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Maschinenbau - der Motor läuft und läuft

Hans-Martin Barthold
Ohne Industrie keine Wertschöpfung – das gilt auch für die Dienstleistungsgesellschaft. Angehende Maschinenbau- Ingenieure können also beruhigt in die Zukunft schauen.
Made in Germany klingt immer noch gut: Zwei von drei in Deutschland gebauten Maschinen finden Abnehmer im Ausland. "Fachlich reicht den deutschen Maschinenbau-Ingenieuren nach wie vor keiner das Wasser", lobt Roland Schneider die Ausbildungsqualität der Hochschulen zwischen Aachen und Dresden, Hamburg und München. Als Recruiting-Manager von Ford Deutschland kann er international vergleichen.

Hürde Mathematik

Die besten Jobs von allen


Aber die Studierenden zahlen einen hohen Preis für diese glänzenden Startchancen. Vor allem in Mathematik und Physik sowie den Anwendungsfächern wie Technische Mechanik, Thermodynamik oder Maschinenelemente scheitern viele.

Daher bieten die Hochschulen Mathe-Kurse vor Studienbeginn sowie studienbegleitende Tutorien an. Norbert Vormoor vom Mathematischen Institut der Uni Göttingen rät unbedingt zur Teilnahme. Denn ist das mathematische Handwerkszeug erworben und das Vordiplom bestanden, bricht kaum noch jemand das Studium ab. Nur lichten sich die Reihen bis dahin stark.

Verkaufen lernen

Fachwissen allein reicht jedoch nicht. Frank Ross, Leiter der Abteilung Hochschulmarketing beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen, stellt fest, "dass technisch exzellente Produkte auch verkauft werden wollen." Die Hochschulen haben dies bisher vernachlässigt. "Maschinenbaustudenten sollten deshalb alle Möglichkeiten nutzen, ihre Fremdsprachenkenntnisse, ihre Team-, Konflikt- und Präsentationsfähigkeit zu trainieren", empfiehlt Silke Becker, Sprecherin des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Studiendauer und Noten seien bei der Bewerberauswahl nicht ausschlaggebend, erklärt Frank Ross. Die mehrheitlich mittelständischen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus legten mehr Wert darauf, dass der Absolvent sich ohne detaillierte Handlungsanleitungen des Vorgesetzten zu helfen wisse. Ein Urlaubssemester, in dem der Bewerber Projektarbeit kennen gelernt habe, sei deshalb allemal ein Gewinn.

An einem weiteren Punkt sind sich potenzielle Arbeitgeber einig: Studium und außeruniversitäre Aktivitäten sollten einen roten Faden erkennen lassen. "Der Absolvent muss eine Expertise aufgebaut und sich während des Hauptstudiums für die angestrebte Funktion maßvoll spezialisiert haben", wünscht sich Personaler Schneider. Gesucht seien derzeit alle Vertiefungsrichtungen. Den größten Bedarf gebe es in Entwicklung, Fertigung, Vertrieb und Produktionslogistik.

Techniker und Manager

Schneider formuliert eine weitere Anforderung an Absolventen: "Wir erwarten von einem Maschinenbau-Ingenieur nicht die absolut beste technische Lösung, sondern das ingenieurtechnische Optimum innerhalb des vorgegebenen Budgets und Produktverwendungsrahmens." Das heißt, kosten- und kundenorientiert denken und auch Führungsaufgaben übernehmen. Denn gerade in mittelständischen Unternehmen ist der Maschinenbau-Ingenieur oft Techniker und Manager zugleich.

Und die Wahl der Hochschule? Der VDI kommt in seiner Studie "Ingenieurbedarf 2000" zu dem Ergebnis, dass mit dem Trend zur Höherqualifizierung im forschungsintensiven Maschinenbau die Zahl der Uni-Absolventen steigt. Sabine Schönberg, Rekruterin bei Volkswagen, erklärt: "Den größten Bedarf haben wir in Forschung und Entwicklung, wofür wir vorrangig Uni-Ingenieure suchen, möglichst sogar promovierte." Für das operative Tagesgeschäft wie in der Produktion besäßen dagegen FH-Absolventen die besseren Karten.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.04.2001