagen ?leidlich? Japanisch spricht, kann zuhören und ist um Ausgleich bemüht. Das bestätigen Mitarbeiter. Er selbst schmunzelt: ?Immer mit dem Kopf durch die Wand? Das gewöhnt man ihnen in einem japanischen Unternehmen schnell ab.? Reinhart ist über 20 Jahre dabei. Da weiß man das.Abends tauscht der studierte Betriebswirt den Dienst-Audi A8 gegen einen Smart, nicht nur wegen der Parkplatznot in der Wiesbadener Europa-Zentrale. Er, 1946 geboren, verkörpert die Nachkriegsgeneration, liebt den unauffälligen Auftritt, will mit Leistung überzeugen ? und überzeugt werden.Das war nicht immer so. ?Ich habe mir früher zu wenig Zeit für die Personalauswahl genommen?, räumt er rückblickend ein. ?Deren Bedeutung kann man nicht hoch genug einschätzen?, sagt er. Das habe er ?bitter lernen müssen?. Jetzt hält er es mit seinem Vorbild Jack Welch, dem Ex-Chef von General Electric. Der brachte die Hälfte seiner Zeit damit zu, die richtigen Leute auszuwählen. Reinhart hat ja bald viel Zeit, sich darüber Gedanken zu machen ? auf seinen langen Flügen zur Matsushita-Zentrale in Osaka.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.05.2004