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Martin Ebner mischt wieder mit

Von Oliver Stock
Martin Ebner war einst der Star in der Schweizer Bankierszene. Dann aber kam der Börsencrash, und Ebner hatte Mühe, sich über Wasser zu halten. Nun ist der Schweizer Bankier Großaktionär bei Converium und Saurer, dem Weltmarktführer für Textilmaschinen und Antriebssysteme, geworden. Was steckt hinter den Aktivitäten des Bankiers?
HB ZÜRICH. Darüber hinaus sind die Ebners mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Patinex neuerdings größter Aktionär beim Schweizer Rückversicherer Converium. Dort halten sie 12,5 Prozent der Anteile. Und ?wer Herrn Ebner kennt, weiß, dass er ein aktiver Aktionär ist? ? so beschrieb es gestern jedenfalls der langjährige Ebner-Begleiter und Verwaltungsratspräsident des BZ-Fund-Managements, Ralph Stadler, dem Handelsblatt. Converium befindet sich in einer unsicheren Phase, nachdem sich der Rückversicherer im US-Geschäft verkalkuliert hat und sein Kapital massiv erhöhen musste, um zu überleben. Ebners Großeinstieg löste ein Kursfeuerwerk bei Converium aus.Was steckt hinter den Aktivitäten des Bankiers? Ebner war einst der Star in der Schweizer Bankierszene. Renommierte Adressen wie die Züricher Privatbank Leu und die Winterthur-Versicherung standen auf seiner Kaufliste ? damals, in den neunziger Jahren, als es ihm gut ging und er unter anderem mit der Entwicklung seiner ?Visionen? getauften Beteiligungsgesellschaften Millionen verdiente. Er nutzte sie, um Einfluss auf Firmen wie den Pharmagiganten Roche oder den Industriekonzern ABB zu nehmen. Laut Steuerregister seiner Heimatgemeinde musste Ebner damals ein jährliches Einkommen von 17 Mill. Franken sowie ein Privatvermögen von rund fünf Mrd. Franken versteuern.

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Dann aber kam der Börsencrash, und Ebner hatte Mühe, sich über Wasser zu halten. Seine Freundschaft zum milliardenschweren Ex-Chemieunternehmer und heutigen Schweizer Justizminister Christoph Blocher könnte ihm geholfen haben, die Durststrecke zu überstehen. Seine BZ-Bank überlebte, nachdem ein Großteil der Beteiligungen versilbert worden war und Gläubiger auf Forderungen verzichtet hatten. Inzwischen steht die Bank, die ihren Geschäftsabschluss Ende November erstellt, wieder solide da. Der Gewinn hat sich 2005 auf umgerechnet zwölf Mill. Euro knapp verdreifacht, die betreuten Kundenvermögen haben sich auf rund 2,2 Mrd. Euro erhöht. Bei der Generalversammlung wird voraussichtlich die Rückkehr zur Dividendenzahlung beschlossen. Gleichzeitig wird mit Manuel Ebner vom März an wieder ein Familienmitglied an der Spitze der Bank stehen. Mit Markus Ebner arbeitet ein weiterer Neffe im Konzern. ?Wir haben aber nicht die Absicht, ein Familienbetrieb zu werden?, versichert Stadler.Aus Ebners Frühzeit stammt die Beteiligungsgesellschaft Patinex. Er hat sie 1973 gegründet und im vergangenen Monat aus einem Dornröschenschlaf geweckt, in dem sie scheinbar geschlummert hatte: Am 12. Dezember wurde sie von Ebners BZ Gruppe Holding übernommen und anschließend aus dem Handelsregister gelöscht. Der Name allerdings wurde an die BZ Gruppe weitergereicht. Die neue Patinex führt Ebner selbst als Verwaltungsratspräsident.Damit hat sich der Financier wieder eine Stellung verschafft, die nicht mit dem einst in Mitleidenschaft gezogenen Namen BZ Bank verknüpft ist und von der aus er öffentlich agieren kann. Versicherer wie Converium hatten ihn schon vor einem Vierteljahrhundert gereizt, als er als Analyst bei der Züricher Bank Vontobel anfing. Später machte er seine ersten großen Gewinne mit dem Weiterverkauf von Aktien eines Schweizer Versicherers an die Allianz.
Die Beteiligungen ConveriumEbner kontrolliert 12,5 Prozent der Aktien des Rückversicherers, wie er am 21. Dezember bekannt gab. Der Kurs reagierte.SaurerDie von Ebner kontrollierte BZ Bank und deren Anlagetochter kommen auf mehr als fünf Prozent der Aktien des Textilmaschinenherstellers Saurer.IntershopMit rund 47 Prozent ist Ebner Großaktionär der Immobilienfirma Intershop.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.01.2006